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Performance - 03/07/12

Narcissister

Sie zieht sich ein Telefon aus der Vagina, spritzt Ketchup aus ihrer Brust und strippt mit Barbie-Maske im Gesicht. Bei der Burlesque-Tänzerin „Narcissister“ aus Brooklyn ist das alles ganz kritisch gemeint.  

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Die Gesellschaft zwingt uns einen Narzissmus auf, der eigentlich nichts anderes ist als Selbsthass, zum Beispiel wenn wir shoppen gehen oder uns schminken oder operieren lassen.

Reportage (wieder)sehen

Von ihrer politischen Haltung her könnte man Narcissister als Mischung  aus Martin Luther King und Alice Schwarzer bezeichnen. Sie will Klischees aufbrechen, stellt sich gegen Diskriminierung und Rassismus. Schwarz, weiß, Mann, Frau - all diese Kategorien findet Narcissister so sinnvoll wie Frühaufstehen am Sonntag. Nur schwenkt sie für ihre Botschaft keine Plakate, sondern lieber ihren Tänzerkörper. Da macht sich eine Kellnerin mal eben selbst zum Appetithappen und Big Mama entpuppt sich als strippende Discoqueen. Jugendfrei ist da das Wenigste an ihren Shows. Dabei ist sie in echt total schüchtern. Auf die Bühne und vor die Kamera geht sie konsequent nur mit eine ihrer hundert Barbiemasken.

Narcissister
Ich weiß nicht, ob ich das packe. Ein Interview nach dem anderen, das fänden Andere bestimmt toll. Ich will einfach nur heim und Yoga machen.
 
Naja, wer wird denn da so zimperlich sein. Narcissisters Kampf für alle, die anders aussehen bringt Dinge ans Licht, die andere nur ihrem Therapeuten erzählen. Zum Beispiel der Heimtrainer  á la Narcisssister. Eine Parodie auf Körperkult und Perfektionszwang und mit Features, die jeden Fitnesstudiogänger erröten lassen würden. 

>> Web-Bonus: Narcissister über Stereotype


 
Der intellektuelle Tiefgang für ihre Performances kommt von zu Hause. Mama und Papa waren Universitätsprofessoren. Heute ist Narcissister Dauerkunde im Bioladen und wenn sie mal in Berlin ist, besichtigt sie lieber Buchläden statt das Brandenburger Tor. Und auch der Wunsch, etwas gegen Rassismus zu tun, kommt aus der Kindheit:
 
Narcissister
Ich war immer schon sehr sportlich und habe mit den Jungs gespielt. Und als ich dann mal gegen sie gewonnen hatte, kam einer der kleinen Jungs zu mir und sagte: du Nigger. Ich hatte das noch nie gehört, aber ich wusste sofort, dass das was Schlimmes war. .
 
Angefangen hat sie als klassische Burlesque-Queen. Es gab kaum schwarze Tänzerinnen in der Szene und Narcissister wusste: Den Feldzug der schwarzen „Sisters“ in der Burlesquewelt, den muss sie selbst beginnen. Also hat sie im Wörterbuch nachgesehen,  was gut zu Sister passt. Herauskam: Narzissmus, also Selbstliebe. Das hat sie dann auch gleich zu ihrem Thema gemacht. 
 
Narcissister
Die Gesellschaft zwingt uns einen Narzissmus auf, der eigentlich nichts anderes ist als Selbsthass. Z.B. wenn wir shoppen gehen oder uns schminken oder operieren lassen. Aber eigentlich sollten wir uns doch genau so lieben wie wir sind. Das ist der wahre Narzissmus, das ist die richtige Selbstliebe.
 
Die sollte dann aber bitteschön auch alle Körperteile betreffen, selbst die zwischen den Beinen. Narcissisters Performance zumindest, nimmt diese Botschaft wörtlich.

>> Web-Bonus: Narcissister über Künstlichkeit


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Freitag 6. Juli 2012 um 01.30 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2012, 52mn)
BR

Erstellt: 20-06-12
Letzte Änderung: 03-07-12