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Tracks

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Dienstag, 11. Mai 2010 um 05.00 Uhr

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Tracks
(Deutschland, 2010, 52mn)
BR

16:9 (Breitbildformat)

(1): "Everybody Was in the French Resistance ... Now!" - Musikkritik auf höchstem Niveau
Kaum ist der Krieg rum, wollen alle auf einmal Widerstandskämpfer gewesen sein. Ganz schön verlogen und unmoralisch, dachten sich "Art-Brut"-Sänger Eddie Argos und seine Freundin Dyan Valdes, Keyboarderin von The Blood Arm. Eine Verlogenheit, die auch für viele Charthits gilt. So viele Lyrics sind voller Lügen, Ungerechtigkeiten und Unsinn, dagegen musste etwas getan werden. Also gründeten Eddie und Dyan "Everybody Was in the French Resistance ... Now!" und betätigen sich seither als musikalische Moralisten. Auslöser war Martha Reeves Oldie "Jimmie Mack", der im Auto der beiden lief. In dem Song kündigt eine Frau an, ihren Freund zu betrügen, weil selbiger nie zu Hause ist. Eddie war entrüstet. Und noch in derselben Nacht nahmen er und Dyan eine Antwort aus der Sicht des gehörnten Jimmie Mack dazu auf. Auf ihrem Debütalbum "Fixin' the Charts" rechnen "Everybody Was in the French Resistance ... Now!" ab mit der Popwelt und ihren sündigen Texten, egal, ob diese von Michael Jackson, Frank Sinatra oder Kanye West kommen. Es wurde ja auch Zeit!

(2): Der Soundtrack fürs Space Shuttle: Galaxy Pop
Das Weltall ist ziemlich groß. Und ziemlich musikleer. Das darf nicht sein, sagte sich schon 1977 Didier Marouani, der seither die Welt mit spacigen Synthesizersounds beschallt. Space nannte er seine Band, mit der er in silbernen Astronautenanzügen geheimnisvolle Hits in den Äther blies. Sein Hit "Magic Fly" beeindruckte über 30 Jahre später die Band High Voltage Humans so sehr, dass sie seither ebenfalls galaktische Sounds aufnehmen. "Galaxy Pop" nennt sich der neue Sound, und auch sechs Dänen mischen beim Spacesound mit. Als "The Asteroids Galaxy Tour" hauen sie ordentlich auf die Elektro-Effekt-Pauke und stecken mit ihrem fröhlichen Galaxy Pop sämtliche Humanoiden und Androiden an.

(3): Urban-Camouflage - Versteckte Kunst in Alltagsgegenständen
Da bewegt sich doch etwas in der Tiefkühltruhe: Die Spinatpackungen erheben sich! Und der Müllsack auf der Straße raschelt verdächtig. Plötzlich steht er auf! Wer sich von den Künstlern der Urban-Camouflage-Bewegung nicht erschrecken lassen will, muss genau hinsehen. Sie verstecken sich mitten im Alltag, verkleidet in Abfalltüten oder Verpackungen. Aus dem scheußlichen Müll basteln sie sich eine geschickte Tarnung.
Sabina Keric und Yvonne Bayer schrecken in Berlin als Tütengespenster oder Spinatverpackungsmonster die Konsumenten im Kaufrauschfieber auf. Sie sind die schrillsten Jäger, die die Warenwelt je gesehen hat.
In London entwischen Dina Elrayyes im Müllsack und Aaron Larney im Graffitikapuzenpullover dem allgegenwärtigen Auge des Big Brothers. Sie sind die Chamäleons der Wildnis Großstadt. Und wer das nächste Mal neben einem achtlos hingeworfenen Müllsack steht, sollte genau hinschauen. Wer weiß, vielleicht steht er ja in Wahrheit neben großer Kunst.

(4): The Drums - Kein Widerspruch: Sonnige Surfsounds von Smithsfans
Die New Yorker Band The Drums entfacht den ersten großen Hype des Jahres 2010. Mit magischen Drei-Minuten-Songs, die den perfekten Soundtrack zum Frühling liefern. The Drums singen übers Surfen und meinen unbeschwerte Tage im Sommer, um gleich im nächsten Song zu erzählen, wie schwer es sein kann, jung zu sein. Sänger Jonathan Pierce ist streng religiös aufgewachsen, was das Erwachsenwerden vielleicht nicht unbedingt leichter macht. Kein Wunder, dass er "Tracks" erzählt, warum ein Smiths-Tape unterm Bett manchmal Leben retten kann.