Kritik: Julian Schnabel hat mit LOU REED'S BERLIN einen Dokumentarfilm geschaffen, der durch sein Konzept und seine Intimität besticht. Der Künstler Julian Schnabel ist ein alter Freund des Musikers, und so kam es, dass dieser ihn das Bühnenbild für seinen Live-Auftritt gestalten ließ. Tochter Lola Schnabel drehte einen stummen Film, der auf die Bühne projiziert wurde und in einigen Momenten von LOU REED'S BERLIN die komplette visuelle Ebene übernimmt. Ihr Film erzählt die Geschichte des Liebespaares Caroline und Jim im noch getrennten Berlin der 80erJahre. Der 12-teilige Liederzyklus beschreibt die Liebe, die Drogenexzesse, die Gewalt, die dem Paar widerfährt, bis hin zum Selbstmord Carolines. Emmanuelle Seigner übernahm bereits die Hauptrolle in Schnabels vierfach Oscar nominiertem Film SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE (2007). Hier spielt sie die schöne und exzessiv lebende Caroline, der schließlich vom Staat die Kinder weggenommen werden, weil sie drogenabhängig ist.
Lou Reed hat die Stimme von Jim übernommen und widmet der Geschichte des Liebespaares eines seiner heute meist geschätzten Alben. Regisseur Julian Schnabel gesteht, dass "Berlin" stets so etwas wie der "Soundtrack seines Lebens" gewesen sei, und man mag bei so einer Aussage lieber nicht so genau nachfragen, wie er das denn meint. Heute wie damals hat die Musik nichts von ihrer Attraktivität verloren. Lou Reed kehrt zu dem ruhigen und coolen Sprechgesang zurück, der einst zu seinem Markenzeichen wurde. Ergänzt wird der Held bei einigen Episoden von einem 12-köpfigen Mädchenchor aus Brooklyn, der dem dämonischen, von destruktiven Fantasien beherrschten Treiben etwas Engelhaftes verleiht.

Großbritannien/USA 2007, 78 Min.
Regie: Julian Schnabel
Mit Lou Reed, Antony, Sharon Jones, Emmanuelle Seigner

LOU REED'S BERLIN ist unvergessliches Dokument dieser gelungenen Anstrengung. Lou Reed empfiehlt, den Film möglichst laut zu spielen, er soll so laut sein, wie es ein Konzert auch wäre.
Nana A.T. Rebhan





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