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Interview - 16/04/08

Philippe Aractingi

Drei Fragen an den Regisseur von „Unter Bomben“ (auf ARTE am Samstag, den 19. April 2008)


Philippe Aractingi Film „Unter Bomben“ vereint auf eindrucksvolle Weise Gewalt und Poesie. Der libanesische Regisseur gibt Einblick in die Entstehungsgeschichte des Films.

Warum haben Sie eine Mischung aus Spielfilm und Dokumentation gewählt?
Als der Krieg ausbrach, war es nicht die erste Tragödie dieser Art in meinem Leben. „Unter Bomben“ war auch nicht mein erster Film über den Krieg – ich habe schon zahlreiche Dokumentationen über das Thema gedreht. Doch diesmal wollte ich etwas Neues machen: ein „Doku-Drama“. Ich wollte, dass mein Film den Zuschauer emotional anspricht und ihn spüren lässt, was Krieg bedeutet, indem er die Suche der Heldin nachvollzieht:
„Mir ist es ganz egal, wer diesen Krieg verschuldet hat und ob mit gleichen Waffen gekämpft wird oder nicht. Ich will nur meinen Sohn wiederfinden, das ist alles!“
Wie sind die Dreharbeiten abgelaufen?
Wir haben zunächst einen Tag lang während des Krieges gedreht. Dann bin ich nach Frankreich geflogen, um meine Produzenten für dieses Projekt zu gewinnen. Zurück im Libanon haben wir nach Ende des Krieges rund zehn Tage lang gedreht und dabei die Szenen vor Ort improvisiert. Wir erlebten „live“ die Ereignisse, über die wir berichten wollten ... Anschließend bin ich wieder nach Frankreich zurückgekehrt, um Abstand zu gewinnen und gemeinsam mit Michel Leviant das Drehbuch für den fiktionalen Teil umzuschreiben. Dann haben wir, wieder im Libanon, die Dreharbeiten beendet. Ich habe darauf geachtet, immer in demselben Stil zu drehen: mit der Kamera auf der Schulter, sehr wenig Beleuchtung, keine Maske, kein Szenenbild. Ich habe auch versucht, meinen Wunsch, nur mit den tatsächlichen Hauptpersonen des Dramas zu arbeiten, soweit wie möglich zu verwirklichen.
Wie wurde Ihr Film im Libanon aufgenommen?
Relativ gut. Er zog 40.000 Zuschauer an, was für den Libanon ein Erfolg ist. Manche Leute hat der Film sehr aufgewühlt; anderen hat er ausgesprochen gut gefallen, weil sie der Meinung sind, der Film könne die Wunden heilen helfen. In diesem Zusammenhang habe ich eine sehr schöne Reaktion von einer in Dubai wohnenden Libanesin erlebt. Sie erzählte mir, sie habe während des Krieges aufgrund des Medikamentenmangels ihre Großmutter verloren. Darunter habe sie so gelitten, dass sie sich geschworen habe, nie in ihre Heimat zurückzukehren. Doch nachdem sie „Unter Bomben“ gesehen hatte, vergoss sie viele Tränen und beschloss, wieder im Libanon zu leben. Der Film hatte ihr geholfen, sich mit ihrem Heimatland auszusöhnen. In Momenten wie diesen sage ich mir, dass ich das Richtige getan habe.
Das Gespräch führte Hélène Duchateau

Erstellt: 02-04-08
Letzte Änderung: 16-04-08