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Eine Dokumentarserie, exklusiv für arte.tv.

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BACK HOME - 07/09/09

Nach Istanbul

Der Türke Mehmet iksel lebt seit über 30 Jahren in Paris. Nach einer Karriere als Theaterregisseur leitet er heute gemeinsam mit seiner Frau Dimonah eine Firma, die Tapetendekore nach historischen Gemäldevorlagen entwirft. Mehmet stammt väterlicherseits aus einer Diplomatenfamilie (sein Vater, Settar Iksel, verhandelte mit Bundeskanzler Adenauer über die Einwanderung türkischer Gastarbeiter) und mütterlicherseits aus einem Industriellenmilieu (sein Großvater mütterlicherseits, Hayri Ipar, ein Freund von Mustafa Kemal Atatürk, hatte das Monopol für die Zuckerherstellung in der Türkei inne). Mehmet hat ein vielschichtiges Verhältnis zur Türkei, einem Land, das er aus freien Stücken verlassen hat.


Episode 1: Von Paris nach Istanbul
Nach der herzlichen Begrüßung seines Bruders, bestätigt Mehmet Iksel: "Die Menschen haben sich nicht verändert".



Atatürk war Begründer und erster Präsident der Republik Türkei. Nach dem Ersten Weltkrieg spielte er eine führende Rolle in dem Unabhängigkeitskrieg, durch den die moderne Türkei in ihren heutigen Grenzen aus dem Osmanischen Reich hervorging und die Teilungspläne der Alliierten vereitelt wurden. Anschließend leitete Atatürk umfangreiche politische, wirtschaftliche und kulturelle Reformen ein, um die Türkei zu einem modernen, demokratischen und laizistischen Staat zu machen. Zu nennen sind hier insbesondere die Einführung eines Bildungssystems westlicher Prägung, zu dem auch Mädchen und Frauen Zugang haben, die Schließung der islamischen Gerichte und die Einführung eines Strafgesetzbuchs, die Abschaffung des Kalifats, eine Sprachreform und die Ablösung des arabischen durch das lateinische Alphabet.


Episode 2: Die wiedererlebte Vergangenheit



Die Terrasse, auf der Mehmet zu Beginn der Folge steht und mit Kubilai spricht, befindet sich im Istanbuler Stadtviertel Kandilli.

Die Moschee, die wie auf einer Postkarte im Hintergrund zu sehen ist, ist die Yeni Camii (Neue Moschee) aus dem 17. Jahrhundert. Die Pläne für das Gebäude stammen von Da'ud Aga, einem Schüler des berühmten Architekten Sinan.

Das verfallene Haus liegt in einem Stadtviertel namens Çiftehavuzlar am Marmarameer.

Mehmets Großtante wohnt im Stadtteil Göztepe auf der asiatischen Seite Istanbuls.


Episode 3: Von der Hagia Sophia bis zur Chora-Kirche

Die Basilika Hagia Sophia wurde im 6. Jahrhundert auf Wunsch der Ehefrau von Kaiser Justinian I., Theodora, erbaut. Sie war Sitz der orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel und Krönungskirche der byzantinischen Kaiser. Nach der Eroberung der Stadt durch die Osmanen wandelte Sultan Mehmed II. die Kirche in eine Moschee um. Er ließ die Mosaike übertünchen. Seine Nachfolger gaben durch den Bau von vier Minaretten dem Gebäude endgültig das Aussehen einer Moschee. Sie wurde zum Vorbild für zahlreiche andere osmanische Gotteshäuser. 

Bereits im 3. bis 4. Jahrhundert wurde am Standort der Chora-Kirche ein Gotteshaus errichtet; das heutige Gebäude stammt aus dem 11. Jahrhundert. Seine Mosaike und Fresken, die in den Jahren 1315 bis 1321 dank des Stifters Theodoros Metochites entstanden, gehören zu den schönsten noch erhaltenen Beispielen byzantinischer Kunst. Sie beschreiben das Leben Jesu (Abstammung, Kindheit und Wirken Christi), das der Jungfrau Maria und das von Heiligen und hohen Persönlichkeiten des Byzantinischen Reiches. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 blieb die Kirche ein halbes Jahrhundert lang ein christliches Gotteshaus, bevor sie in eine Moschee umgewandelt wurde. Die Fresken und Mosaike wurden übertüncht, blieben jedoch erhalten.

Nach der Rückkehr Mehmets und Kubilais nach Paris erfährt der Zuschauer, dass vier türkische Intellektuelle im Internet eine Petition gestartet haben, die innerhalb von vier Tagen von 13.000 Türken unterzeichnet wurde. Sie ruft dazu auf, der „großen Katastrophe“, die die armenische Bevölkerung 1915 im Osmanischen Reich traf, nicht länger gleichgültig gegenüber zu stehen und die Armenier um Verzeihung zu bitten. [AdR]

Heute sind schätzungsweise 95 % aller Istanbuler Muslime, wenn man sich auf die Ergebnisse der Volkszählung aus dem Jahr 2000 stützt, nach der es in der Stadt 2.691 aktive Moscheen, 123 Kirchen und 26 Synagogen gibt. Unter den Muslimen sind 15 bis 30 % Aleviten; alle anderen sind Sunniten, die die größte islamische Religionsgemeinschaft bilden.


Episode 4: Die schönen Nächte Istanbuls
Das Nachtleben ist ein Beweis für die Veränderungen eines ganzen Landes


Das Hotel Hilton liegt in Harbiye, im europäischen Teil der Stadt, unweit des In-Viertels Taksim.
Der Große Basar von Istanbul, der aus der Zeit der Eroberung der Stadt durch die Türken (15. Jahrhundert) stammt, ist einer der größten überdachten Märkte der Welt. Seine 58 Straßen und 6.000 Geschäfte ziehen täglich 250.000 bis 400.000 Besucher an.
Über 25 % der Türken sind jünger als 15 Jahre; in Frankreich, dem Land mit der höchsten Geburtenrate in Europa, sind es rund 19 %.


Entwurf und Regie: Sindbad Iksel. © Iksel Films, Paris, 2008.


BUCHTIPP
Orhan Pamuk
Istanbul – Erinnerungen an eine Stadt
Aus dem Türkischen von Gerhard Meier
Carl Hanser Verlag, München, 2006

Erstellt: 07-02-09
Letzte Änderung: 07-09-09


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