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Kino auf ARTE - 22/12/11

Metropolis

Stummfilm, Deutschland 1927, ZDF, Schwarz-Weiß
Regie: Fritz Lang; Buch: Thea von Harbou, Fritz Lang (ungenannt); Kamera: Günther Rittau, Karl Freund; Originalmusik (1927): Gottfried Huppertz, Musikrekonstruktion (2010): Frank Strobel; Schnitt: Fritz Lang; Restaurierung: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung; Produzent: Erich Pommer, Christian Schwalbe (ZDF); Produktion: Universum Film (UFA); Redaktion: Nina Goslar (ZDF/ARTE), Stefan Lang (Deutschlandradio Kultur)
Mit: Brigitte Helm - (Maria/ Maschinenmensch), Alfred Abel - (Johann "Joh" Fredersen), Gustav Fröhlich - (Freder Fredersen), Rudolf Klein-Rogge - (Erfinder Rotwang), Fritz Rasp - (Der Schmale), Theodor Loos - (Josaphat), Erwin Biswanger - (Der Arbeiter Nr. 11811), Heinrich George - (Groth)

Metropolis - die Anti-Utopie einer Großstadt: In einer streng getrennten Klassengesellschaft leben die Arbeiter versklavt in unterirdischen Fabriken, die Reichen dagegen genießen ein luxuriöses Dasein in der Oberstadt. Persönliche Leidenschaften und Intrigen, ein weiblicher Maschinenmensch als Instrument eines dämonischen Wissenschaftlers und ein Arbeiteraufstand beschwören einen zerstörerischen Machtkampf herauf, der die gesamte Stadt und ihre Bewohner zu vernichten droht ... Nach der Welturaufführung der restaurierten Fassung von "Metropolis" während der Berlinale 2010 präsentiert ARTE den Film mit der Studio-Einspielung der rekonstruierten Originalmusik von Gottfried Huppertz, eingespielt vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Frank Strobel.



"Metropolis" - die Vision einer Stadt der Zukunft: Die Bevölkerung lebt in einer streng getrennten Klassengesellschaft, die Arbeiter sind versklavt in unterirdischen Fabriken, die Reichen genießen ein luxuriöses Dasein in der Oberstadt. So auch Freder, der einzige Sohn von Joh Fredersen, dem mächtigsten Mann von "Metropolis". Eines Tages begegnet Freder Maria, die den Arbeitern mit ihren Predigten von Liebe und Klassenlosigkeit Hoffnung schenkt. Freder folgt ihr in die Unterwelt. Als er die Lebensverhältnisse der Arbeiter sieht, ist er erschüttert und will einer von ihnen werden.
Das wiederum alarmiert seinen Vater. Um Maria auszuschalten, beauftragt Joh Fredersen den Erfinder Rotwang, eine Doppelgängerin von Maria zu schaffen, die zu Kampf und Zerstörung aufruft. Rotwang erfüllt diesen Wunsch, doch nicht um Fredersen zu helfen, sondern um ihn und seine Stadt zu vernichten. Er hasst Fredersen, weil er an ihn seine Geliebte Hel verloren hat, die bei der Geburt von dessen Sohn Freder gestorben ist. Rotwang will nun Hel in einer Menschmaschine wiedererschaffen; er verleiht er ihr die Gestalt Marias. Fredersens Plan geht zunächst auf: Von Marias Doppelgängerin aufgestachelt, revoltieren die Arbeiter und verwüsten die Arbeiterstadt. Als sie erkennen, dass dadurch ihre Stadt überschwemmt wird und ihre Kinder in Gefahr sind, wollen sie sich an Maria rächen. Die unheilbringende Doppelgängerin wird gefasst und verbrannt, während die wahre Maria gemeinsam mit Freder die Kinder der Arbeiter vor den Wassermassen rettet.
Im Showdown zwischen Freder und Rotwang wird Letzterer getötet. Die Arbeiter erkennen den fatalen Betrug. Die Bewohner von Metropolis sind geeint, der Weg scheint frei für eine Welt ohne Klassenunterschiede. Maria besiegelt den Händedruck zwischen dem Vorarbeiter und Freder.

Drehbuch nach einem Roman von Thea von Harbou
Entdeckt wurde die weltweit einzigartige "Metropolis"-Fassung von Fernando Martín Peña und der Direktorin des Museo del Cine, Paula Félix-Didier. Im Museo del Cine lagerte ein 16-mm-Negativ des Films, das 20 Minuten Filmmaterial enthält, welches in keiner anderen überlieferten "Metropolis"-Kopie enthalten ist. Dank dieser Zusätze vermittelt die aktuelle Restaurierung einen authentischen Eindruck von der Ursprungsfassung des Films, auch wenn noch 300 Meter Film fehlen.
Die Verstümmelung des Monumentalfilmes begann kurz nach seiner Premiere am 10. Januar 1927 im Berliner Ufa-Palast am Zoo. Die Uraufführungsfassung von 4189 Metern lief vier Monate ohne Erfolg, weshalb die Ufa den Film zurückzog und um etwa 30 Minuten auf 3241 Meter kürzen ließ. Dabei orientierte sie sich an der bereits 1926 hergestellten amerikanischen Verleihfassung; der von der Paramount beauftragte Theaterautor Channing Pollock hatte den Film um etwa ein Viertel auf eine gängige Kinolänge von 3100 Metern gekürzt und alle "kommunistischen Tendenzen" eliminiert.
Kurz nach der Premiere und noch vor den Kürzungen des Films erwarb der argentinische Filmverleiher Adolfo Wilson eine Kopie, die er ab 1928 in argentinischen Kinos einsetzte. Nach der kommerziellen Auswertung gelangte diese Kopie in den Privatbesitz des Filmkritikers Manuel Pena Rodriguez, dessen Sammlung später in das Museo del Cine Pablo C. Ducros Hicken gelangte. In den 70er Jahren wurde von der inzwischen stark beanspruchten Nitrokopie eine Sicherheitskopie auf 16-mm-Negativ gezogen. Das leicht entflammbare Nitromaterial, dessen Beschädigungen im Duplikat nun verewigt sind, wurde anschließend vermutlich vernichtet.
Eine der großen Herausforderungen der Filmrestaurierung ist der problematische Zustand des in Argentinien identifizierten 16-mm-Materials, das von einer stark abgenutzten 35mm-Verleihkopie gezogen wurde. Trotz modernster Restaurierungstechnik ist der Unterschied der neu entdeckten Teile zur fotografischen Güte der Fassung von 2001 immer sichtbar. Das 16-mm-Material wurde bei ARRI in München gescannt und unter Einsatz einer individuell entwickelten Software bei Alpha-Omega-digital im Einzelbildverfahren retouchiert.
Eine weitere Herauforderung der Rekonstruktion lag in der Herstellung der ursprünglichen Montage des Films; dabei spielt die überlieferte Originalmusik von Gottfried Huppertz eine entscheidende Rolle. Archiviert sind im Filmmuseum Berlin die handschriftliche Partitur von Gottfried Huppertz für großes und kleines Orchester sowie ein handschriftliches Particell und der gedruckte Klavierauszug, der 1028 Synchronmarken enthält. Mit Hilfe dieser originalen Musikmaterialien wurde sowohl die Platzierung der wiederentdeckten Szenen verifiziert, wie auch eine Korrektur der Schnittfassung der bisher kursierenden "Metropolis"-Kopie (zuletzt 2001 überarbeitet) vorgenommen.
Für die Rekonstruktion der Musikfassung zeichnet Frank Strobel verantwortlich, der als Dirigent und Musikhistoriker zusammen mit Anke Wilkening (F. W. Murnau-Stiftung) und Martin Koerber die aktuelle Restaurierung betreut hat, mit der die verlorene Originalfassung von "Metropolis" fast wieder hergestellt ist.
Parallel zur Filmrestaurierung liefen die Vorbereitungen zur Wiederaufführung und Musikeinspielung der Originalmusik, produziert von ZDF/ARTE in Zusammenarbeit mit dem RSB, Deutschlandradio und der Europäischen Filmphilharmonie. Dabei entstand ein komplett neuer Notensatz auf der Grundlage der überlieferten handschriftlichen Musikmaterialien, der von der Filmphilharmonie sowohl als Urtextausgabe wie auch als kritisch-editorische Aufführungsausgabe veröffentlicht wird.
Restauriert wurde "Metropolis" von der in Wiesbaden ansässigen Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Kooperation mit ZDF und ARTE, gemeinsam mit der Deutschen Kinemathek-Museum für Film und Fernsehen und in Zusammenarbeit mit dem Museo del Cine Pablo C. Ducros Hicken sowie mit finanzieller Unterstützung durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, die gemeinnützige Kulturfonds Frankfurt RheinMain GmbH, die Verwertungsgesellschaft für Nutzungsrechte an Filmwerken mbH sowie die DEFA-Stiftung.
Nach der Berlinale-Gala ist die neue "Metropolis"-Fassung als Tonfilmkopie in den Kinos angelaufen und hat international in über hundert symphonischen Filmkonzerten an die 100.000 Zuschauer erreicht.

Metropolis
Mittwoch 11. Januar 2012 um 02.05 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 1927, 144mn)
ZDF

Erstellt: 22-12-11
Letzte Änderung: 22-12-11