Berlinale 2005 - Panorama - 17/02/05
Love + Hate
Ein Film von Dominic Savage
Der tiefe Graben des Hasses zwischen pakistanischen
und britischen Arbeitern, scheint für eine junge Liebe unüberwindbar.
Die Filme - Berlinale 2005
Synopsis: In einer nordenglischen Industriestadt sind die Konflikte zwischen den konservativen und fremdenfeindlichen Arbeiterfamilien und den pakistanischen Arbeitsemigranten traurige Alltagsrealität. Als Adam, eigentlich geprägt von den rassistischen Vorurteilen seiner Freunde und seiner Familie, sich in die schöne Naseema verliebt, die aus einer traditionellen muslimischen Familie stammt, wäre das schon schlimm genug für beide. Aber Naseemas strenger Bruder Yousif verliebt sich auch noch in eine junge, lebenslustige britische Kollegin von Naseema, und er genießt mit schlechtem Gewissen besonders die freizügige Sexualität mit ihr. Dann schlägt der Anführer aus Adams reaktionärer Clique einen pakistanischen Taxifahrer zusammen – Naseemas und Yousifs Vater – und die Dinge geraten zunehmend außer Kontrolle.
Kritik: In seinem Spielfilmdebut zeigt Dominic Savage, wie viel Hass und Fremdenangst sich - weit ab von multikulturellen Großstädten und aufgeklärten Mittelschichten - zwischen der alten und der neuen, zugewanderten Bevölkerung angesammelt hat. Am Arbeitsplatz arrangiert man sich, aber die scheinbar friedliche Koexistenz besteht nur aus einer sehr dünnen Oberfläche. Der Film zeigt aber auch, ganz ähnlich wie Ken Loach zuletzt in „Ae Fond Kiss“, dass es Gefühle gibt, die stärker sein können, als die ganzen idiotischen Vorurteile von Menschen, die sich hassen und bekämpfen, obwohl sie ja eigentlich fast nichts voneinander wissen.
Auch wenn das in dieser geradlinigen, direkten Geschichte manchmal etwas naiv-romantisch erscheint, und die psychologische Feinzeichnung zu wünschen übrig lässt, ist „Love + Hate“ doch ein beeindruckender Film, besonders durch die unverbrauchten, authentischen Schauspieler und die Milieutreue.
Yousif schickt seine Freundin entgegen den eigenen Gefühlen am Ende weg, aber Naseema und Adam beschließen, zusammen nach London zu gehen und es mit der Liebe zu probieren. Kein Happy-end, der Preis für das kleine Glück ist viel zu hoch, aber ein schönes Bild dafür, dass die ewig Gestrigen, die Orthodoxen und Fundamentalisten, egal woher sie kommen, nicht mehr über das Leben anderer zu bestimmen haben. Sie werden lernen müssen, dass Toleranz keine Einbahnstraße sein kann, und das ein freies und selbst bestimmtes Leben keineswegs mit dem Verlust von kultureller oder religiöser Identität verbunden sein muss. Vielleicht könnten solche Filme doch ein wenig dazu beitragen, wenn sie in die großen Kinos kämen, und nicht nur von den sowieso schon Bekehrten gesehen würden.
Thomas Neuhauser
Love + Hate
Regie : Dominic Savage
(Großbritanien, 2004, 83 min.)
Darsteller : Samina Awan, Tom Hudson, Nichola Burley, Wasim Zakir, Dean Andrews
Erstellt: 16-02-05
Letzte Änderung: 17-02-05