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Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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04/09/02

Lushins Verteidigung

Kinostart 05. September 2002

LUSHINS VERTEIDIGUNG

Ein Film von Marleen Gorris
GB/ F 2000

Synopsis

Wir befinden uns in den späten zwanziger Jahren. LUSHINS VERTEIDIGUNG erzählt die Geschichte des weltfremden, exzentrischen und genialen russischen
Schach-Großmeisters Lushin, der nach Italien reist, um das Turnier seines Leben zu spielen, und dabei unerwartet seine große Liebe findet. Lushins einzigartige Begabung für Schach, die in seiner frühen Kindheit entdeckt wird, ist von der gescheiterten Ehe seiner Eltern überschattet worden. Doch gerade jene tiefe Schach-Leidenschaft wird seine Rückzugsmöglichkeit und hilft ihm, sich von der Realität weitgehendst abzuschotten.
Als Natalia, deren Mutter bereits den Comte de Stassard als standesgemäßen zukünftigen Ehemann für ihre Tochter auserkoren hat, Lushin in Italien begegnet, fühlt sie sich von dem unberechenbaren Genie angezogen. Ihre Liebe zeigt ihm einen Ausweg aus seiner Schach-Besessenheit.
Für diese reale Welt ist Lushin aber nicht geeignet, so dass das Kollidieren der unterschiedlichen Welten für Lushin tragisch endet.

Produktionsnotizen

LUSHINS VERTEIDIGUNG, basierend auf Vladimir Nabokovs gleichnamigem Roman, erzählt die Geschichte von dem genialen russischen Schachspieler Lushin und den Folgen von Liebe und Leidenschaft. Regisseurin Marleen Gorris, bekannt für ihren Oscar -prämierten Film Antonia’s Line (Antonias Welt, 1995), war von der Thematik wie von der klassischen Vorlage angetan:
„Es hat mich sehr interessiert, wie ein Mann nicht in der Lage ist, mit zwei Leidenschaften gleichzeitig zu leben. In meinen ersten vier Filmen habe ich das Drehbuch geschrieben und immer Regie geführt. Damit hatte ich auch schon alles gesagt, was ich zu sagen hatte – zumindest für den Augenblick. Danach wollte ich die Herausforderung eingehen, mit einer fremden Vorlage zu arbeiten, so wie in Mrs. Dalloway (Mrs. Dalloway, 1997). In erster Linie hat es mich bei LUSHINS VERTEIDIGUNG gereizt, aufzuzeigen, wie zwei Leidenschaften einen Mann regelrecht zerreißen können."

Die Produzenten Caroline Wood, Stephen Evans und Louis Becker trafen sich vor zwei Jahren, um Gorris den ersten Entwurf des Drehbuchs vorzustellen und über eine mögliche Zusammenarbeit zu sprechen. Gorris: „Es war eine schöne Erfahrung, mit Peter Berry (dem Drehbuchautoren) zu arbeiten. Unsere Zusammenarbeit war sehr stimulierend. Wie die meisten Werke von Nabokov, die in russischer Sprache verfasst sind, genießt „Lushins Verteidigung" nicht die Anerkennung, die es verdient. Peters Skript bereichert den Roman mit Details und Ereignissen, und so hat er ein faszinierendes Drehbuch geschrieben, das mich gleich beim ersten Lesen interessiert hat."

Vladimir Nabokov – russischer Schriftsteller von Weltruhm
Vladimir Nabokov wurde 1899 in St. Petersburg geboren und verließ Russland nach der Oktoberrevolution. Er verbrachte viel Zeit in Europa, insbesondere in Berlin, wo er bald als einer der bedeutendsten russischen Exil-Schriftsteller angesehen wurde. Der Roman „Lolita" brachte ihm weltweiten Ruhm und Anerkennung ein und etablierte ihn als einen der wichtigsten und originellsten Prosaschriftsteller des 20. Jahrhunderts. 1940 ging Nabokov mit seiner Familie nach Amerika, wo er in verschiedenen akademischen Positionen tätig war. Nabokov starb im Jahre 1977.

Kommentar

LUSHINS VERTEIDIGUNG ist eine der berühmten Ausnahmen der Regel. Normalerweise gelingen sogenannte Euro-Pudding Filme selten, denn bekannter weise verderben die vielen Köche den Brei. Dass es hier mal anders war, ist erfreulich. Die holländische Regisseurin Marleen Gorris (ANTONIAS WELT) hat nach dem gleichnamigen Roman des russischen Schriftstellers Vladimir Nabokov mit britischen, italienischen und amerikanischen Darstellern in Italien gedreht. Optisch ist der Film eine wahre Pracht und lässt die Atmosphäre der goldenen Zwanziger Jahre am Comer See erneut aufleben; die Villa, in der Luchino Visconti (TOD IN VENEDIG) aufwuchs, diente als Drehort. Dieses Ambiente hat wohl abgefärbt auf den Esprit des Films. John Turturro und Emily Watson geben ein hervorragendes Paar ab und Turturro zeichnet den weltfremden Schachgroßmeister Alexander Lushin bis ins kleinste Detail. Die Sympathie der Zuschauer kann er so im Flug gewinnen, denn jedermanns Herz schlägt gerne für geniale Außenseiter.

‚Die Mittelmäßigkeit freut sich über die Weltfremdheit des Genies’, hat mal ein kluger Mann gesagt, und da ist was wahres dran. So ist es denn schade, dass der Film nicht viel mehr als diese Botschaft mitzuteilen hat. Lushin gelingt es nicht, seine Leidenschaft Schach mit seiner aufkeimenden Liebe zu Natalia zu vereinbaren. Er scheitert. Und dann? Gelingt es dem Film leider nur noch zu erzählen, wie es der Dame gelingt, den König zu retten. An Nabokovs Vorlage liegt es nicht, dass sich die Geschichte vor allem an der Oberfläche abspielt; bei all dem prunkvollen Gold traut sich so mancher wohl nicht, daran zu kratzen um zu sehen, wie es drunter aussieht. Da helfen auch Rückblenden in die Kindheit von Lushin nicht weiter.

Nana A.T.Rebhan

Erstellt: 20-04-04
Letzte Änderung: 04-09-02