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Mit Vollgas in die Hungerkrise

Der Sturm in der Finanzwelt hat die Vorzeichen einer wesentlich schwereren Krise verdeckt: Eine allgemeine Nahrungsmittelkrise erwartet uns.

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Mit Vollgas in die Hungerkrise

Der Sturm in der Finanzwelt hat die Vorzeichen einer wesentlich schwereren Krise verdeckt: Eine allgemeine Nahrungsmittelkrise erwartet uns.

Mit Vollgas in die Hungerkrise

21/06/12

Mit Vollgas in die Hungerkrise

Die Rohstoffpreise für Nahrungsmittel steigen, die landwirtschaftlichen Nutzflächen schrumpfen und aufstrebende Volkswirtschaften wie China und Indien verändern ihre Ernährungsgewohnheiten. Der Dokumentarfilm sucht nach den Gründen für die weltweite Verknappung von Lebensmitteln und für die ständig steigenden Preise.







In Verbindung mit dem aktuellen Wirtschaftssystem führt der Klimawandel die Welt in absehbarer Zukunft an den Rand einer Hungersnot. Lässt dieser Trend sich noch umkehren oder ist es dafür bereits zu spät?
Die Preisexplosion von Lebensmitteln in der jüngeren Zeit ist ein Alarmzeichen: Die Welt steuert auf eine nie dagewesene Nahrungsmittelkrise zu. Die Recherchen der beiden Dokumentarfilmer Yves Billy und Richard Prost zeigen, dass wir erst am Anfang einer Entwicklung stehen, deren Ausmaß noch nicht abschätzbar ist. Bereits im achten Jahr in Folge gehen die Getreidevorräte weltweit zurück. Derzeit reichen sie gerade mal aus, um die Menschheit 20 Tage lang zu versorgen, obwohl die Regierungen vereinbarten, dass eine Sicherheitsreserve für mindestens 70 Tage vorhanden sein muss. Weltweit leiden bereits heute 925 Millionen Menschen Hunger und ihre Zahl nimmt immer rascher zu. Steigende Rohstoffpreise, zunehmende Wasserverknappung, Abnahme der Ackerflächen und die Folgen des Klimawandels werden durch die drastisch steigende Nachfrage nach Getreide aus China und die Verwendung immer größerer Anbauflächen für die Produktion von Biokraftstoffen verschärft. In den USA beispielsweise wird heute bereits ein Drittel der jährlichen Maisernte (120 Millionen Tonnen) zur Herstellung von Bioethanol verwendet, 2007 waren es noch 80 Millionen Tonnen. Die in den vergangenen 50 Jahren praktizierten, einzig am Ertrag orientierten, intensiven Anbaumethoden haben die Böden ausgelaugt und die Umwelt vergiftet und stoßen nun an ihre Grenzen. Das Gleiche gilt für jene neoliberale Politik, die die Länder des Südens dazu veranlasste, ihre gesamte Landwirtschaft auf den Export auszurichten und die einheimischen Bevölkerungen damit dem freien Spiel der internationalen Märkte auslieferte. Der Ruf nach Hinterfragung des aktuellen Wirtschaftssystems wird immer lauter. Selbst aus Kreisen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank wird gefordert, mehr auf die Bedürfnisse der einzelnen Länder, einschließlich der ärmsten, einzugehen.

Sind wir noch in der Lage die sich ankündigende Katastrophe aufzuhalten?

Nahrung oder Rendite?
Billy und Prost haben europäische Experten für Landwirtschaft und Ernährung befragt, sich den Getreideanbau in Argentinien und den USA sowie die rasante Verstädterung in China angeschaut. Um seinen wachsenden Nahrungsmittelbedarf zu decken, investiert China inzwischen in Afrika, Südkorea und auch in Argentinien. Mais und Soja werden heutzutage überwiegend als genetisch veränderte Organismen angebaut. Beide finden in Industrie und intensiver Viehhaltung immer breitere Anwendung und stehen immer weniger für Nahrungszwecke zur Verfügung. An ihrem Beispiel erläutern die beiden Autoren, warum die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten zu- und das Angebot abnimmt. Am Ende ihres Beitrags steht die bange Frage, ob die Menschheit überhaupt noch in der Lage ist, die sich ankündigende Katastrophe aufzuhalten.

Mit Vollgas in die Hungerkrise
Donnerstag 11. Dezember 2008 um 09.55 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2008, 120mn)
ARTE F

Erstellt: 19-11-08
Letzte Änderung: 21-06-12