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ARTE Journal - 25/04/12

Porträt: Nicolas Sarkozy, der Unersättliche

geb. am 28. Januar 1955 in Paris


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Durchwachsene Bilanz
Die Bilanz seiner fünfjährigen Amtszeit wiegt schwer im Wahlkampf. So sehr er 2007 als Hoffnungsträger des bürgerlichen Lagers galt, Garant einer dynamischen Wirtschaft, so sehr kämpft er heute mit dem Image eines Präsidenten, unter dem sich vor allem das soziale Gefälle verschärft hat. Er hat die Steuerobergrenze eingeführt, die in den Augen vieler vor allem die Wohlhabenden begünstigt. Unter ihm wurde die Rentenreform verabschiedet, die ebenfals einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hat. Und er hat es an politischem Fingerspitzengefühl mangeln lassen, als er versuchte, seinen 23-jährigen Sohn an die Spitze der einflussreichen EPAD ( l’établissement public pour l’aménagement de la Défense) zu hieven, der staatlichen Agentur, der der Pariser Vorort La Défense untersteht, dem wichtigsten Geschäftsviertel der Hauptstadt.

Buhlen um die Wähler des Front National
Ein Fehltritt, den zumindest ein Teil seiner Wählerschaft nicht vergessen hat. Mit 27,18 Prozent der Stimmen beim ersten Wahldurchgang am 22. April hat er gegenüber 2007 vier Prozent eingebüsst. Um seine durchwachsene Bilanz zu erklären, führt Nicolas Sarkozy nicht die Krise, sondern die Krisen der letzten Jahre an. Seine Bling-Bling Attitüde hat er abgelegt, auf seinen Wahlplakaten wirbt er vor ruhiger See mit dem Slogan ' La France Forte', das starke Frankreich. Aber auch schon bevor Marine Le Pen als dritte politische Kraft im Land bestätigt wurde, buhlte Nicolas Sarkozy um ihre Wähler. Besonders beim Thema Immigration. Die Essgewohnheiten von Muslimen stellte er ebenso zur Debatte wie das Schengen-Abkommen. In den Tagen bis zur Stichwahl könnte Nicolas Sarkozy sich noch etwas weiter nach rechts beugen, ein Umfeld, aus dem auch Patrick Buisson stammt, sein wichtigster Wahlkampfstratege und einst Chefredakteur der rechtesextremen Tageszeitung 'Minute'. Nur wenn die fast 18 Prozent der Front National Wähler sich massiv für den amtierden Präsidenten entscheiden, kann Nicolas Sarkozy am 6. Mai noch gewinnen.

Präsident: ein Lebenstraum
Als Nicolas Sarkozy am 6. Mai 2007 mit 53,06 Prozent der Stimmen zum Staatspräsidenten Frankreichs gewählt wurde, war der erhgeizige Berufspolitiker am Ziel seiner Träume angelangt. Die Franzosen hatte hohe Erwartungen in ihn, besonders eine Senkung der Arbeitslosenquote und die Steigerung der Kaufkraft hatte er sich und seiner Partei, der gaullistischen UMP, auf die Fahnen geschrieben. 'Travailler plus pour gagner plus', 'Mehr arbeiten um mehr zu verdienen' hiess sein Slogan. Viele seiner Versprechen hat er nicht gehalten, sattdessen hat Frankreich unter ihm die AAA-Note der Ratingagenturen eingebüsst. Wenn man ihm jetzt im Wahlkampf die guten Zahlen der deutschen Wirtschaft vor Augen führt, vergleicht er Frankreichs Arbeitslosenzuwachs mit dem Spaniens um zu schlussfolgern: uns gehts ja noch Gold.

Popularitätstief
Schnell hatten sich die Franzosen von ihrem Präsidenten entliebt, keiner seiner Vorgänger in der höchsten Staatsfunktion der Fünften Republik hat vergleichbare Talsohlen in der Popularität durchschritten. Ministerskandale, Schwarzgeldvorwürfe, Nepotismus und eine wenig sorgsamer Umgang mit der Würde des Amtes des Staatspräsidenten haben sein Bild bei den Franzosen geprägt.

Kämpfernatur
Aber Nicolas Sarkozy ist eine Kämpfernatur, das gestehen ihm selbst seine politischen Feinde zu. Seine grösste Stärke sei nach eigenen Bekunden sein geradezu unerschöpflicher Energievorrat. Und den setzt in altbewährter Manier ein: Anstelle einer Bilanz seiner ersten Amtszeit überbietet er sich im Wahlkampf mit neuen Versprechen und angekündigten Massnahmen. So will er, sollte er wiedergewählt werden, die Anzahl der Einwanderer in Frankreich halbieren. Ob es ihm noch einmal gelingt, das Steuer rumzureissen und das französische Wahlvolk erneut in den Bann zu ziehen? Am 6. Mai werden wir es wissen.


Erstellt: 06-03-12
Letzte Änderung: 25-04-12