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19/03/09

Metal Fantasy

Eine Reportage von Clément Mathon


Hier treffen sich Conan und die Hobbits zum Headbangen: Fantasy Metal öffnet die Pforten zu Parallelwelten.

Von Tolkien bis zu World of Warcraft

"World of Warcraft", das Online-Rollenspiel ermöglicht es 11 Millionen Spielern, in die schillernde Cyberhaut von Fantasy-Kreaturen zu schlüpfen. Angefangen hat alles 2001. Mit der Verfilmung des Tolkien-Klassikers “Der Herr der Ringe“ entdeckt die digitale Generation den Meister des Fantasyromans. Der 1892 im heutigen Südafrika geborene Brite wächst in der englischen Provinz auf. Mit zwölf wird er Vollwaise und landet in Birmingham, wo er die Schattenseiten der Industriellen Revolution kennen lernt. Der spätere Philologe geht in seiner Fortschrittsskepsis so weit, dass er sich weigert, in ein Auto zu steigen. Zwölf Jahre lang feilt Tolkien an „Der Herr der Ringe“, bevor er das Epos 1954 veröffentlicht. Darin erzählt er von Mittelerde, einer fiktiven Welt mit eigenen Völkern, Gesetzen und sogar Sprachen. 36 Jahre nach seinem Tod geht das Abenteuer weiter: In diesem Jahr werden Peter Jackson und Guillermo del Toro Tolkiens ersten Roman, “Der kleine Hobbit“, verfilmen.

Metal Fantasy

In den zwanziger Jahren verbreitet sich die Fantasy-Kultur dank Comics und so genannter Schundheftchen. Ohne diese Low-Budget-Literatur gäbe es heute weder Tarzan, noch Zorro oder Conan, den Barbaren. In den Achtzigern vertonen ein paar haarige Kerle mit Namen wie Manowar, Rhapsody on Fire oder der Kanadier Thor die Welt ihrer Superhelden: Fantasy Metal ist geboren! Doch das ist erst der Anfang. Die hundert Jahre alten Ausgeburten der Tolkienschen Fantasie verwandeln sich in Leinwand-Blockbuster, bevölkern die Gamewelt und inspirieren ihre Fans zu Live-Rollenspielen. Die Krönung folgt 2006: Fantasy Metal besteigt in Gestalt der Monsterbarden von Lordi den Eurovisions-Thron. Da bleibt so manchem die Salzbretzel im Hals stecken.

Das heidnische Festival Cernunnos

Für die Generation, die Tolkiens Legenden mit der Muttermilch aufgesogen hat, wird heute ein Märchen wahr: Mitten in Paris kreuzen Fantasiegeschöpfe aus ganz Europa die Klingen beim heidnischen Cernunnos-Festival, benannt nach dem gehörnten Gott der Gallier. Druiden, Hobbits, Hexen... romantisch wie ein Spaziergang in der Geisterbahn!

Die Bands...

Die acht Mitglieder von Folkstone haben sich 2005 zusammengetan. Sie kommen aus Bergamo am Fuße der italienischen Alpen und hauchen bei ihren Konzerten nicht nur dem Baghet, einer Art Ur-Dudelsack, neues Leben ein, sondern bringen auch die keltische Harfe zum Klingen. In ihrer Heimat haben die Italo-Barden eine kleine, Öko-Kommune gegründet, die "Briganti di montagna", zu deutsch Gebirgsräuber. Wie in der Lombardei des 15. Jahrhunderts verbringen sie ihre Tage im Freien und die Abende in der Taverne.

Turisas stammen aus dem 100 km von Helsinki entfernten Hämeenlinna. Für ihren Namen stand "Iku-Turso" Pate, der finnische Kriegsgott in Gestalt eines Riesenkraken. Nach zwölf Jahren kann die Fans skandinavischer Mythologie nichts mehr schockieren. Nicht einmal ihre eigene Version von Boney M.s Disco-Schlager über den ruchlosen Russen Rasputin.

Die Jungs von Dragonforce komponieren den Sound zu einem Videospiel. Die Multikulti-Metal-Boygroup, bestehend aus einem Chinesen, einem Ukrainer, einem Neuseeländer und einem Schotten, darf den Song für das letzte Level des Videogames Guitar Hero III liefern. Resultat: Eine halbe Million verkaufte Scheiben in nur sechs Monaten.

Die Band Waylander aus Nordirland verdankt ihren Namen dem Briten David Gemmell, einer Ikone der Fantasy-Literatur. Als die Band 1993 entsteht, sind irische Katholiken und Protestanten dabei, sich gegenseitig zu zerfleischen.
Ard Chieftain O'Hagan: "Die Lage war schlimm in Nordirland, mit all den Unruhen. Unsere Band ist gemischt: Halb von der einen, halb von der anderen Seite, wenn man das Seite nennen will. Deshalb mussten wir uns von Anfang an unsere eigene kleine Gesellschaft schaffen. Und in der quasi heidnischen Metal-Szene spielt die religiöse Spaltung Nordirlands keine Rolle. Jeder kommt mit jedem klar, während sich die Leute da draußen womöglich gegenseitig umbringen."

Ard Chieftain von Waylander nimmt die Fantsy-Sache sehr ernst. Im Rahmen seiner Studien wurde er zum Druiden, einem keltischen Priester, der als Verbindungsglied zwischen Menschen und Göttern fungiert.


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Samstag 14. März 2009 um 03.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2009, 52mn)
ARTE F

Erstellt: 12-03-09
Letzte Änderung: 19-03-09