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ARTE Journal - 15/03/12

Mutmaßliche Assad-Emails veröffentlicht

Die britische Tageszeitung „The Guardian“ listet auf ihrer Webseite ausführlich mutmassliche Emails von Präsident Assad und seiner Frau auf. Es ist Privates darunter, aber auch Konversationen zur Medienpolitik, Kontakte zum Iran und zum Gemütszustand Assads. Emails seiner Frau belegen Luxus-Bestellungen von Perlenketten und Dekoration, während die Armee Syriens brutal gegen Oppositionelle im Homs und anderen Städten vorging.

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Der Guardian erhielt die rund 3000 Emails nach eigenen Angaben von syrischen Oppositionellen im Exil. Diese wiederum geben an, ein junger Mitarbeiter der Assad-Regierung habe ihnen im März 2011 auf einem Zettel die Logins und Passwörter zu zwei Email-Adressen gegeben: sam@alshahba.com und ak@alshahba.com. Dies seien die Email-Nutzernamen von Präsident Baschar al-Assad und seiner Frau Asma gewesen.


Opposition las Mails mit
Neun Monate lang verfolgten demnach die Oppositionellen den Email-Verkehr fast rund um die Uhr, um Informationen über das Regime und mögliche Militäraktionen zu erfahren. Als die Hackergruppe Anonymous im Januar rund 80 Email-Adressen von syrischen Ministerien veröffentlichten, stoppten die Emails abrupt.


Ratschläge aus Teheran
Laut den Mails ließ sich die syrische Regierung bei der Niederschlagung der Proteste im Land mehrfach vom Iran beraten. In einer Email fordert Assads Medienberater den Präsidenten zu einer "machtvollen und gewaltsamen" Sprache auf. Sein Rat beruhe auf "Gesprächen mit einer Reihe von Personen", darunter der Berater des iranischen Botschafters. In einer weiteren Email von November 2011 fordert ein Berater Assad auf,
„ ...Wir sollten die Sicherheit verschärfen und eine Operation starten, um die staatliche Autorität und Macht in Idlib und Hama mit allen Mitteln wieder herzustellen. „


Assads (mutmaßliche) Mails
Im Juli 2011 schreibt Assad über geplane Reformen:
„Dies sind die besten Reformen, die ein Land nur haben kann (…) wir werden sie umsetzen – statt der miesen Gesetze von Parteien, Wahlen, Medien...“


iTunes trotz Sanktionen
Assad schreibt auch über seinen Musikgeschmack, er hat offenbar bei iTunes Titel verschiedener britischer und US-Bands heruntergeladen - von Contry bis Rap. Da die Seite in Syrien im Rahmen der Sanktionen blockiert war, musste er eine spezielle Software benutzen, um die Sperre zu umgehen.


Luxus-Bestellungen von Assads Frau
Weitere Emails belegen offenbar den ausschweifenden Lebensstil des Präsidentenpaars. Assads Ehefrau schreibt von Bestellungen für tausende Dollar für Einrichtungsgegenstände wie Kerzenleuchter, Tische und Kronleuchter per Internet aus Paris, ordert aber auch Diamant-Colliers oder Luxus-Schuhe. Sie sendet ihrem Mann auch Links zu kugelsicheren Jacketts.

Nicht 100 Prozent sicher

Um die Echtheit zu bestätigen, haben Journalisten des Guardian Inhalte der Mails mit den Ereignissen in Syrien abgeglichen und Personen, die an diese Adressen Mails geschickt hatten, kontaktiert. Dennoch könne die Echtheit nicht hundertprozentig bestätigt werden.


Frank Dürr fur ARTE Journal mit "The Guardian"

Unser Dossier über Syrien:



Erstellt: 15-03-12
Letzte Änderung: 15-03-12