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Tracks

Heute mit: R. Stevie Moore, Babycastles, Black Metal 2.0, Michael Tully, Metallica und Lou Reed, Social Distortion/Mike Ness

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Dienstag, 18. Oktober 2011 um 05.00 Uhr

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Tracks
(Deutschland, 2011, 52mn)
BR

16:9 (Breitbildformat)

Heute mit: R. Stevie Moore, Babycastles, Black Metal 2.0, Michael Tully, Metallica und Lou Reed, Social Distortion/Mike Ness

(1): R. Stevie Moore - Godfather of Homerecordings
Dass R. Stevie Moore erst mit 59 sein Homestudio verlässt und zum ersten Mal auf Tour geht, liegt nicht an mangelndem Output. Der Mann hat schließlich schon über 400 Alben aufgenommen.
R. Stevie Moore mag's gerne heimelig. "I like to stay home where it's safe and sound and nobody has a rifle. I don't care about going anywhere. I don't think about appearing anywhere. I got enough to do right here", singt er in seiner Stubenhockerhymne "I Like to Stay Home". Und daran hat er sich seit den späten 60ern streng gehalten. Statt in die Fußstapfen seines Vaters Bob Moore zu treten und mit Nashville-Größen ins Studio zu gehen, blieb er lieber zu Hause und bastelte an seinen Lo-Fi-Hits und Klangexperimenten. Und dabei ist einiges zusammengekommen: über 400 Alben auf Kassetten und selbstgebrannten CDs! Mittlerweile hat sogar der Meister selbst den Überblick verloren. Dank Youtube, eifrig ins Netz stellender Fans und Support von US-Indiegrößen wie Ariel Pink und MGMT kommt R. Stevie Moores Werk gerade langsam aus dem Keller in die Wohnzimmer dieser Welt. Und R Stevie Moore selbst hofft auf den späten Durchbruch mit 59. "Tracks" besuchte ihn zu Hause in Nashville und kramte mit ihm in seinen Plattenkisten.

(2): Babycastles - Gruppen-Zocken im Indiekeller
Syed Salahuddin und Kunal Gupta hatten keine Lust sich alleine zu Hause vor dem Rechner zu langweilen. Deshalb haben sie ihre eigene Indiespielhalle aufgemacht. Im Keller ihres Club- und Wohnprojekts in Queens zimmerten sie vor zwei Jahren mit befreundeten New Yorker Künstlern ihre ersten eigenen Spielekonsolen zusammen und beauftragten DIY-Spielentwickler hier ihre Pixel purzeln zu lassen.
Mittlerweile touren Babycastles mit ihren Sperrmüllarkadenautomaten und Selfmade-Spielen durch die New Yorker Indieclubs und Underground Galerien. Und sie haben sich gerade in einer Lagerhalle am East River ausgebreitet. Ihre Mission: beim Zocken das Gruppenerlebnis zu beschwören. "Tracks" hat sich unters bunte Völkchen im Games-Kollektiv gemischt.

(3): Some kind of Überraschungsei - Metallica und Lou Reed zeigen, wie interdisziplinäres Arbeiten geht
Wie bringt man ein gesellschaftskritisches Drama der Vorkriegszeit, Thrash-Metal und Avant-Rock zusammen? Indem man Lou Reed und Metallica gemeinsam ins Studio bringt und sie Songs für Frank Wedekinds Drama "Lulu" einspielen lässt. In bis zu Zwölf-Minuten-Songs trifft Reeds legendärer monoton-narrativer Stil auf die Thrash-Riffs von Metallica und Lou Reeds Soundtrack für die "Lulu"-Inszenierung am Berliner Ensemble wird Mosh-tauglich. "Tracks" hat sich Lou Reed, Lars Ulrich und James Hetfield mal zur Seite genommen, um zu klären, worüber man als Ansammlung von Musikheroen denn so beim Mittagessen spricht und wer hier eigentlich wen bewundert.

(4): Indies Demented - Die verrückte Filmwelt des Michael Tully
"Septien" ist keine außerirdische Spezies, sondern ein Film von Indie-Regisseur Michael Tully. "Septien" ist eine wüste Melange aus Drama, Komödie, Horrorstreifen und Sportfilm: drei Brüder, drei innere Dämonen. Tully selbst spielt Cornelius Rawlings, der nach 18 Jahren erstmals wieder zur heimischen Farm zurückkehrt, zur Freude von Ezra, dem ältesten Bruder. Der wiederum macht gerne in Frauenkleidern die Gegend unsicher. Der Dritte im Bunde heißt Amos und malt in der Scheune Bilder voller abgerissener Genitalien. Zu den Bilderbuchknaben gesellen sich noch irrer Klempner, eine Nymphe und ein Gelegenheitsexorzist. Fertig ist "Septien" - so weit entfernt vom Hollywood-Mainstream wie der Teufel vom Weihwasser. Michael Tully hat "Tracks" von Wahnsinn, Kreditkartenschulden und der besten Basketballszene der Welt erzählt.

(5): Black Metal 2.0. - Schön düster und überhaupt nicht unheilvoll
So kennt man Black Metal: leichenblass, hasserfüllt und klischeebeladen. Doch 2011 ist damit Schluss. Die neuen Black Metal-Bands kommen frisch geduscht und ökologisch aufgeklärt daher. Die pure Lebensfreude - auch wenn man das dem Sound nicht unbedingt anhört. Eine der neuen Black Metal-Bands: Wolves in the Throne Room aus Washington State.
Eigentlich kommen die vier Bandmitglieder aus der Punk-Ecke - und leben jetzt in einer Art Hippie-Kommune auf einer Farm weitab von allem. Eins mit der Natur und ihrer Mystik - für Wolves in the Throne Room ganz eindeutig eine Verbindung zum Metal. Mit rassistischem Gedankengut will keine der neuen Black Metal-Bands etwas zu tun haben, Wolves in the Throne Room genauso wenig wie Liturgy aus New York.
Die Band aus Brooklyn nennt ihren Sound "Transcendental Black Metal". Angefangen hat alles mit einem Soloprojekt des Sängers Hunter Hunt-Hendrix; mittlerweile beschäftigt sich die Band markenzeichenmäßig mit der Metaebene des Black Metals. Weiße Leichenbemalung gibt's da nur als Joke im Karneval - eine Haltung, die der Band viel negative Kommentare in der Szene eingetragen hat. Stört Liturgy aber nicht weiter, sie machen ihr Ding und glauben, dass es irgendwann auch die Letzten eingesehen haben: Letztlich sind auch im Black Metal alle eine große Familie.

(6): Social Distortion - Don't mess with Mike Ness!
Den Sound und den Lifestyle für den Punk der 80er Jahre lieferten Bands wie Bad Religion, The Offspring, Black Flag oder Social Distortion. Deren Frontman, Mike Ness, kann eine Bilderbuch-Punk-Biografie vorweisen: Seine Eltern warfen ihn mit 15 raus - zu viel Alkohol und Drogen. Mit einem Schulfreund gründete er 1979 im kalifornischen Orange County Social Distortion und setzte damit ein Zeichen gegen die ganzen Motorradfahrer, High-School-Sportler, Hippies und Rednecks seiner Heimatstadt Fullerton. Der erste Hit, "Mommy's Little Monster", war Hymne einer ganzen postpubertären Punk-Generation.
1982 gingen Social Distortion mit einem alten gelben Schulbus auf Tour durch die USA und Kanada. Begleitet wurden sie von einer Kamera - die legendäre No-Budget-Doku "Another State of Mind" entstand. Heute, über 30 Jahre nach der Bandgründung, ist Mike Ness ein gut gekleideter, missionarischer Nichtraucher, engagiert sich für PETA und Greenpeace. Er singt nicht mehr nur über Rebellion und kritisiert Staat und Gesellschaft, sondern reflektiert: sich selbst, sein Leben, seine Familie. Lerne: Auch der Punk wird irgendwann erwachsen!