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Arte Journal - 06/04/12

Norden Malis erklärt Unabhängigkeit

Die Erklärung der Tuareg-Rebellen zur Unabhängigkeit des Nordens stürzt das westafrikanische Land noch tiefer ins Chaos. Die internationale Gemeinschaft hat ablehnend auf diese einseitige Erklärung reagiert. Während Kämpfe und Gewalt anhalten, bahnt sich zusätzlich eine humanitäre Katastrophe an.

"Azawad", das bedeutet in der Sprache der Tuareg "Land der Nomaden". Seit Jahren kämpfen Rebellen für die Unabhängigkeit eines eigenen Staates im Norden Malis. Vor allem seit Beginn diesen Jahres lieferten sie sich heftige Gefechte mit der malischen Armee. Nun ist es soweit: Die Nationale Befreiungsbewegung von Azawad (MNLA) hat heute die Unabhängigkeit ihres Staates Azawad erklärt. Mossa Ag Attaher, Sprecher der laizistischen MNLA-Bewegung in Frankreich, hat angekündigt, die bestehenden Grenzen zu den Nachbarstaaten zu respektieren. Die Bewegung erklärte den vollständigen Beitritt zur Charta der Vereinten Nationen. Außerdem wolle man sich dafür einsetzen, dauerhaften Frieden in der Region zu erreichen. Weder die ehemalige Kolonialmacht Frankreich, die Europäische Union, noch die Afrikanische Union haben die selbsternannte Unabhängigkeit jedoch akzeptiert. Paris hat daran erinnert, dass der Konflikt mit den Tuareg nur im Dialog mit den Autoritäten in Malis Hauptstadt Bamako gelöst werden könne.

Drohen nun Kämpfe zwischen Islamisten und der MNLA?

Unstimmigkeiten gibt es auch innerhalb der Rebellion, denn die MNLA prangert „die terroristischen Kräfte“ an, die von der Situation profitiert hätten. Gemeint sind damit radikale Islamisten eines Ablegers des Terrornetzwerkes Al-Kaida, „Al-Kaida des islamischen Maghreb“ (AQMI). Sie wollen das islamische Gesetz, die Scharia, in dem eroberten Gebiet einführen. Offenbar haben sie inzwischen die Oberhand über die MNLA gewonnen und weisen die Unabhängigkeit der Rebellen zurück. Möglich, dass diese letztlich doch wieder mit Waffengewalt gegen die Extremisten vorgehen müssen, um die Sicherheit in der Region um Kidal, Timbuktu und Gao zu gewähren.

Humanitäres Chaos vermeiden

Die humanitäre Lage in Gao verschlechtert sich unterdessen immer weiter. Parteien, die ein Ende der herrschenden Militärjunta erreichen wollen, haben sich zusammengeschlossen und einen Aufruf an die Vereinten Nationen gestartet. Sie fordern ein unmittelbares Eingreifen, denn eigenen Angaben zufolge, „wird die Versorgungslage für die Bevölkerung immer Besorgnis erregender“. Es gebe schon Drohungen, dass die Wasser- und Stromzufuhr unterbrochen werden könnte. Auch Amnesty International und das Internationale Rote Kreuz schlagen Alarm.

Laut ECOWAS sind 3000 Soldaten einsatzbereit

Die Möglichkeit eines militärischen Eingreifens steigt täglich. Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS hat am Donnerstag grünes Licht für einen Militäreinsatz im Norden Malis gegeben. 3000 Soldaten seien einsatzbereit. Der Plan muss jedoch nach Diplomatenangaben noch von den jeweiligen Staatschefs unterzeichnet werden. Frankreich hat logistische Hilfen bei einer möglichen Intervention zugesichert. So könnte Paris etwa Truppen- oder Materialtransporte absichern und den Soldaten Informationen aus der Luft beschaffen. Bleibt allerdings das Problem, dass nicht genau klar ist, gegen wen ein Militäreinsatz genau zielen würde. Gegen die Militärjunta im Süden, die sich am 22. März an die Macht geputscht hat? Gegen die Tuareg-Rebellen im Norden, die gerade ihren eigenen Staat ausgerufen haben? Gegen die Islamisten des Terrornetzwerkes Al-Kaida, die einen islamischen Staat errichten wollen? Oder gegen alle zusammen?


Algerien fürchtet unkontrollierbare Folgen

Der Nachbarstaat Algerien, der eine fast eintausend Kilometer lange Grenze mit Mali teilt, warnt vor jeglichem ausländischen Eingreifen und betont, in keinem Fall die Integrität des Landes zu akzeptieren. Algeriens Regierungschef Ahmed Ouyahia sagte gegenüber der französischen Zeitung „Le Monde“, dass eine Intervention unvorhersehbare Folgen nach sich ziehen könnte. „Jedes Mal, wenn ein ausländischer Spieler aufs Spielfeld zieht, ist ein unkontrollierbares Abgleiten der Verhältnisse vorprogrammiert. Entweder sofort, oder sechs Monate später“. Angesichts der aktuellen Krise Malis fordert Algerien einen Dialog zwischen den Konfliktparteien. Doch dazu müsse zu allererst die verfassungsrechtliche Ordnung in Malis Hauptstadt Bamako wieder hergestellt werden.

Manuel Dantas (mit AFP)

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Erstellt: 06-04-12
Letzte Änderung: 06-04-12