Mit Patrick Chesnais, Anne Cosigny, Georges Wilson, Cyril Coupon, Lionel Abelanski
Synopsis: Jean-Claude ist 50 Jahre alt. Sein Leben hat er ganz seinem Beruf gewidmet: Er ist Gerichtsvollzieher. Der schüchternen Francoise gelingt es jedoch, mit ihrem unwiderstehlichen, natürlichen Charme den emotionslosen Jean-Claude zu verzaubern und zu entflammen. Das erste Mal in seinem Leben ist er der Macht der Liebe und seiner eigenen Gefühle ausgeliefert.Kritik: Stéphane Brizé hat das ideale Umfeld für seine stille, poetische Liebesgeschichte gefunden. Im Tango treffen fließende, weiche Bewegungen auf zackige, rasche Schritte, und die sanfte Melancholie der Musik vereint die widerstrebenden Bewegungen zu einer einzigartigen und unnachahmlichen Einheit. Jean-Claude belegt einen Tangokurs, der ihn nicht nur das Tanzen, sondern das Leben lehren wird. Der Gerichtsvollzieher war stets Herr über seine Gefühle, die er tunlichst unterdrückte. Auf einmal gerät seine kleine geordnete Welt aus den Fugen, als Francoise auftaucht und seine Perspektive auf sein eigenes Leben verändert.
Auf einmal fühlt er – und stellt fest, dass er einsam und allein ist. Er entwickelt gar ein nie gekanntes Bedürfnis nach körperlicher Nähe. Dieses sucht sich hartnäckig seinen Weg, doch für Jean-Claude ist es mehr als schwer, ihm Ausdruck zu verleihen. Seine Gefühlsexplosionen vollziehen sich innerlich, äußerlich ist ihm nichts anzusehen. Hauptdarsteller Patrick Chesnais verkörpert Jean-Claude mit nahezu unbewegter Miene, in seiner Lethargie erinnert er an Bill Murray in Lost in Translation. Im Gesicht von Francoise dagegen lässt sich wie in einem Buch lesen - ein spannender Kontrast. Doch beide reden nicht gern, und so ist Man muss nicht liebenein Film der (unerwiderten) Blicke, die erstaunlich gut über 93 Minuten tragen. Man muss nicht lieben ist ein Film der leisen Töne. Er beginnt sehr unspektakulär und Veränderungen vollziehen sich nur langsam. Zu Beginn schleppt sich Jean-Claude eine Treppe hinauf, um sein Amt als Gerichtsvollzieher auszuüben. Er teilt einer jungen Frau mit, dass sie gepfändet würde und antwortet auf ihre flehende Bitte nach Aufschub der Räumungsfrist mit einem unbeteiligten „Das ist nicht mein Problem.“ Im Laufe der Handlung findet er mehr und mehr heraus, dass es durchaus Dinge gibt, die sein Problem sind. Langsam beginnt er, lange eingespielte Beziehungen zu ändern. So sagt er etwa seinem griesgrämigen und zynischen Vater, den er einmal in der Woche im Altersheim besucht, dass er keine Lust mehr darauf hat, sich von ihm ständig schlecht behandeln zu lassen.
Regisseur Stéphane Brizé arbeitet bisweilen mit einer sehr plakativen Symbolik. Jean-Claude besitzt einen Herzfehler, sein Sohn vergöttert grüne Pflanzen als Kontrast zum grauen Büro des Vaters, und der Tanzstundenbesuch ändert sein Leben. Aber dies schadet dennoch nicht der gelungenen Leichtigkeit dieses schönen Films, denn er weiß die Symbolik charmant zu nutzen. Brizé ist ein sehr leiser, eleganter Film gelungen, der auf fast schon märchenhafte Weise zeigen will, dass nichts unmöglich ist, und dass selbst ein gefühlloser Gerichtsvollzieher im besten Alter noch sein Herz entdecken kann. Nana A.T. Rebhan






per E-Mail verschicken
Lakonische Liebesgeschichte zwischen
Facebook
Twitter
RSS

