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MONTAG 5. JULI UM 22.30 UHR - 02/07/04

Pablo Neruda

Dokumentarfilm von Ebbo Demant
ARTE/SWR, Deutschland 2003, SWR, Erstausstrahlung

Am 12. Juli 1904 in Südchile als Sohn eines Lokomotivführers geboren, schrieb Neruda schon in jungen Jahren Gedichte. Eigentlich hieß er Neftali Ricardo Reyes Basualto. Doch früh nannte er sich nach dem fast vergessenen tschechischen Schriftsteller Jan Neruda, der als Erzähler das Leben armer Menschen beschrieben hatte. Als Philosophiestudent geriet er 1920 in politische Unruhen, gleichzeitig wurde er mit ersten Gedichtbänden - Kampfpoesie wie auch Liebesgedichte - bekannt. 1927 trat er in den diplomatischen Dienst seines Landes ein, Stationen waren Rangun, Batavia, Buenos Aires. Bei Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges war Neruda Konsul in Madrid. Er schloss sich den Republikanern an und kämpfte gegen die Truppen Francos. Die Erschießung seines Freundes García Lorca hat ihn stark geprägt. 1938/39 verhalf Neruda vielen Emigranten des spanischen Bürgerkrieges zur Flucht nach Frankreich. Sein Buch "Spanien im Herzen" berichtet aus dieser Zeit. 1945 trat er in die Kommunistische Partei Chiles ein, wurde Parlamentsabgeordneter, als Oppositioneller jedoch bald vor Gericht gestellt. Er tauchte unter und ging bis 1952 ins Exil. Nerudas Kommunismus war nicht wirklich ideologisch motiviert. Der Dichter wollte keine Konzepte anbieten, sondern aufrütteln und die "Sensibilisierung gegenüber den Unterdrückten" fördern. Dabei knüpfte er auch an indianische Traditionen an, besonders in seinem Hauptwerk, dem 1950 erschienenen "Canto General". 1969 wurde Neruda als Kandidat der Kommunisten für die Präsidentschaftswahlen nominiert, zog die Kandidatur jedoch zurück, als sich die Linksparteien auf seinen Freund Salvador Allende als Kandidaten einigten. Er ging für dessen Regierung als Botschafter Chiles nach Paris und wurde dort zum viel beachteten Sprecher des neuen Chile in Europa. 1973 kehrte er schwer krank nach Santiago zurück. Knapp zwei Wochen nach dem Putsch der Militärjunta unter Pinochet starb Neruda am 23. September 1973 an den Folgen einer Krebsoperation. Er hatte das Land verlassen wollen und bereits in Mexiko um politisches Asyl gebeten. Neruda war Lenin-Preisträger, aber auch Ehrenmitglied der amerikanischen Akademie für Kunst und Wissenschaften. Seit 1959 war er Vorsitzender des chilenischen Schriftstellerverbandes.

Der Film orientiert sich vor allem an Nerudas Autobiografie "Ich bekenne, ich habe gelebt", an Aufzeichnungen und Interviews. Er erzählt ein bedeutendes und bewegtes Leben als ein Stück Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Der Film beginnt in den Landschaften und Dörfern im Süden Chiles, den Wäldern Araukaniens: "Wer den chilenischen Wald nicht kennt, kennt diesen Planeten nicht. Von dieser Erde, diesem Leben, von dieser Stille bin ich ausgezogen, um zu singen für die Welt", so Neruda. Der Film folgt den Spuren von Nerudas Erwachsenwerden in Temuco, wo seine ersten Gedichte entstanden und der Anblick der Armut sein soziales Empfinden weckte. Es folgt das Studentenleben im Santiago der frühen 20er Jahre zwischen Broterwerb und Bohème. Gezeigt wird, wie stark Neruda "Die Wege der Welt", seine Reisen nach Europa und Asien, seine Tätigkeit als Konsul im diplomatischen Dienst geprägt haben. Eines der entscheidenden, ihn bis zuletzt nicht loslassenden Ereignisse in seinem Leben war der spanische Bürgerkrieg. Diese Zeit starker politischer Orientierung, die Zeit der tiefen Begegnung mit Federico García Lorca, die Zeit seiner kämpferischen Parteinahme führte ihn in den für die damalige Zeit beispielhaften Kampf für soziale Gerechtigkeit und demokratische Freiheit in Chile. War doch der Dichter Neruda nicht nur als Schriftsteller und Poet, sondern auch als handelnder Politiker einer der einflussreichsten Linksintellektuellen jener Jahre. In der Pampa der Salpeterwüsten wurde er im März 1945 von den Arbeitern der Minen zum Senator der Republik gewählt, hier bewegte ihn der Anblick von menschenunwürdiger Schwerstarbeit, Elend und Rechtlosigkeit dazu, Mitglied der kommunistischen Partei zu werden. Der Film begleitet Nerudas Suche nach kultureller Identität, nach den eigenen - indianischen - Wurzeln, festgehalten in dem großartigen Manifest "Canto General". Er zeigt auch den stalinistisch-kommunistischen Irrweg, auf dem sich mancher Künstler in jenen Jahren verloren hat im Widerspruch zwischen Humanismus und Parteidiktatur. Schließlich erzählt der Film von der Freundschaft mit Salvador Allende, von der Zeit gemeinsamer Hoffnungen bis zum schließlich tödlichen Scheitern.

Erstellt: 02-07-04
Letzte Änderung: 02-07-04