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Dream - 04/07/12

Magnetic Fields

Mit den Magnetic Fields packt er die bittersten und ironischsten Texte in Synthie-Watte, legt sie ins melancholische Lo-Fi Bett und deckt sie mit warmen Multi-Instrumenten-Pop zu.

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Schon seit 1991 gibt es die Magnetic Fields. Der Einserschüler der Popmusik Stephin Merritt gründet die Band in New York, bevor er mit seinen Kollegen und -Innen nach Boston und an die Harvard- Uni geht. Die Slackerstudententage hat er gut genutzt, zitiert er sich in seinen Texten doch quer durch die Hochkultur, Popkultur und was es sonst noch so gibt. Hauptthema: natürlich die Liebe, die unerwiderte. Um seine Songs zu schreiben, hängt Merritt gerne in schummerigen Queer Bars herum. Und während um ihn herum der Discobeat bollert, denkt er sich ganze Konzeptalben über Dragqueens aus oder verarbeitet seine Erfahrungen mit Spießermoral, die er an einer katholischen Grundschule machen musste. Dann geht er nach Hause und spielt mit seinem Chihuahua, benannt nach der amerikanischen Songwriter-Legende Irving Berlin.Auf Interviews hat er oft nicht so richtig Lust. TRACKS lässt sich trotzdem nicht vergraulen und  trifft den Interviewschreck und seine Band zum Konzert in einer Kirche. Wo auch sonst.
Nach außen wirkt er wie ein Antiheld, doch für sein Publikum ist er DER Indiegott: Stephin Merritt und seine Band Magnetic Fields.
Doch auch der Indiegott muss mal auf die Erde. Da erwarten ihn qualvolle Interviews. Zur Beruhigung hat Stephin seinen Ohrwurm immer mit dabei:
 
Stephin Merritt
Die Melodie, die mir immer im Kopf rumgeht, ist die Bumble Bee Thunfisch Werbung von 1972. Das hört nie auf.
 
Wer hätte das gedacht! Eigentlich ist Stephin Merritt aber für seine eigenen Ohrwürmer bekannt. So wie Strange Powers von 1994. 
Das Dichterhirn unter den Popmusikern gründete die Magnetic Fields Ende der 80er, als er in Harvard studierte. Statt als Städtebauer Pläne zu kritzeln schreibt Stephin lieber Gedanken in sein Notizbuch. Und schmückt sie zu Kurzgeschichten aus. Und mit  Melodien.
 
Stephin Merritt
Das meiste, was ich schreibe,  ist furchtbar. An vieles  kann ich mich am nächsten Tag  nicht mehr erinnern. Also folge ich der ABBA-Theorie: wenn Du Dich selbst an die Melodie nicht mehr erinnern kannst, kann das auch kein anderer. Deshalb schreibe  ich die Melodien nicht auf.
 
Geboren wurde Stephin 1966. Seinen Vater, Folksänger Scott Fagan, hat er nie kennengelernt.  Mit seiner Mutter wohnte er in Kommunen, zog Dutzende Male um.
>> Web-Bonus: Magnetic Fields im Interview
Bei den Hippies war Friede, Freude Eierkuchen angesagt -  in der Schule sah's  anders aus:
 
Stephin Merritt
In jeder Schule war ich der kleinste. Ich war derjenige, ders von allen abbekommen hat. Aber meine Mutter war Lehrerin und ich hab es geschafft, dass ich zumindest in der Schule beschützt wurde. Mich wollten viele zusammenschlagen, aber sie haben's nicht geschafft. Ich war immer der Neue. Das macht Dich nicht sehr beliebt.
 
Die Songs schreibt Stephin immer allein. Auch wenn es sich nicht so anhört - am liebsten nachts unter der Discokugel in schummrigen Schwulenbars. Hier hängt er nächtelang herum.
 
Stephin Merritt
Simple Discomusic ist perfekt als Hintergrundmusik. Hip Hop ist zu einfach, es muss melodisch und bamm bamm bamm sein. Hip Hop ist zu einfach und die Drums sind zu interessant,  Disco Drums dagegen sind immer langweilig. Ich brauche einen durchgehenden Beat und eine ausdruckslose Melodie um all das auszulöschen, was schon in meinem Kopf ist . Nur so kann ich richtig denken.
 
Seine Abneigung gegenüber Hip Hop wurde zum Problem.  Mitte 2000 bezeichnen Zeitungskritiker Merritt als Snob und Rassist. Der Grund: Er hatte eine Liste mit Lieblingssongs  veröffentlicht – zu wenig schwarze Künstler sind darunter, beschwerten sich die weißen Kritiker.



Ohne sein Textbuch geht Stephin Merritt nirgendwohin. Darin enthalten: 100erte von Songs der Magnetic Fields. Und alle reimen sich. 
 
Stephin Merritt
Das Textbuch hier benutze ich auf der Bühne….weil ich mir bei einigen Songs den Text einfach nicht merken kann. z.B. Andrew in Drag. Der Grund, warum ich mir das nicht merken kann, ist: es gibt nur einen einzigen Reim im ganzen Song. Jede Zeile endet mit ag:
 
In dem Song geht’s um einen schwulen Mann der sich in eine Frau verknallt die eigentlich ein Mann ist, der aber nicht auf Männer steht. Ein typischer Magnetic Fields Text.
 
Stephin Merritt
Ich schreibe lieber Songs über andere Leute oder das, was die erleben weil sie viel unterhaltsamer sind als mein Leben. Die meisten Lieder handeln sowieso von zwischenmenschlichen Beziehungen und ich bin meistens allein, also würde es keinen Sinn machen, Songs über mein Leben zu schreiben.
 
Stephin, wir würden uns auch Geschichten aus Deinem Leben anhören.

Tracklist

Andrew in Drag – The Magnetic Fields (Domino Records)                                                                         
Strange Powers - TheMagnetic Fields (Domino Records)    
The Book of Love - The Magnetic Fields (Domino Records)                                                                             
Ban Marriage  -  The Hidden Cameras ( Rough Trade/ Indigo)                      
Quick – The Magnetic Fields (Domino Records)                                     
All my little Words - The Magnetic Fields  (Domino Records) 

Links

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Freitag 6. Juli 2012 um 01.30 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2012, 52mn)
BR

Erstellt: 22-06-12
Letzte Änderung: 04-07-12