Loïc Prigent und Dominique Miceli haben einen Dokumentarfilm über Sie realisiert. Warum haben zum ersten Mal eine Kamera als Zeugin Ihres kreativen Schaffens zugelassen?Weil Dominique wie meine Mutter ist. Ich meine, sie ist eben nicht wie meine Mutter, denn dann würde ich ja nicht mit ihr reden. Sie ist unsagbar charmant und bezaubernd, und ihre Tochter ist für mich wie eine Schwester und beste Freundin zugleich. Ich konnte also darauf vertrauen, dass die Sache nicht unangenehm werden würde. Ich überlegte hin und her, ob ich mich darauf einlassen sollte, aber am Ende hatte ich ein gutes Gefühl mit den beiden. Loïc ist ein unheimlich intelligenter Mann, klug, findig und geistreich. Alles, was ich von ihm gelesen oder gesehen habe, hat mich überzeugt. Das Vertrauen auf sein künstlerisches Stilgefühl gab mir die Zuversicht, die ich brauchte, um mich zu öffnen.
Wie sind die Dreharbeiten verlaufen?In New York war es einfach, alle waren ganz entspannt. Mein Team in New York fühlte sich in Loïcs Gegenwart ausgesprochen wohl. In Paris war es etwas anders, die Gegebenheiten sind nicht die gleichen. Bei Vuitton herrscht, wie man in der Dokumentation sieht, eine ganz andere Atmosphäre als in dem New Yorker Loft in Soho. Nach einer Weile gewöhnten sich aber alle an die Kameras und auch an Loïc. Dominique kennen wir ohnehin aus dem Büro, daher war ihre Anwesenheit selbstverständlich. Überhaupt sind wir anpassungsfähig, und ich nehme es locker. Ich esse, ich trinke, ich tue, was ich tun muss, und kümmere mich – zumindest manchmal – nicht darum, was andere denken. Und ich rauche. Ich rauche viel!
Haben Sie den fertigen Dokumentarfilm schon angeschaut?Ja, er gefällt mir sehr. Er ist toll. Ich fühle mich sehr geehrt; der Film hat mich sehr bewegt und berührt. Ein wirklich merkwürdiges Gefühl. Ich habe ein gutes Gedächtnis und erinnere mich an viele Einzelheiten über Menschen und Ereignisse in der Modewelt, aber in Bezug auf mein eigenes Leben und meine eigene Arbeit vergesse ich sehr schnell, wie ich bin und wie ich mich verhalte. Und nun sah ich alles aufgezeichnet, meine Welt und mein Leben, hörte die Stimmen meiner Freunde, meiner engsten Gefährten. Das hat mich auf ganz wunderbare Weise erschüttert, tief bewegt und gefühlsmäßig stark berührt.
Haben Sie sich wiedererkannt?
Ja, unbedingt. Ich habe mich selbst gesehen, ohne Frage, es war nicht gestellt, das bin ich selbst.
Sie sind bekannter Weise ein Sammler von Kunst und in dem Film treten zahlreiche Künstler auf. Ist jemand darunter, den Sie zurzeit besonders bewundern?Ich bewundere viele Künstlerinnen und Künstler. Elizabeth Peyton ist in dem Film zu sehen, und Sofia Coppola. Beide sind große Künstlerinnen auf ganz unterschiedlichen Gebieten. Wie ich schon öfters sagte, bewundere ich Menschen mit einer Stimme, Menschen, die eine Stimme erschaffen und zugleich den Mut, die Kraft und den Willen haben, diese Stimme zum Ausdruck zu bringen. Zu dieser Art von Menschen fühle ich mich hingezogen.
Ist Paris für Sie nach wie vor die Hauptstadt der Mode?Mit romantischen Augen gesehen ist Paris die Hauptstadt der Mode. Für mich wird das Klischee von Paris als Hauptstadt der Mode niemals vergehen. Schließlich bin ich New Yorker. Nicht Amerikaner, sondern New Yorker. Ein New Yorker Modeschüler, der davon geträumt hat, eines Tages eine Show in Paris zu haben. Jetzt wohne ich in Paris, zeige meine Entwürfe in Paris, arbeite für die faszinierendsten Marken von Paris, vielleicht der ganzen Welt. Damit ist ein Traum Wirklichkeit geworden. Paris bedeutet mir alles. Paris ist Mode, Schönheit, Glamour und Romantik, einfach alles.
Würden Sie zusagen, wenn Dominique und Loïc auf die Idee kämen, Teil 2 zu drehen?
Eine Fortsetzung – jederzeit!
Das Interview im Video-Format (Originalfassung auf Englisch)






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