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Philosophie

Raphaël Enthoven empfängt Klaus Speidel - 14/04/10

Philosophie - Bild

ARTE lädt jeden Sonntag zum Philosophieren ein. Der junge Philosoph und Moderator Raphaël Enthoven zieht eine Linie von der Vergangenheit zur Gegenwart und verbindet die vermeintlich trockene Literatur der großen Philosophen mit brandaktuellem Zeitgeschehen. Jede Woche zu einem neuen Thema. Heute: Das Bild

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Wir sehen die Dinge nie losgelöst von allem, sondern immer subjektiv verzerrt, durch die Brille unserer persönlichen Bedürfnisse beziehungsweise Vorstellungen, so eine These aus Henri Bergsons berühmtem Buch „Das Lachen“. Ein Bild birgt stets etwas Ambivalentes: Einerseits versucht es, etwas Materielles möglichst authentisch abzubilden, andererseits wird das darauf Abgebildete sofort durch unseren Blick interpretiert, beziehungsweise durch den des Künstlers, Filmemachers oder Literaten: Sie formen Sinneseindrücke zu Bildern, zu Kunstwerken. Im radikalsten Falle ist es den Bildern daran gelegen zu verbergen, dass sie welche sind, wie ein Blick auf die niederländische Trompe l’œil Malerei zeigt

Raphaël Enthoven geht mit seinem Gast Klaus Speidel, Kunstkritiker und Dozent an der Universität Paris IV, verschiedenen Fragen zum Bild-Begriff nach: Was bedeutet das Bild für uns und wie erlangte es in unserer Gesellschaft einen so hohen Stellenwert? Ist das Bild etwa gar keine eindimensionale Fläche, sondern eine komplexe Erzählung jenseits der gesprochenen Sprache oder des geschriebenen Textes?

Raphaël Enthoven und Klaus Speidel gehen auf Spurensuche, im Film, in der Malerei und in der Literatur: Von David Lychns „Inland Empire“ führt sie ihr philosophischer Streifzug über René Magrittes Gemälde „Versuch des Unmöglichen“ bis hin zu den Theorien des französischen Kunsthistorikers Daniel Arasse sowie des französischen Philosophen Vladimir Jankélévitch. Wie Bergson setzte er sich in seiner Theorie des „organe-obstacle“ mit dem Phänomen des Sehens auseinander.

Schließlich kommt diese Fernsehsendung auch an ihrem eigenen Medium nicht vorbei: Im Fernsehen wird das nackte Bild häufig überdeckt, das Detail durch Schminke oder Bildbearbeitungstechniken überdeckt. Mit der Digitalisierung der Bilder führt der Weg jedoch letztendlich wieder zurück zum einzelnen Pixel, der plötzlich wieder sichtbar wird. Sind wir dank der modernen Technik also wieder beim Urzustand des Bildes – bei der reinen Materie - angelangt?


In jedem Menschen steckt ein kleiner Philosoph: Deshalb lädt ARTE jeden Sonntagvormittag dazu ein, sich in „Philosophie“ mit abstrakten und doch alltäglichen Begriffen wie Macht, Verantwortung oder der Freundschaft auseinanderzusetzen. In offenen Gesprächen reflektiert Raphaël Enthoven mit einem jeweils anderen jungen Philosophen Fragen, die die Menschen von heute beschäftigen: Wie lässt sich Macht legitimieren? Welches Verhältnis haben wir zu unserem Körper? Welchen Einfluss haben Gesichtszüge und visueller Ausdruck auf unseren Charakter?

Fachjargon und trockenen Theorien haben in der Sendung keinen Platz. Raphaël Enthoven und seine Gäste machen Philosophie für jedermann. Die Basis der Diskurse bilden bekannte Fotos, Gemälde und natürlich die Theorien der Philosophen. Raphaël Enthoven und seine Gäste analysieren, reflektieren, interpretieren und spekulieren und vermitteln so auf sehr sympathische Art, dass die Philosophie lebt und unseren Alltag bereichern kann.

ARTE zeigt Philosophie mal ganz anders. Es regt zum Nachdenken und Diskutieren an und verliert das Wesentliche der Philosophie nicht aus den Augen:
die Suche nach Wahrheit und Wirklichkeit. Das Ergebnis sind spannende und lebendige Diskussionen, die Lust auf mehr Philosophie machen.


Hintergrundinformationen zu in der Sendung erwähnten Literatur oder Personen:


Henri Bergson
"Das Lachen"
Verlag: Anton Hain
Übersetzung: Julius Frankenberger, Walter Fränzel

Thomas Ruff
(*1958) ist ein deutscher Fotograf.

Phillippe Geluck
(*1954 in Belgien) ist Humorist und Komikzeichner. Seine bekannteste Arbeit sind die Bildergeschichten "Le Chat.

Henri Matisse
(1869-1954) war ein französischer Maler, Bildhauer, Grafiker und Zeichner.

David Lynch
(*1946) ist ein amerikanischer Regisseur, Maler und Fotograf.
Inland Empire (2006)

Laura Dern
(*1967) ist amerikanische Schauspielerin. Sie spielte in mehreren Filmen Lynchs (z.B. Blue Velvet).

Immanuel Kant
(1724-1804) deutscher Philosoph während der Aufklärung

Immanuel Kant
"Anthropologie in pragmatischer Hinsicht"
Verlag: Meiner

Immanuel Kant
"Kritik der reinen Vernunft"
Verlag: Meiner

"Kant’s Gesammelte Schriften"
Hrsg. Könglich Preußische Akademie der Wissenschaft
Verlag: Reimer

Rene Magritte
(1898- 1967) war belgischer Maler des Surrealismus (Ceci n’est pas une Pipe).

Daniel Arasse
(1944-2003) war ein Kunsthistoriker.

Louis Marin
(1931-1992) war ein Philosoph und (Kunst-)Historiker.

Louis Marin
"Das Opake der Malerei: zur Repräsentation im Quattrocento"
Verlag: Diaphanes
Übersetzung: Heinz Jatho

Vladimir Jankelevitch
"L’Ironie". Paris, 1936
Keine Übersetzung ins Deutsche

Roland Barthes
(1915-1980) war ein französischer Literaturkritiker, Schriftsteller und Philosoph.

Roland Barthes
"Fragmente einer Sprache der Liebe"
Verlag: Suhrkamp
Übersetzung: Hans-Horst Henschen

Marcel Proust
(1871-1922) war ein französischer Schriftsteller.

Marcel Proust
"Auf der Suche nach der verlorenen Zeit"
Verlag: Suhrkamp
Übersetzung: Eva Rechel-Mertens

Marcel Proust
"Die Gefangene"
Verlag: Suhrkamp
Übersetzung: Eva Rechel-Mertens

Henri Bergson
"Denken und schöpferisches Werden: Aufsätze und Vorträge"
Verlag: Anton Hain
(Oder
Verlag: Westkulturverlag
Übersetzung: Leonore Kottje)

Gilles Deleuze
(1925-1995) war ein französischer Philosoph.

Philosophie
Dienstag 20. Oktober 2009 um 00.40 Uhr
Wiederholung am Dienstag 20. Oktober um 07.00 Uhr
(Frankreich, 2009, 26mn)
ARTE F

Erstellt: Mon Oct 20 00:00:00 CEST 2008
Letzte Änderung: Wed Apr 14 19:07:56 CEST 2010