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Am 17. März 2011 feiert Siegfried Lenz seinen 85. Geburtstag: ARTE gratuliert mit einem Schwerpunkt. Kommen Sie mit auf Entdeckungstour!

> Krimi-Bestenliste April 2010 > 05. Paulus Hochgatterer: Das Matratzenhaus

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KrimiWelt auf www.arte.tv - Rezensionen aus der Jury - 18/03/10

Paulus Hochgatterer: Das Matratzenhaus

Der Psychiater Raffael Horn hätte eigentlich genug eigene Sorgen: Sein pubertierender Sohn Tobias wird ihm fremd und fremder, seine auf klassische Musik abonnierte Frau in ihrem kulturellen Bekehrungswahn zusehends befremdlich. Mal ganz zu schweigen von Horns Problemen mit therapieresistenten Patienten – und einer Klinikleitung, die immer häufiger auf brachiale Ruhigstellungslösungen setzt als auf Empathie.

Sonderlich gut geht es derzeit auch seinem gleichfalls auf dezente Enthüllungen abonnierten Partner nicht: Der österreichische Kommissar Ludwig Kovacs laboriert noch immer am Verlust seiner vermeintlichen lebenslänglichen Gefährtin und an daraus resultierenden Ernährungs- und Verdauungsproblemen. Weitere Einzelheiten seien geneigten und zumal empfindsamen Lesern erspart – zu ihrem Besten.

In der allenfalls bedingt verträglichen Summe ergibt sich daraus ein doppelt schlechtes Omen zur gemeinsamen Verbrechensbekämpfung, so scheint es. Doch der aktuell dräuende Fall, der das zuletzt in dem Roman „Die Süße des Lebens“ bewährte Ermittlerduo diesmal umtreibt, duldet keine privaten Entschuldigungen – und vor allem keinerlei Aufschub: Ein Kind ist anscheinend massiv misshandelt worden. Und zwar wie folgt: Geschlagen. Ins Gesicht. Auf den Rücken. Auf die Arme.

Horn und Kovacs, die erprobten Taucher ins Dunkle, verweigern sich zunächst dem neuen Fall. Viel zu viele Kinder, glauben sie, werden häufig zu falsch angefasst, als dass sie der scheinbar singuläre Vorfall alarmieren könnte. Allein: Die Fälle häufen sich. Zudem: Die Brutalität nimmt zu. Schließlich: Der Wahnsinn hat, so scheint es, Methode.

Horn und Kovacs ermitteln also. Einmal mehr: gegen Kartelle des Schweigens. Gegen verstockte Lehrer, gegen eingeschüchterte Schüler. Was sie zu Tage fördern, sind unerhörte Begebenheiten. Nicht mehr, nicht minder. Was Paulus Hochgatterer einmal mehr gelingt, ist dies: eine unaufdringliche, unterhaltsame Analyse der entsetzlichen Entstehungsbedingungen von Gewalt. Keine Matratze federt ab, was er an Ungeheuerlichem zu sagen hat.   

 

Hendrik Werner/Westdeutsche Allgemeine Zeitung

KrimiWelt-Bestenliste März

Erstellt: 26-05-09
Letzte Änderung: 18-03-10