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Kino auf ARTE - 27/04/12

Maigret kennt kein Erbarmen

(Maigret et l'Affaire Saint-Fiacre)
Spielfilm, Frankreich, Italien, 1959, ARTE F, 97 Min.
Regie: Jean Delannoy, Drehbuch: Jean Delannoy, R. M. Arlaud, Autor: Jean Delannoy, nach der Novelle von Georges Simenon, Kamera: Louis Page, Musik: Jean Prodromidès, Schnitt: Henri Taverna, Produktion: Filmsonor, Cintel, Intermondia, Pretoria, Produzent: Jean-Paul Guibert, Robert Gascuel
Mit: Jean Gabin (Maigret), Michel Auclair (Maurice, Graf von Saint-Fiacre), Valentine Tessier (Gräfin von Saint-Fiacre), Robert Hirsch (Lucien Sabatier), Michel Vitold (Abbé Jodet), Paul Frankeur (Dr. Bouchardon)


Kommissar Maigret wird von einer alten Freundin um Hilfe gebeten. Die Gräfin von Saint-Fiacre hat einen anonymen Brief erhalten, der ihren Tod für den nächsten Tag, den Aschermittwoch, ankündigt. Und tatsächlich, beim morgendlichen Gottesdienst, bricht die Gräfin tot zusammen. Maigret hat es nicht verhindern können, umso unerbittlicher betreibt er die Ermittlungen. Verdächtige gibt es genug ...



Kommissar Maigret reist zum Schloss der Gräfin von Saint-Fiacre, wo er seine Kindheit verbracht hat. Die alte Dame hat einen anonymen Drohbrief erhalten, der für den nächsten Tag, den Aschermittwoch, ihren Tod voraussagt. Maigret gibt sich als Antiquitätenhändler aus, doch viel kann ihm Monsieur Sabatier, der Sekretär der Gräfin, nicht mehr anbieten. Das Schloss ist nahezu ausgeräumt. Sabatier hat die alten Möbel und Kunstwerke im Auftrag der Gräfin verkauft, um den aufwendigen Lebensstil ihres Sohnes zu finanzieren.
Am nächsten Morgen begibt sich die Gräfin zur Messe und bricht dort tot zusammen - ein Herzanfall, ein natürlicher Tod also? Maigret ist fest davon überzeugt, dass jemand nachgeholfen hat. Energisch betreibt er die Ermittlungen. Zunächst gibt es zwei Verdächtige. Sowohl Maurice, der leichtlebige Sohn der Gräfin, als auch Sabatier nutzten die Großzügigkeit der Gräfin schamlos aus. Doch da sind noch andere, die der weltfremden alten Dame übel mitgespielt haben. Kommissar Maigret lädt sie alle zu einem Abendessen ins Schloss ein, um ihnen ins Gewissen zu reden und den wahren Täter zu entlarven.

Der belgische Autor Georges Simenon (1903-1989) ließ seinen Inspektor Maigret von 1931 bis 1972 in 75 Romanen und 28 Erzählungen ermitteln. "L'Affaire Saint-Fiacre" ("Maigret und die Affäre Saint-Fiacre"), die Roman-Vorlage zu diesem Film, erschien 1932.
Auf seine unnachahmlich persönliche Art löst Inspektor Maigret auch diesen Fall wieder mit unkonventionellen Methoden, natürlicher Autorität und profunder Menschenkenntnis. Ein wenig Nostalgie darf dabei ruhig aufkommen. Jean Gabin (1904-1976) hat den Inspektor Maigret in nur drei Filmen verkörpert, "Kommissar Maigret stellt eine Falle" (1958), "Maigret kennt kein Erbarmen" (1959), beide von Jean Delannoy, und "Kommissar Maigret sieht rot" (1963) von Gilles Grangier. Dennoch sind seine Darstellungen inzwischen geradezu klassisch geworden. Kommissar Maigret wurde unter anderem in den 60er Jahren von Rupert Davies, in den 70er und 80er Jahren von Jean Richard und in den 90er Jahren von Bruno Cremer verkörpert.
Jean Gabin startete seine Karriere mit Rollen in Musicals und entwickelte sich dann zu einem vielseitigen Charakterdarsteller. "Seine Darstellung von Arbeitern und Außenseitern in Filmen von Julien Duvivier, Jean Renoir und Marcel Carné hat wesentlichen Anteil am Weltruhm des französischen Films zwischen den beiden Weltkriegen", schreibt das "Lexikon Filmschauspieler international". Nach dem Zweiten Weltkrieg brillierte er unter anderem in "Der Clan der Sizilianer" (1969) von Henri Verneuil und in "Die Katze" (1971) von Pierre Granier-Deferre, einer Simenon-Verfilmung. Für diese Rolle erhielt er 1971 bei der Berlinale den Silbernen Bären als bester Schauspieler. Außerdem wurde er zwei Mal als bester Schauspieler bei der Biennale von Venedig ausgezeichnet und erhielt 1987 posthum einen Ehren-César. Bis zu seinem Tod blieb er eine Institution des französischen Kinos.
Jean Delannoy, geboren 1908, realisierte zwischen 1934 und 1995 48 Filme. Er blieb zeit seines Lebens dem "klassischen" Erzählkino treu und wurde aus diesem Grund in den 60er Jahren zu einer Zielscheibe der Kritik von François Truffaut und anderen Autorenfilmern der Nouvelle Vague.

Maigret kennt kein Erbarmen
Mittwoch 23. Mai 2012 um 14.40 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, Italien, 1959, 97mn)
ARTE F

Erstellt: Fri Apr 27 15:11:02 CEST 2012
Letzte Änderung: Fri Apr 27 15:11:02 CEST 2012