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Kino auf ARTE - 26/09/11

Maskeraden

(Mascarades)
Spielfilm, Frankreich 2007, Originalfassung mit Untertiteln, ARTE F
Regie: Lyes Salem; Buch: Lyes Salem, Nathalie Saugeon; Kamera: Pierre Cottereau; Schnitt: Florence Ricard; Musik: Mathias Duplessy; Produzent: Isabelle Madelaine; Produktion: Dharamsala, Laith Media, ARTE France Cinéma
Mit: Lyes Salem - (Mounir), Sarah Reguieg - (Rym), Mohamed Bouchaib - (Khliffa), Rym Takoucht - (Habiba)

Ein Dorf irgendwo in Algerien. Hier lebt Mounir, von Beruf Gärtner, stolz und wichtigtuerisch. Sein größter Wunsch: Endlich die Anerkennung im Dorf bekommen, die er verdient. Der Haken an der Sache: seine an Narkolepsie erkrankte Schwester, die immer noch nicht unter der Haube ist und über die sich das ganze Dorf mokiert. Eines Nachts, völlig betrunken, verkündet Mounir auf dem Dorfplatz die Heirat seiner Schwester mit einem reichen Mann. Die Lüge bringt ungewollt Schwung in sein Familienleben.



Ein Dorf irgendwo in Algerien. Hier, wo jeder jeden kennt und die Familiengeschichten der Nachbarn interessanter sind als die eigenen, führt Mounir ein bescheidenes Leben als Gärtner. Doch der stolze Mann fühlt sich zu Wichtigerem berufen. Er sehnt sich nach Anerkennung durch die Dorfgemeinschaft, aber wie soll er die bekommen? Sein einziger Sohn ist noch zu jung, um ihm Ehre zu machen, und seine Schwester Rym, die er zwar aufrichtig liebt, leidet unter Narkolepsie. Das ganze Dorf macht sich über sie lustig. Während ein Mädchen nach dem anderen heiratet, ist Rym immer noch nicht unter der Haube.
Als Mounir eines Abends von seinem Sohn erfährt, dass die Leute wieder mal schlecht über seine Familie gesprochen haben, betrinkt er sich und verkündet anschließend nachts auf dem Dorfplatz die baldige Hochzeit seiner Schwester mit einem reichen Mann aus der Stadt. Was er nicht weiß: Sein Freund Khliffa und Rym sind seit vier Jahren heimlich ein Paar ...
Habiba, Mounirs Frau erkennt ihren Mann kaum wieder, der sich - geblendet vom Rampenlicht, in dem er plötzlich steht - in immer verhängnisvollere Lügen verstrickt. Sie macht es sich zur Aufgabe, die Geschichte um den imaginären Verlobten - sie nennen ihn William Vancooten - zu entschärfen und die Familie vor der Schande zu bewahren. Rym dagegen ist die Lüge ihres Bruders willkommen. Frustriert, weil Khliffa seit Jahren nicht den Mut aufbringt, um ihre Hand anzuhalten, schwärmt sie den Frauen im Dorf von ihrem "australischen Verehrer" vor und bereitet dem Chaos den Weg.
Für Mounir ist es jetzt höchste Zeit, seinen Stolz herunterzuschlucken und den Betrug irgendwie vor den Dorfbewohnern zu verbergen, die sich bereits allesamt in die Hochzeitsvorbereitungen einbringen. Und auch Khliffa muss endlich Mut beweisen und seinen Freund davon überzeugen, dass er der Richtige für Rym ist.

"Maskeraden" erzählt auf leichtfüßige und humorvolle Art vom Phänomen der Scheinheiligkeit zwischen Menschen und dem sozialen Spiel der damit verbunden Täuschungen. Der Regisseur Lyes Salem selbst bezeichnet seinen ersten Spielfilm als "[...] coup de pied salutaire dans une société conservatrice!", was soviel heißt wie "heilsamer Fußtritt in eine sehr konservative Gesellschaft". Für junge Menschen, hin und her gerissen zwischen Tradition und Moderne, soll der Film Identifikationspotenzial bieten und Tabus aufzeigen, wie beispielsweise das Thema der Liebe vor der Hochzeit. Auf politischer Ebene zielt er darauf ab, ein positives Bild dieses nordafrikanischen Landes zu zeichnen - ein Bild, in dem es keinen Platz für Viktimisierung und für die von westlichen Medien nur zu gern verbreiteten Negativklischees gibt. Als Allegorie für sein Heimatland Algerien kann die Rolle der Rym gelesen werden, gespielt von Sarah Reguieg: eine junge Frau im Spagat zwischen dem in archaischen Strukturen verhafteten Bruder und dem westlich orientierten Freund; eine junge Frau, gefangen im Schlaf, die nur darauf wartet, zu erwachen.
Lyes Salem, 1973 in Alger geboren, lebt seit dem 15. Lebensjahr mit seiner Familie in Paris. 1998 schloss er seine Schauspielausbildung ab und war in zahlreichen Rollen zu sehen, bis er 2001 erfolgreich seinen ersten Kurzfilm drehte: "Jean-Farès". Mit "Cousines" erhielt er 2005 den César für den besten Kurzfilm. Für seinen ersten Spielfilm schrieb er mit einer Ko-Autorin das Drehbuch, führte Regie und spielte die wunderbare Hauptrolle des übermütigen Mounirs.

Maskeraden
Donnerstag 13. Oktober 2011 um 03.05 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2007, 90mn)
ARTE F

Erstellt: 26-09-11
Letzte Änderung: 26-09-11