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Venedig 2005 - Offizieller Wettbewerb - 07/09/05

Mary

Ein Film von Abel Ferrara


Auseinandersetzung über
Maria Magdalena und Glaube an sich

Italien/Frankreich 2005, 83 Min.
Mit Juliette Binoche, Forest Whitaker, Matthew Modine, Heather Graham

Synopsis: Als der Film über das Leben von Jesus Christus abgedreht ist, will die Schauspielerin der Maria Magdalena (Juliette Binoche) nicht mehr zurück nach New York. Sie will stattdessen alleine nach Jerusalem reisen. Ein Jahr später wird der Regisseur des Films (Matthew Modine) in eine wichtige TV Show über das Leben Jesus Christus zu Ted Younger (Forest Whitaker) geladen, der grade selbst eine schwere persönliche Krise durchstehen muss.

Im Gespräch mit Forest Whitaker
Im Gespräch mit Abel Ferrara
Interview: Lionel Jullien
(Real Video)

Kritik: Abel Ferrara hat sich schon immer mit dem Thema Glauben auseinandergesetzt. Unvergesslich ist die Szene aus Bad Lieutenant (1992), in der Harvey Keitel - der einen korrupten Cop spielt - in einer Kirche zusammenbricht, tobend und gleichzeitig Gott verzweifelt anflehend. So inbrünstig kann man eine Szene wie diese nur dann inszenieren, wenn man sich mit dem Thema Glauben selbst intensiv beschäftigt.

In Amerika ist es nicht grade einfach, religiöse Filme zu realisieren, da die meisten Produktionen nicht an das Interesse des Publikums glauben. Vor wenigen Jahren zog der amerikanische Independentregisseur halb italienischer Abstammung nach Rom. MARY ist nun eine italienisch/französische Produktion, auch wenn Ferrara es nicht lassen konnte in New York zu drehen. „Einen Film wie MARY zu drehen ist wie den Everest zu erklimmen,“ sagt Produzent Fernando Sulichin, „Alles ist gegen dich.“ Ohne Glauben geht auch hier gar nichts. Mel Gibson ebnete mit seinem umstrittenen Film Die Passion Christi den steinigen Weg der Finanzierung. An seinen religiösen Film hatte niemand geglaubt – Gibson musste ihn selbst finanzieren und verleihen. Doch der überraschende Erfolg an der Kinokasse und die damit verbundenen „Passionsdollar“ wie Ferrara sie nennt, überzeugten einige Geldgeber, dass es einen Markt für religiöse Themen gibt.

Ferrara setzt sich in MARY auf verschiedenen Ebenen – die ineinander greifen - mit dem Thema auseinander, und genau da liegt auch das Problem des Films. Er zerfällt in viele Einzelteile, die das Interesse des Zuschauers nicht bis zum Ende halten können. Da gibt es einmal die Geschichte um den Regisseur Tony Childress, einen arroganten und unsympathischen Regisseur, der das Alter Ego Ferrara darstellen soll. Ferrara über ihn: „Er spielt einen Regisseur, bei dem sich jeder wünscht zu sein wie er. Ein arroganter Sack, dem alles egal ist.“ Nach dieser Beschreibung muss selbst Ferrara lachen. Dann gibt es die Geschichte der Schauspielerin Marie Palesie, gespielt von Juliette Binoche. Marie Palesie gelingt es nicht, ihre Rolle der Maria Magdalena hinter sich zu lassen, deshalb reist sie nach Jerusalem. Sie ist die einzige Hauptfigur im Film, die glaubt. Schon einmal hatte die französische Schauspielerin die Rolle der Maria Magdalena angeboten bekommen, aber der Film kam nie zustande. Binoche: „Dass dieser Charakter zum zweiten Mal an meine Tür klopfte kann kein Zufall gewesen sein...“. Ferrara versucht mit diesen Elementen eine Geschichte zu bauen, die er mit der TV Show über das „Wahre Leben Jesus Christus“ kombiniert. Er folgt dem Moderator Ted Younger (Forest Whitaker) nach Hause. Dessen Frau bekommt ein Kind, das krank auf die Welt kommt. Younger wird zum ersten Mal sein seinem Leben selbst mit dem Thema des Glaubens konfrontiert. Interviews mit Experten aus Youngers Sendung, etwa mit Jean-Yves Leloup, der die Gesänge der Maria Magdalena übersetzte, sind weitere Bausteine des Films. Einmal laufen im Hintergrund aktuelle Nachrichtenbilder - Schiessereien zwischen Israelis und Palästinensern - als Younger mit seiner Frau am Telefon streitet. Er bemerkt sie nicht einmal.

Die bemühte Verschachtelung der einzelnen Geschichten zu einem Ganzen funktioniert nicht. Der Independetregisseur regt sich etwa furchtbar auf, dass die gläubige Schauspielerin bei seinem Interview mit Younger am Telefon zugeschaltet wird. Den Zuschauer aber lässt dies alles ziemlich kalt – er kann auch nicht mitleiden mit Younger als dieser verzweifelt Gott darum bittet, sein Kind leben zu lassen – anders als damals in der Kirche, wo wir mit Leib und Seele mit Harvey Keitels verzweifeltem Flehen hofften.

Nana A.T. Rebhan


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Mary
Italien/Frankreich 2005, 83 Min.
Regie: Abel Ferrara
Mit Juliette Binoche, Forest Whitaker, Matthew Modine, Heather Graham
Venedig 2005 - Offizieller Wettbewerb

Erstellt: 30-08-05
Letzte Änderung: 07-09-05