Schriftgröße: + -
Home > Welt > Philosophie > > Philosophie Kino

Philosophie

Klicken Sie hier, um zum Dossier zu gelangen.

Philosophie

Raphaël Enthoven empfängt Elise Domenach - 22/03/10

Philosophie Kino

Jeden Sonntag lädt ARTE zum Philosophieren ein. Der junge Philosoph und Moderator Raphaël Enthoven zieht eine Linie von der Vergangenheit zur Gegenwart und verbindet die vermeintlich trockene Literatur der großen Philosophen mit aktuellem Zeitgeschehen. Jede Woche zu einem neuen Thema. Heute: Kino

Kino ist die Kunst unseres Jahrhunderts. Es lehrt uns, zu sehen und durch die Kraft der Bilder neue Welten zu erschließen. Zunächst einmal ist das Kino die Kunst der bewegten Bilder, die den Fluss des Lebens widergeben. Man denke nur an die Anfänge des Kinos, als Muybridge den Bildern das Laufen lernte.
Bereits im Jahr 1907 setzt sich Henri Bergson in seiner Schrift "Schöpferische Entwicklung" intensiv mit dem Kinematographen auseinander. Er kritisierte jedoch am Medium Film, dass es die Realität nur vortäusche und sozusagen reine Illusion sei. Aber suchen wir nicht gerade das, wenn wir ins Kino gehen? Möchten wir nicht gerade dann die Wirklichkeit vergessen und ganz in der kollektiven ästhetischen Erfahrung aufgehen?

In seinem wohl besten Film treibt Woody Allen diesen Wunsch auf die Spitze: In "The Purple Rose of Cairo" träumt eine von Mia Farrow gespielte Frau davon, in eine Kinoleinwand hineinzusteigen, da sie sich in einen Filmhelden verliebt. In seinem neuesten Film "Whatever Works" fällt das Fazit dann völlig anders aus: Die wahre Liebe und das wahre Leben ist das, was real greifbar und letztlich - wie der Filmtitel suggeriert - machbar ist, nicht etwa die Traumwelt, die uns vom Kino gezeigt wird.
Ausgehend von Woody Allen kommen Raphaël Enthoven und sein heutiger Gast, die Filmdozentin Elise Domenach, auf verschiedenste Filmtheorien zu sprechen, angefangen bei Gilles Deleuzes Schrift "Das Bewegungsbild" bis hin zu Stanley Cavells "The World Viewed".

Klar wird dabei, dass das Kino einerseits eine Kunst ist, die ständig über sich selbst nachdenkt, andererseits aber auch selbst Gedanken auf die Leinwand projiziert. Der Film kann somit als eine philosophische, ja existenzielle Kunst begriffen werden und zugleich als ein Kind der Industriegesellschaft - und damit ist er im Grunde genommen so widersprüchlich wie der Mensch selbst.


Hintergrundinformationen zu in der Sendung erwähnten Literatur oder Personen:


André Bazin: Was ist Film?, Berlin: Alexander Verlag 2004. Deutsche Übersetzung von Robert Fischer und Anna Düpee (enthält alle in der "Edition définitive" enthaltenen Texte).

André Bazin: Was ist Kino? Bausteine zur Theorie des Films, Köln: Dumont 1975. Deutsche Übersetzung von Barbara Peymann (Auswahl aus der "Edition définitive").

Henri Bergson: Schöpferische Entwicklung, Jena: Diederichs 1921. Deutsche Übersetzung von Gertrud Kantorowicz. Nachdruck dieser Übersetzung Hanau: Cocon 1969.

Henri Bergson: Materie und Gedächtnis. Eine Abhandlung über die Beziehung zwischen Körper und Geist, Hamburg: Felix Meiner Verlag 1991. Deutsche Übersetzung von Julius Frankenberger.

Stanley Cave: The World Viewed: Reflections on the Ontology of Film, Cambridge (Mass.): Harvard University Press 1995.

Gilles Deleuze: Das Bewegungs-Bild. Kino I, Frankfurt/M: Suhrkamp 1989. Deutsche Übersetzung von Ulrike Bokelmann und Ulrich Christians.

Gilles Deleuze: Das Zeit-Bild. Kino II, Frankfurt/M: Suhrkamp 1990. Deutsche Übersetzung von Klaus Englert.

Erwin Panofsky: Stil und Stoff im Film in: Filmkritik 6/67, 1967.

Philosophie
Montag 1. März 2010 um 10.05 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2009, 26mn)
ARTE F

Erstellt: 29-06-09
Letzte Änderung: 22-03-10