Kritik: Der Schweizer Filmemacher Dieter Gränicher widmet sich gerne Themen, die Menschen in ihrem Wesen betreffen. Vor sieben Jahren drehte er einen gelungenen Film über "Seelenschatten/Depressionen", nun lässt ihm die Pausenlosigkeit keine Ruhe. Fast ein Dutzend Protagonisten lässt sein Film zu Wort kommen und wirkt dabei dennoch geradezu beschaulich. Eine ausgepowerte Informatikerin, die nur Ruhe in den Armen ihres Mannes finden kann, die beiden Inhaber eines überfluteten Sportgeschäftes, ein Förster, eine Hebamme, eine Ordensfrau, die ein "Retraitenhaus" eingerichtet hat, und natürlich der Philosophiedozent und Zeitforscher Karlheinz A. Geissler - sie alle dürfen ausgiebig ihr eigenes Zeitmanagement erklären und überdenken.
Die Kamera versucht währenddessen beschauliche, ruhige Bilder zu finden, damit der Film zumindest visuell Ruhepunkte findet: Eine Katze reibt sich an einem Ast, Hunde balgen miteinander herum, Liebende sitzen am See, verbringen Zeit miteinander.

Schweiz 2008, 85 Min.
Regie: Dieter Gränicher
Mit Karlheinz A. Geissler, Didier Plaschy, Gabriela Bohl

"Pausenlos" erzählt auch vom Zusammenbruch einer technischen Sachbearbeiterin. Die junge Frau versucht alles, um ihr Gleichgewicht wieder herzustellen, wieder arbeitsfähig zu sein. So besucht sie etwa das Schlaflabor und berichtet von einer "inneren Leere, von Hilflosigkeit, Traurigkeit." Wirklich Neues hat "Pausenlos" eigentlich nicht zu bieten. Er ist die brave Sammlung und Aneinanderreihung von verschiedenen Protagonisten, die aus verschiedenen Perspektiven etwas zum Thema beizutragen haben. Der wohl Prominenteste von ihnen ist der ehemalige Skirennfahrer Didier Plaschy, der nun Mädchen trainiert. Er hat eine ganz spezielle Philosophie der Zeit entwickelt, die er an seine Schülerinnen weitergibt. Aber radikal will Gränichers Film wohl auch gar nicht sein, es reicht ihm, den Mangel an Pausenlosigkeit zu beschreiben und Alternativen zu zeigen. Eine wäre die, die der Förster lebt, der es sich in seinem Wald gut und gemütlich eingerichtet hat, denn „Zeit ist dem Wald eigentlich egal.“ Ihm gilt das Schlussbild und -wort, und so will ich es hier auch halten.
Nana A.T. Rebhan
Bonus:
-Biografie eines Burnouts, 16 Min.
-Interview mit Erwin Heller, Präsident des Vereins zur Verzögerung der Zeit
-Interview mit Michel Baeriswyl, Autor des Buches: Chillout. Wege in eine neue Zeitkultur
-Interview mit Werner Entenmann, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Schlafspezialist SGSSC





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