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2008.11.07 - 23.05 : Tracks - 14/11/08

Mutantenkörper

Wenn die Götter Pause haben


Die Schöpfung ist nicht mehr nur Sache der Götter. Bereits im jüdischen "Buch der Schöpfung" stand zu lesen, wie man einen Lehmklumpen zu Leben erwecken und ihm menschliche Formen verleihen kann. Der Golem war der Urvater von Frankensteins Monster, Pinocchio, Terminator und unzähliger anderer menschenähnlicher Kreaturen, geschaffen von Künstlern, die in prometheischer Anmaßung Gott spielen und in die Evolution eingreifen. Manchmal mutieren die Künstler aber auch selbst. Denn während die Prothesen in J. G. Ballards Roman "Crash" reine Fiktion sind, zerschneiden, durchbohren und verformen Ron Athey und die Künstler der Bodmod-Szene seit Beginn der 80er Jahre ihre eigenen Körper.

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Mit „Crash“ tritt Cronenberg seinen größten Skandal los. Kein Wunder, wenn man sich die Geschichte von ein paar Unfall-Junkies aus einem Science Fiction-Roman pickt, der seinem Autor James Graham Ballard schon 1973 jede Menge Ärger eingebracht hat. Der 1930 geborene Brite gilt als Science-Fiction-Koryphäe und sein Werk wird regelmäßig kontrovers diskutiert. Ballards Kampfansage an die Konventionen ist seine Art, die Welt in Frage zu stellen. Schockierend ist an Crash vor allem der auf ein Werkzeug reduzierte menschliche Körper, mit dem erotische Fantasien befriedigt werden.


Den Körper zu verändern - Gibt es eine größere Sünde? Dr. Frankenstein hält sich den Schöpfer und zieht den Zorn Gottes auf sich. Dabei kreiert schon im dritten Jahrhundert ein Rabbi zum Schutz der Prager Juden das Urmonster, den Golem. 1971 pulverisiert der kalifornische Performance-Künstler Chris Burden das Tabu, indem er sich eine Kugel in den Arm schießen lässt. Die Geburtsstunde des „Body Playing“. In seinem Fahrwasser machen sich Künstler - wie hier die Französin Orlan mit seinen Implantaten - Techniken zu eigen, die man bis dahin nur von primitiven Stämmen kennt. In den 80ern tauchen in westlichen Großstädten verstärkt Tätowierungen und Körpermodifikationen auf.


Der ehemalige Werbefachmann Fakir Musafar gibt dem Phänomen 1979 den Namen “modern primitives“. Einer der bekanntesten unter ihnen ist der Body Player Ron Athey. Von religiösen Fanatikern erzogen, wird er in seiner Zeit als Punk in L.A. mit AIDS infiziert und setzt seinen Körper in exorzismusartigen Performances in Szene. Body Play gibt Athey und seiner Truppe die Kontrolle über einen Körper zurück, den die Krankheit an sich reißt und den gesellschaftliche Zwänge knebeln.


Geht nicht gibt‘s nicht für die Modern Primitives. Piercing, Branding, subkutane Implantate... Mit Stammesriten haben diese tiefgreifenden Veränderungen nicht mehr viel zu tun. Ein vom Internet angetriebenes Beben mit Epizentrum in David Cronenbergs Heimatstadt Toronto, wo die Website BME betrieben wird.


Weitere Informationen


Ausstellung: J.G. Ballard - An autopsy of the new millinium
J.G. Ballard beim CCCB - Barcelona
Infos zur Ausstellung, Film-Wettbewerb auf dem Blog
>> Website

J.G. Ballard im Interview mit Tom Sutcliffe für die BBC
>> Das Interview sehen
>> BallardoTube

"Hallelujah! Ron Athey: A Story of Deliverance"
Ein Dokumentarfilm von Julie Fowells und/mit Ron Athey
>> Infos, Video

Donaufestival
In Juni fand in Krems (Östereich) das Donaufestival mit u.a. Roberta Lima, Ron Athey und die Fuckheads...
>> Die Website

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Samstag 8. November 2008 um 03.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2008, 52mn)
ARTE F

Erstellt: 05-11-08
Letzte Änderung: 14-11-08