Leander Haussmann über...
... das Genre des Films
... den Inhalt des Filmes
... die Musik im FilmDetlev Buck über...
... die Rolle Oberst Kalt(mp3 Audio)
Kritik: Regisseur Leander Haussmann hat sich nach dem überwältigenden Erfolg seines ersten Films Sonnenallee erneut mit Autor Thomas Brussig zusammengetan und gemeinsam mit ihm das Drehbuch für NVA geschrieben. In seinem neuen Film arbeitet er ein weiteres Stück seiner eigenen Biografie ab. Als Obermatrose Haussmann, Abteilung Buchbinder, Mot-Druckerei, 4. Flotille leistete er seinen Dienst, 18 Monate lang. Schade, dass davon nur Klischees in seinem Kopf übriggeblieben sind.
„Abschied von Sex und geilen Weibern, Abschied von Schnaps und LSD, Scheiße, wir müssen zur Armee!“ skandieren die Jungsoldaten, und sollten sich dabei besser nicht erwischen lassen. Auf dem Niveau dieses Spruchs befindet sich der ganze Film, was unter Umständen sogar lustig sein könnte. Doch NVA ist alles andere als originell. Nach der peniblen Spindkontrolle folgen die „Schleifübungen,“ schikanöse Übungen im Gelände, die dazu beitragen sollen, dass aus den jungen Männern ordentliche Soldaten werden. Ein schlechter Gag jagt den Nächsten. Da entdeckt der werdende Vater auf einmal dass er nicht der Vater sein kann, weil seine Freundin ja erst im 3. Monat schwanger ist, und er bereits fünf Monate bei der NVA „einsitzt.“ Einem anderen schreibt die Freundin: „P.S.: Wir können ja Freunde bleiben.“
Einzig die Auftritte Detlev Bucks in seiner Paraderolle des nervigen Oberst Kalt sind Lichtblicke in diesem drögen Film. „Sie sind ein Rostfleck am Schwert des Sozialismus“ schmettert Buck da etwa mit dem Brustton der Überzeugung einem seiner unordentlichen Soldaten entgegen. Schöne Momente sind das, aber leider nur kurze Momente, in einem Film, der gewollt witzig vor sich hindümpelt. Offensichtlich hat sich Leander Haussmann die Kriegssatire M.A.S.H. (1970) von Robert Altman zum Vorbild genommen. Doch wusste der oscarprämierte Film durch seinen beißenden Zynismus und seinen lakonischen Humor zu überzeugen, angereichert mit kindlichen Albereien. Bei Haussmann gibt es nur Letzteres. Einmal, da wird der rebellische Soldat Krüger nach Schwedt geschickt, zur „Umerziehung.“ Nach einer Gehirnwäsche kommt er zurück. Aus ihm ist ein funktionierender Soldat geworden, eine Art programmierter Roboter. Da wird der Film für kurze Zeit interessant, aber bereits nach fünf Minuten wird Krüger von einer Frau „kuriert“ oder besser „wachgeküsst.“ Weiter geht’s dann mit schlechter Poesie („Wärst du hier würde aus dem Wachturm eine Gondel“), verbotenen Frauenbesuchen und einem explodierenden Wachturm. Immerhin lässt Haussmann diesmal die Mauer stehen. Lieber Herr Haussmann wie wäre es denn als Nächstes mit einer lustig-leichten Stasi-Geschichte, im Berlin Ende der 80er Jahre. Ich sehe sie schon vor mir – in allen Einzelheiten ...
Nana A.T. Rebhan
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NVA
Deutschland 2005, 98 Min.
Regie: Leander Haussmann
Mit Kim Frank, Oliver Bröcker, Detlev Buck, Ignaz Kirchner






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