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ARTE ist ein öffentlich-rechtlicher europäischer Kulturkanal, der sich an alle weltoffenen und neugierigen Bürger in Europa wendet, insbesondere in Frankreich (...)

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Ausstellung in der ARTE Zentrale - 05/10/11

Margret Eicher - Fliegende Teppiche

Vom 5. Oktober bis zum 5. Dezember 2011 ARTE - 4 quai du Chanoine Winterer - Strasbourg


„Dass die Tapisserie nicht nur Bild ist, sondern auch einen Raum definiert,
ist richtig, und dass das in höherem Masse als es bei einem gemalten Bild der Fall ist.“
Margret Eicher, Nothing is real, 2006





>> Zum Pressedossier (PDF)

Margret Eicher spielt mit der unerschöpflichsten Bilddatenbank, die es gibt: dem kollektiven Gedächtnis. Kunstwerke, die in den Kellergeschossen der Museen lagern, Presse- und Werbebilder, die großformatig das Stadtbild beherrschen – all das bildet das riesige und heterogene kollektive Gedächtnis, aus dem die Künstlerin ihre Bilder zusammenträgt; jedes davon ist ein vergänglicher und zugleich tiefgründiger Zeuge von dem, was Aktualität und Philosophie einer Epoche war:

„Ich glaube nicht, dass die Definition, die in der Werbung stattfindet, schwächer oder vorläufiger oder weniger verbindlich ist als in der historischen Malerei. Das, was in Renaissancebildnissen oder auch in Barockbildnissen über zeitgenössische Menschen ausgesagt wird, das kann man entsprechend heutiger Werbung auch entnehmen, und zwar kaum flacher oder weniger relevant.“

Margret Eicher sieht keinen qualitativen Unterschied zwischen den alten Bildern der Kunstgeschichte und den von den heutigen Medien verbreiteten Bildern. Ihre Art sie zu verknüpfen, ist eher „eine Brücke über die Zeit“.
Das Ziel ihres Werkes ist es, die traditionellen Tapisserien mit ihren mythologischen Darstellungen zu überdenken und auf diesem scheinbar überholten Bildträger moderne Ikonen der Massenmedien in Szene zu setzen. Margret Eicher verbindet Durch die Immaterialität der digitalen
Bilder mit der Stofflichkeit der Tapisserien und nutzt diesen Anachronismus ironisch. Sie markiert den zeitlichen Abstand und überbrückt ihn zugleich. Ihre Werke zitieren Themen des kollektiven Gedächtnisses und stellen sie in einen neuen Zusammenhang, damit sie anders wahrgenommen und interpretiert werden können. Die Künstlerin leiht sich die Bilder nicht nur aus, sie eignet sie sich an, sie selbst spricht gar von Diebstahl:

„Indem ich zitiere, ‚stehle’ ich die fremden Bilder. Ich will nicht ihnen gerecht werden, sondern ich verwende sie gemäß meiner Aussageabsicht und ich frage in der Tat nicht, ob das der ursprünglichen Konnotation entspricht. Es ist eine Aneignung zu hundert Prozent.“

Auf diese Art und Weise entstaubt, finden die Tapisserien zu ihrer ursprünglichen Funktion zurück und sind wieder Kommunikationsträger der Mächtigen, ein Instrument zur Verherrlichung der Mächtigen – kurz, einem gewissen Herrschaftsmodell dienend. Da drängt sich freilich der Vergleich mit den heutigen Massenmedien und den HD-Großbildschirme auf. Diese nicht weniger beeindruckenden und schillernden Emblemen einer nahezu feudalen Kommunikationsgesellschaft, in der eigene Kräfteverhältnisse herrschen, die ihre prägenden Weltbilder verbreiten und von den modernen „Majestäten“ aus Politik, Show-Business und Sport bevölkert sind.


http://www.margret-eicher.de/


Erstellt: 05-10-11
Letzte Änderung: 05-10-11