D, 2006, 82’
Berlinale 2006 - Forum
Synopsis: MAGGY (Kim Schnitzer) ist erst 18 Jahre alt und bereits Mutter einer kleinen Tochter - Lucy. Von dem gleichaltrigen Vater ihres Kindes lebt sie getrennt, bei ihrer Mutter (Feo Aladag) ist sie unglücklich und so stürzt sie sich in eine Beziehung mit dem 25-jährigen GORDON (Gordon Schmidt). Ihr neues Leben soll die alten Widersprüche lösen, doch das Familienglück ist nur von kurzer Dauer. 
Kim Schnitzer, über ihre Rolle in Lucy (Windows Media)
Kritik: Die junge Maggie hat ein Problem – ihre Freundinnen gehen aus, trinken, knutschen und verlieben sich in Discotheken, gehen noch zur Schule oder machen eine Ausbildung als Friseuse. Nur sie sitzt zwischen allen Stühlen – soll Verantwortung übernehmen für ihr Baby und eine Leben führen wie eine erwachsene Mutter. Doch davon ist Henner Wincklers Hauptfigur weit entfernt. Denn Maggie hat kein Ziel, keinen Traum, keinen Berufswunsch; das einzige, was sie weiß, ist – sie möchte sich amüsieren. Aber das geht nicht so einfach, wenn man vorher immer noch einen Babysitter finden muss.
Henner Winckler nimmt gegenüber seiner Protagonistin die Position eines neutralen Beobachters ein – er kommentiert oder unterstreicht nichts, noch nicht einmal musikalisch, sondern beobachtet die Protagonistin aus der respektvollen Distanz, beinahe wie ein Dokumentarfilmer. Zu Beginn ihres Projekts haben er und sein Co-Autor Stefan Krieghaus sich mit einigen Müttern unterhalten, die etwa im selben Alter waren. Aus diesen Gesprächen wurde zunächst die Hauptfigur mit den sie umgebenden Gegenständen, Vorlieben und Alltagsituationen geschaffen. Alltagssituationen, die dem Widerstreit der Gefühle jugendlicher Erwachsener so nahe als möglich kommen wollen, ohne durch aufgesetzte Emotionen und Dramatik dem Zuschauer den Weg zu weisen, ihm eine eindeutige und einengende Lesart anzubieten. In seinen schönsten Momenten fängt Winckler das Glück des jungen Verliebtseins ein, beim Eisessen, beim Grillen auf Gordons Hochhausbalkon oder beim Kauf einer Waschmaschine. Um wenige Momente später bereits auf seine Flüchtigkeit hinzuweisen – die Waschmaschine in Gordons Wohnung wird niemals angeschlossen werden und Maggie muss zurück zu ihrer Mutter nach Hause.
Um ein möglichst unverfälschtes, realistisches Porträt heranwachsender Jugendlicher ging es Henner Winckler bereits in seinem international viel beachteten Spielfilmdebüt „Klassenfahrt“. War es damals die Generation der 16-Jährigen, die Winckler auf eine Klassenfahrt nach Polen begleitete, sind diese Jugendlichen in seinem zweiten Spielfilm ein wenig erwachsener geworden. Da erscheint es logisch, dass Winckler einen Teil seiner damaligen Schauspieler auch in „Lucy“ auftreten lässt.Nicht immer glückt Winckler die sensible Balance zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Manchmal wirkt die junge Darstellerin trotz ihres eindrucksvollen Debüts überfordert von der Bandbreite der Emotionen, die sie in sich tragen soll. Auch das Verhältnis Maggies zu ihrer Mutter bleibt seltsam blass und unscharf, eine Leerstelle im ansonsten stimmigen Bild der Protagonistin. Doch am Ende bleibt ein sehenswerter Film, in dem Henner Wincklers Wille zur Reduktion, seine Fähigkeit, die ständig wechselnden Stimmungen und Emotionen seiner noch nicht gefestigten Figuren in unprätenziösen Bildern festzuhalten, in Erinnerung bleiben.
Martin Rosefeldt






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Wie sich eine gerade 18-jährige Mutter fühlt, die zwischen Pflichten und Träumen hin- und her gerissen ist, dass beschreibt der Regisseur Henner Winckler in seinem zweiten Spielfilm Lucy.
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