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Metropolenreport - 17/09/12

Toulouse, la ville en rose

Toulouse, „la ville rose“ ist eine Studentenstadt, traditionell links, extrem dynamisch, mit prallem kulturellen Leben.

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Große und kleine Festivals, das ganze Jahr hindurch. Toulouse brodelt von jugendlichem, kreativen Elan. Ein Markenzeichen: Hier wartet man nicht, dass gemacht wird, hier machen die Leute selbst. Und in Sachen Lebensqualität steht Toulouse wegen seiner Grünflächen an der Garonne und am Canal du midi, seiner Lebensfreude und seines Kulturleben im französischen Städteranking auf Platz 2.

Metropolis trifft die Sänger Magid Cherfi und Mouss Amokrane der Gruppe ZEBDA. „Toulouse ist der Akzent. Ob schwarz, arabischer, spanischer oder asiatischer Herkunft wir haben ihn einfach alle: diesen extremen Akzent.“ Magid und Mouss sind algerischer Herkunft und stammen aus den Ghettos von Toulouse. Zwischen 1995 - 2003 waren sie die bekannteste und erfolgreichste Band Frankreichs und sind zum Emblème für Toulouse geworden.

Gerade haben sie nach fast 10 Jahren Pause wieder ein Album herausgebracht. „Second tour“ und die Hallen sind ausverkauft. Ihre Musik ist eine Mischung aus Funk , Reggae und arabischen Rai – und Lebensfreude pur. Politisch engagieren sie sich gegen Rassismus und für mehr Chancen für Einwanderer, gründeten 2001 eine Partei „Les Motivès“ und saßen mit 4 Sitzen sogar im Stadtparlament. Der Titel Song des neuen Albums „ Autor de l’église“ ( „Um die Kirche herum“) preist den Multikulturalismus in Toulouse. Vor der Kirche St. Sernin im Zentrum geben uns die Zwei ein ganz privates Konzert.

Wie unterschiedlich Biografien aus den Quartiers verlaufen, erzählen uns Magid und Mouss, die aus dem Quartier „Les Izards“ am Rande von Toulouse kommen, hier ist auch Mohhamed Meran, der Serienkiller aufgewachsen. Und natürlich waren ZEBDA auch während des Wahlkampfs sehr engagiert, wie schon der Titel des Albums „Second Tour“ , Stichwahl suggeriert. Wir begleiten ZEBDA in das arabische Viertel „Arnaud Bernard“, das vor allem wegen seines Nachtlebens derzeit angesagt ist und nehmen dort den typischen Toulouser „apéro“ auf den Terrassen der Konzertbars.

Am 14.Juli geben ZEBDA ein gratis Open Air Concert.

Es war Liebe auf den ersten Blick, sagt uns die Zirkuskünstlerin Yaelle Antoine und schwärmt vom rosa Licht, in das die ganze Stadt gebadet ist. Die Zirkuskünste sind mit der bekannten Zirkusschule „Le Lido“ und dem Proben- und Aufführungsort „ La grainerie“ eines der wichtigen kulturellen Aushängeschilder der Stadt. Mit Komik, Poesie und Artistik bringen die Künstler die Stadt zum vibrieren. Yaelle mischt ordentlich mit.

Vor 8 Jahren ist sie von Marseille nach Toulouse gekommen, wurde am Lido ausgebildet, ist selbst Zirkusartistin, Regisseurin mehrerer Zirkusproduktionen und Seiltanzlehrerin am Lido. Sie zeigt uns „La ville rose“, das in rotem Backstein gebaute Toulouse. Überhaupt ist Toulouse eine Stadt der Farben: hier wurde früher das blaue Pastell hergestellt und noch heute werden hier die „Violettes de Toulouse“, die violetten Veilchen von Toulouse kultiviert. Wir begleiten ihre Zirkusgruppe „Compagnies des Elles“ zum „Canal du midi“ – über dem Kanal zeigen sie uns ihre Zirkuskunst.

Sie lebt seit fast 25 Jahren in Toulouse, hat dort an der Kunstakademie studiert, ist Kulturmanagerin, Professorin für moderne Kunst, Foto- und Videokünstlerin und Präsidentin des „Festival Courtoise“ : Béatrice Utrilla. Wir begleiten sie zu ihrem Fotoprojekt in das Quartier des Mirail, dem muslimisch geprägten Ghetto der Stadt, wo sie Frauen portraitiert und in die edlen Hinterhöfe, in denen zeitgenössische Künstler ihre Werke präsentieren.

Und weil das Essen in Toulouse eine besondere Rolle spielt, lädt Koch Jerôme Navarre ins „Table d‘hôte“ , sein Restaurant im Gewölbekeller eines Gebäudes aus dem 16.Jht. und serviert das Cassoulet, Bohneneintopf mit Würstchen. In seinem Restaurant sitzen die Gäste an einer großen Tafel . Eine Sitte, die in Frankreich auf dem Land anzutreffen ist und jetzt auch in Toulouse boomt. Im Gewölbekeller stehen 2 lange Tische, hierum versammeln sich Richter und Arbeiter, Designer und Verkäuferin. Geschirr steht im Schrank, jeder nimmt sich, was er braucht. Es gibt ein Gericht - meist einfaches typisch französisches, manchmal typisch Toulouser Essen – wie bei „Omas Küche“. Von ihr, seiner Großmutter hat Jerome auch das Kochen gelernt.

Links:
Beide Touristenbüros bieten wertvolle Infos zu Toulouse und der gesammten Region (auf Französisch und Deutsch):
www.toulouse-tourisme.com
www.tourismus-midi-pyrenees.de

Link zur offiziellen Seite der Band ZEBDA (auf Französisch):
http://zebda.free.fr

Homepage der Zirkusgruppe „Compagnies des Elles“ von Yaelle Antoine (auf Französisch):
www.compagnie-d-elles.fr

Infos zum Festival Courtoise (auf Französisch):
www.pointdefuite.net


Sehen Sie hier das ungekürzte Interview mit den beiden Sängern Magid Cherfi und Mouss Amokrane der Gruppe ZEBDA (auf Französisch):


Autorin: Susanna Schürmanns

Erstellt: 25-06-12
Letzte Änderung: 17-09-12