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KurzSchluss

"KurzSchluss - Das Magazin" zeigt die neuesten Kurzfilme aus aller Welt - und wirft einen Blick hinter die Kulissen: mit Porträts, Drehberichten, aktuellen Festival- und Filmtipps und vielen spannenden Interviews.

> Sendung vom Montag, 24. Juni 2002 > Loverfilm

24/06/02

Loverfilm

Eine unkontrollierte Freisetzung von Information
Autobiographischer Dokumentarfilm von Michael Brynntrup
Deutschland 1996, 22 Min

Buch: Michael Brynntrup
Kamera: Michael Brynntrup
Avidschnitt: Bodo Schlecht
Tonbearbeitung: Yref
Musik: Robert Henke, Dirk Schaefer, Falk vom Watt

Synopsis: Brynntrup benutzt die gesamte Länge dieses kontroversen Films um seine wirklichen und (oder) fiktiven Liebhaber der letzten zwanzig Jahre aufzulisten. In deren ungeheurer Anzahl wird der Einzelne meist nur mittels eines Datums und eines Fotos erfasst. Andere wiederum kommentiert Brynntrup lakonisch wie „Mein erster Schwarzer“ oder „Meine erste Tunte“. Zu Anderen wieder findet er persönlichere Worte. „Dieser Film verletzt die Privatsphäre der hier abgebildeten Personen“ erklärt der Regisseur zu Beginn und stellt es dem Publikum frei, daran teilzuhaben.

Der auf den ersten Blick eindimensionale „Loverfilm“, der laut Brynntrup eine zwangsläufige Entwicklung seines früheren Films „All you can eat“ darstellt, entfaltet bei genauerer Betrachtung Themen wie Voyeurismus und Exhibitionismus. Darüber hinaus stellt Brynntrup hierin die grundlegende Frage nach der Authentizität medialer Bilder.

Michel Brynntrup: „Ich bin interessiert am Diskurs zum Thema "Metafilm"; so versuche ich eine direkte Beziehung mit den Zuschauern aufzubauen, sie geistig miteinzubeziehen und anzusprechen, jenseits der filmischen Illusion. Und wenn ich dann z.B. selbst auftrete, mich konkret und quasi dokumentarisch ins Spiel bringe, auch dann geht es mir nur darum, zu hinterfragen, was überhaupt mit filmischen Mitteln gesagt werden kann, bzw. bewußt werden kann.“
„So gesehen ist der »Loverfilm« ein ganz privates Album, ein Fotoalbum, Filmalbum. Aber eigentlich geht's nicht um diese vordergründige Wirklichkeit. Es geht vielmehr um die Wahrheit hinter den Bildern. Wir leben ja gerade an der Schwelle zum sogenannten Informationszeitalter, Stichwort: Datenverarbeitung, und im »Loverfilm« hab' ich meine persönliche Geschichte sozusagen in Daten umgesetzt und daraus einen sehr strukturellen, seriellen, sachlichen Film gemacht, - der das eine zum anderen kommen läßt.“

„Eine tückische, selbstironische Reflektion über die Authentizität des filmischen Materials.“ (Stuttgarter Nachrichten, 13.01.98 - Adrienne Braun)

Bio-/Filmographie:
Michael Brynntrup ist 1959 geboren und lebt in Berlin. Neben dem Studium der Philosophie hat er sich ausgiebig dem Kurz- und Experimentalfilm gewidmet.

Regie (Auswahl):
- „EKG-X-Perm (Drei Selbstportraits in öffentlichen und künstlerischen
Medien)“, 21 Min., Deutschland 2002
- „Achtung – die Achtung“, 14 Min., Deutschland 2001
- „NETC.Etera – der Film zum Film“, 13 Min., Deutschland 2000
- „Tabu V (Wovon man nicht sprechen kann)“, 13 Min,. Deutschland 1998
- „Loverfilm (Eine unkontrollierte Freisetzung von Information)“, 22 Min., Deutschland 1996
- „Homo Erectus“, 77 Min., Deuschland 1996
- „Todesstreifen (ein deutscher Film) 9,30 Min. Deutschland 1995
- „Aide Mémoire (ein schwules Gedächtnisprotokoll), 16 Min, Deutschland 1995
- „All you can eat“, 5,30 Min., Deutschland 1993
- “Testosteron (TM W I Homo-Version), 7 Min., Deutschland 1990
- “Jesus-der Film”,125 (84) Min., Deutschland 1986
- „Handfest – freiwillige Selbstkontrolle“, 18 Min., Deutschland 1984
- „Der Rhein- ein deutsches Märchen“, 12 Min., Deutschland 1983
- „September, Wut, eine Reise“, 85 Min., Deutschland 1982

Erstellt: 05-05-04
Letzte Änderung: 24-06-02