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16/11/11

Naomi Tani

Eine Reportage von Yves Montmayeur

Und Gott schuf Naomi Tani: Die Brigitte Bardot des Japan-Bondage erzählt uns exklusiv ihre fesselnde Lebensgeschichte.

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Naomi Tanis Werdegang zeigt, dass man echte Nehmerqualitäten braucht, um zum Megastar des japanischen Bondage-Kinos zu werden.

In über hundert Filmen lässt sie ihren leidgeprüften Körper fesseln, knebeln und aufhängen, als wäre das ganz normal.

Heute wird Naomi Tani überall auf der Straße erkannt und betreibt ihre eigene Bar, in der sie auch als Sängerin auftritt. Als sie 1948 in Fukuoka im Süden Japans geboren wird, deutet noch nichts auf ihr Schicksal hin.

Mit sechzehn landet Naomi in Tokio, und wird von einem Fotografen entdeckt. Dieser vermittelt sie an einen der Erotikfilm-Produzenten, die sogenannte “Pinku Eiga“ drehen.

Pinku Eiga, eine Reportage von Yves Montmayeur

Naomi Tani: Ein Schauspieler muss alles spielen können. Aber am Anfang ist es schwer, Textrollen zu bekommen. Und damals gab es in den großen Studios schon unendlich viele Stars, da war kein Platz für mich. Also dachte ich mir, der beste Weg, schnell Karriere zu machen, sind Nacktszenen. Ich wollte lieber eine Königin des B-Movies werden und mir dort mein eigenes Reich aufbauen. Und so kam ich sehr schnell ganz nach oben.

“Tani“ bedeutet in der japanischen Umgangssprache “Tal“, und meint die Mulde zwischen den Brüsten. Naomis üppige Kurven katapultieren sie in den Olymp der japanischen Sex-Fantasien. Von 1974 bis 79 ist sie in Dutzenden von Sadomaso-Streifen zu sehen, was ihr den Spitznamen “Schwarze Rose“ einbringt.

Ende der Sechziger entwickeln sich in Japan Erotikfilme, in denen Sex-Szenen angedeutet werden, zu einem eigenen Genre, das immer mehr Männer in seinen Bann zieht. Die auf der Wirtschaftswunderwelle reitende japanische Gesellschaft konsumiert Softpornos wie Shitake-Suppe. Einschlägige Kinos schießen aus dem Boden, und findige Produzenten schaffen neue Unterkategorien - wie den Bondage-Film. Hier ist Naomi der absolute Star.

Hana to hebi, von Masaru Konuma


Naomi Tani: Ich verstehe die heutige Erotik nicht. Früher arbeitete man mit Gardinen und Spitze, aber heute wird Schamhaar völlig ungeniert gezeigt. Ich trug damals Kimono-Dessous aus Spitze und einen Slip, der nicht zu sehen sein durfte. Erotik transportierte vor allem mein Gesichtsausdruck beim Fesseln. Da musste man gar nicht alles zeigen.

Naomi ist Wachs in den Händen ihrer Regisseure, egal, wie verrückt deren Ideen auch sind. Manchmal baumelt sie stundenlang gefesselt in der Luft, damit die gedrehten Szenen auch ein immer anspruchsvolleres Publikum befriedigen können.

Mitte der Siebziger dreht Naomi Meisterwerke, die kommerziell sehr erfolgreich sind, wie “Flower and Snake“ oder “Tatooed Flower Vase“. Produziert werden die Streifen dieser „Roman Porno“-Serie von Nikkatsu, einem der größten japanischen Studios. Als es 1971 vor dem Aus steht, ist die Produktion von Erotikfilmen mit literarischem Anspruch die letzte Rettung. Fünfzehn Jahre später umfasst die Roman Porno-Kollektion über sechshundert Filme. Kiyoshi Kurosawa oder Hideo Nakata, der Regisseur von “The Ring 2“ debütieren mit Nikkatsu-Filmen, und die Erotikdarstellerinnen sind echte Stars.

Kashin no irezumi : ureta tsubo, von Masaru Konuma

Naomi Tani: Heute werden eher gewalttätige SM-Szenen in den Vordergrund gerückt. Aber man kann SM auch anders filmen, so wie Dan Oniroku. Er hat die Drehbücher zu den meisten meiner Filme geschrieben. Ein großartiger Autor, der erotisches, anmutiges SM, ein sehr japanisches SM darstellte. Er schuf die schönsten Szenen, indem er nur den Gesichtsausdruck einer Frau beschrieb, die unter der Berührung eines Wassertropfens auf ihrer Haut aufseufzt.

1979, auf dem Höhepunkt ihres Ruhms setzt Naomi Tani, die bis dahin die Sonne meidet, um ihre Haut zu schonen ihrer Karriere ein plötzliches Ende. Offiziell heißt es, sie möchte sich nicht auf der Leinwand altern sehen. Jetzt ist die Roman Porno-Reihe auf DVD erhältlich, und ihre Fangemeinde international. Letzten Juli verneigt sich auch das französische Festival Paris-Cinéma vor der japanischen Diva und widmet ihr eine ganze Filmnacht.

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Dienstag 22. November 2011 um 05.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2011, 52mn)
ARTE F

Erstellt: Fri Nov 04 12:00:00 CET 2011
Letzte Änderung: Wed Nov 16 13:43:02 CET 2011