Schriftgröße: + -
Home > Film erleben > Kino-News > Kinostart 15. Dezember 2005. > Mongolian Ping Pong

Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

Kino-News

Kinostart 15. Dezember 2005 - 11/08/08

Mongolian Ping Pong

Ein Film von Ning Hao


Mongolisches
Bauerntheater

Weitere Artikel zum Thema

Synopsis: Der mongolische Junge Bilike hat in seinem Leben noch nie einen Ping-Pong-Ball gesehen und hält ihn für eine mystische Perle, die ihn zu allerhand Geschichten inspiriert. Zusammen mit seinen Freunden macht er sich auf den Weg bis nach Peking, um den chinesischen Nationalball an seinen Bestimmungsort zurückzubringen.

Kritik: Zu Beginn sieht alles danach aus, als sei diese mongolische Nomadenfamilie längst in der Zivilisation respektive in Pekings Hauptstadt zur Erkundung der dortigen Sehenswürdigkeiten angekommen: auf Anweisung eines Fotographen stellt man sich die Familie inklusive Großmutter vor dem Kaiserpalast auf. Stutzig macht jedoch, dass die Familie mitten in der Fotosession mal eben ihre zivilisierte Kleidung gegen Traditionsgewänder eintauscht. Wenig später steht fest, dass es sich um eine Postkartenansicht auf einem riesigen Prospekt handelt und der Fotograf ein motorisierter Bauchladenhändler ist.

Die mongolische Steppe und ihre Bewohner haben in diesem Film noch fast nichts von ihrer Unschuld eingebüßt. Zwar gibt es hier und da bereits Insignien des Fortschritts, doch werden diese eher mühelos in die lokalen Gebräuche und Sitten integriert. Alte Fahrradreifen dienen dem Glücksspiel und die Autos sind so klapprig, das man mit den kleinen Pferden beinahe schneller vorankommt in der mongolischen Graslandschaft. Kein Wunder, dass in den Augen eines neugierigen Kindes da ein Pingpongball sofort zu einem wertvollen Schatz der Flussgötter mutiert. Um diesen Ping-Pong-Ball, das um ihn herum gesponnene Mysterium, die damit geweckten Begehrlichkeiten und Träume geht es in diesem Märchen für die ganze Familie, perfekt in den deutschen Kinos zur Weihnachtszeit platziert.

Der chinesische Regisseur Ning Hao hat eine sehr einfach konsumierbare Parabel darum gestrickt und fast ausschließlich mit kindlichen Darstellern besetzt. Anders aber als seine in Deutschland ausgebildete mongolische Kollegin Baymbasuren Davaa (Die Höhle des gelben Hundes) vertraut er aber weniger dem Improvisationstalent seiner Laienschauspieler, sondern verordnet seiner Geschichte ein genau ausgearbeitetes Drehbuch und genaue Regieanweisungen.

Deshalb sieht Mongolian Ping Pong meistens aus wie mongolisches Bauerntheater, in der zugegebenermaßen süße mongolische Kinder zwar ihrer Spielfreude nachgehen können, aber doch manches Mal von den Wünschen des Regisseurs überfordert werden. Der Wille, eine sinnstiftende Parabel erzählen zu wollen, ein Brücke zwischen ursprünglicher nomadischer Lebensform und chinesischer Moderne schlagen zu wollen, ist immer spürbar, so dass auch die ein weiteres Mal in ihrer zugegebenermaßen unübertrefflichen Schönheit weitwinklig abfotografierte mongolische Steppe mit ihren Reizen nicht mehr ganz so verlockend erscheint wie in den Filmen von Baymbasuren Davaa.

Martin Rosefeldt

................................
Mongolian Ping Pong
Ein Film von Ning Hao
Darsteller: HURICHABILIKE, DAWA, GELIBAN, YIDEXINNARIB, BADEMA, JINLAOWU, WURINA, BUHEBILIKE, SARENGAOWA, DUGEMA, JIRIMU
China, 2005, 101’

Erstellt: 13-12-05
Letzte Änderung: 11-08-08