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Philosophie

Raphaël Enthoven empfängt Baptiste Morizot - 11/01/11

Philosophie – Zufall

Jeden Sonntag lädt ARTE zum Philosophieren ein. Der junge Philosoph und Moderator Raphaël Enthoven zieht eine Linie von der Vergangenheit zur Gegenwart und verbindet die vermeintlich trockene Literatur der großen Philosophen mit aktuellem Zeitgeschehen. Jede Woche zu einem neuen Thema. Heute: Zufall


Philosophie
Dokumentationsreihe, Frankreich 2009, ARTE F, Synchronfassung, Stereo
Regie: Philippe Truffault
Gibt es den Zufall tatsächlich oder ist er nur Einbildung der menschlichen Unwissenheit, wie der niederländische Philosoph Spinoza einst behauptete? Lässt sich der Zufall denken, ohne das Denken, das auf Logik und Kohärenz baut, infrage zu stellen? Ist der Zufall das Gegenteil der Notwendigkeit oder eher der Vorhersehung?
Unbestreitbar ist jedenfalls, dass die Suche nach dem, "was die Welt im Innersten zusammenhält" zu den Fragen zählt, mit denen sich die Philosophie seit ihren Anfängen beschäftigt. Bereits die Vorsokratiker erkannten bei dieser Suche die Bedeutung des Kausalprinzips. Demzufolge geschehe alles aus einem notwendigen Grund. Die Bedeutung des Kausalgesetzes besteht also vor allem darin, dass es die Regelmäßigkeit allen Geschehens begründet.

Welchen Sinn kann es dann aber noch haben, von Zufall zu reden? Warum wird in Zufall schicksalhafte Bestimmung beziehungsweise Vorhersehung gesehen? Und was meint der italienische Denker Machiavelli, wenn er behauptet, der Zufall biete auch Chancen? Diese und weitere Fragen diskutiert Raphaël Enthoven mit dem jungen Philosophen Baptiste Morizot. Anhand greifbarer Beispiele aus den Bereichen des Glückspiels, der Darwin'schen Evolutionstheorie oder etwa dem Surrealismus, versuchen die beiden den Fragen nach Determination und Zufall auf den Grund zu gehen.

Über den Gast:
Baptiste Morizot ist Dozent für Philosophie und lehrt an der École Normale Supérieure für Sprachen und Geisteswissenschaften (ENS-LSH) in Lyon. Im Rahmen seiner Habilitation erforscht er die Rolle des Zufalls beim Sozialisationsprozess, das heißt die Frage, in welchem Maße die zufällige Begegnung die Herausbildung der menschlichen Individualität beeinflusst. Dabei setzt er sich mit der Philosophie Gilbert Simondons, mit biologischen Problemen, mit Lebensgeschichten und geisteswissenschaftlichen Theorien über das Individuum auseinander. Baptiste Morizot betätigt sich regelmäßig als Theaterschauspieler, als Dramatiker und künstlerischer Berater. Für seinen in Kürze erscheinenden Erzählband "Le Royaume et autres textes" erhielt er 2009 den Spezialliteraturpreis der ENS Lyon.


Literaturhinweise aus der Sendung


André Breton: L'amour fou
Übersetzung v. Friedhelm Kemp
Suhrkamp

Niccolò Machiavelli: Der Fürst
nach der Übersetzung von Gottlob Regis bearb., eingeleitet und mit Anmerkungen vers. von Klaus Bock. Essen: Phaidon, [1996], XIII, 144 S.,ISBN 3-88851-151-8 (Bibliothek der Philosophie; Band 6)

Baruch de Spinoza: Die Ethik
Übers. Jakob Stern
Reclam

Voltaire: Philosophisches Wörterbuch
Übersetzung von Erich Salewski
Reclam jun.

Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft
Reclam

Charles Darwin: Die Entstehung der Arten
dtv

Philosophie
Freitag 15. Oktober 2010 um 07.30 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2009, 26mn)
ARTE F

Erstellt: 29-06-09
Letzte Änderung: 11-01-11