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Tracks

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Dienstag, 6. April 2010 um 05.00 Uhr

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Tracks
(Deutschland, 2010, 52mn)
ZDF

16:9 (Breitbildformat)

(1): Die Diskurs-Operette
Das Kleine Schwarze und der handvernähte Anzug bleiben im Schrank, hier regieren Goldkettchen, Rastazöpfe und silberne Leggings. Die Hamburger Krawallbrüder Deichkind laden zur Operette! Aber keine Angst vor Schickmicki - das ist Punk pur. Die selbsternannte Electro Super Dance Band hat ihren Stil gefunden, ihnen gelingt ein stilistischer Spagat zwischen exzentrischen Elektro-Beats und anarchischem Alkoholbeat. Zeit, ihre Geschichte zu erzählen: Entstanden ist daraus eine "Diskurs-Operette" über Starkult, Entertainment und die Verbindung von Kunst und Kommerz. Regie führte dabei kein geringerer als Ted Gaier. Der ist Mitglied der Goldenen Zitronen, hat unter anderem bereits Brecht inszeniert und gilt vor allem als Urgestein der Hamburger Protestbewegung.
"Tracks" wirft sich ins Operetten-Gewand und freut sich auf Proll-Humor in Dada-Ausprägung und jede Menge Remmidemmi.

(2): Hacienda - Die Zweite
Madonna hatte dort ihren ersten Auftritt in England, The Smiths waren drei Mal zu Gast, und Die Einstürzenden Neubauten bohrten die Wände auf. Die Rede ist von Hacienda. Klingt nach Farm und Gemütlichkeit, aber weit gefehlt: Hacienda war der Club, der seiner Heimatstadt Manchester in den 80er-Jahren den Spitznamen Madchester verschaffte. Hier begann der Ausflug der Acid-, Rave- und House-Musik in die ganze Welt, hausgemacht im Hacienda. Für die ansässige Musikszene die Inspiration schlechthin. Das gilt auch für den erfolgreichen Nachwuchs wie May68, Exit Calm, Delphic oder Lowline. 1997 wurden die Tore nach 15 Jahren geschlossen, aber die ruhigen Tage in Manchester sind gezählt: Der Club wird wiedereröffnet. Neuer und alter Besitzer: New Orders Peter Hook.
"Tracks" reißt die Arme hoch und feiert die Auferstehung des unvergleichlichen Clubs Hacienda.

(3): Crossover
In den 90ern war es mega-angesagt: harte Rockgitarren gemischt mit Sprechgesang, Samples und Scratching. Der moderne Crossover war geboren und eroberte mit Bands wie Bodycount oder Dog Eat Dog die ganze Welt. Mittlerweile hat sich das Rad der Musikgeschichte weitergedreht. Elektronische Musik hat sich aus den Undergroundclubs an die Oberfläche gekämpft. Gruppen wie Franz Ferdinand machen den Elektrosound im Popgewand gesellschaftsfähig. Kein Wunder also, dass sich die neueste Generation von Rockmusikern ebenfalls ohne Berührungsängste den beependen und fiependen Tönen aus dem Rechner nähert. Harte Rockgitarren werden mit synthetischen Klängen vermischt - eine neue, zeitgemäße Form des Crossovers ist geboren. Bands wie Enter Shikari, The Qemists oder Pendulum geben den gemischten Ton an. Zuletzt machten die Infected Mushrooms, Erfinder des Psy-Trance, durch ihre Zusammenarbeit mit Jonathan Davies auf sich aufmerksam. Dabei verknüpfen die Israelis und der Korn-Frontmann Elektro und Rock zu einer, für viele unvorstellbaren, Einheit.

(4): Daniel Merriweather
Der gebürtige Australier Daniel Merriweather hat nicht nur seine Heimat, sondern auch die Nestwärme von Starproduzent Mark Ronson hinter sich gelassen. Nachdem er mit Gast-Auftritten auf Ronsons Album und Tour auf sich aufmerksam machte, veröffentlichte er mit "Love & War" endlich seine eigene Platte. Natürlich gab's stilsichere Starthilfe von Ronson -wie schon bei anderen Stars. Die Dap-Kings lieferten ausgefeilte Rhythmen, und Londons Jazz-Liebling Adele seufzt mit Daniel im Duett. Eine Platte wie viele?
Keineswegs, denn Daniel hat dieses gewisse Etwas in der Stimme, das zugleich fesselt und berührt. "Tracks" trifft den Wahl-New Yorker und spricht mit ihm über Produktionen, Partys und den Wahnsinn der Pop-Welt.

(5): Jamie Cullum
Jazz ist für ihn wie eine Frischzellenkur: Jamie Cullum. Das Erscheinen des Briten in der Musikwelt vor ein paar Jahren war wie ein Frühjahrsputz für das elitäre Jazz-Image. Denn mit der Energie eines Schleudergangs bewies er, wie leichtfüßig Jazz und Pop verschmelzen können und dass seine Vorstellung vom Jazz durchaus chartfähig ist. Sogar die Musikelite, wie HipHop-König Pharrel, verneigt sich ehrfürchtig.
Auf seinem neuen Langspieler "The Pursuit" erklingt neben neuinterpretierten Klassikern viel Selbsgeschriebenes bis hin zu einem Cover von Rihannas "Please don't stop the music". Und damit diese Musik niemals aufhört, verrät der Mann an den Tasten, welche drei Lieblingsscheiben sein Leben für immer verändert haben.