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Kino auf ARTE - 09/07/12

Little Voice - Die Stimme ihres Lebens

(Little Voice)
Spielfilm, USA, Großbritannien, 1998, ZDF, 93 Min.
Regie: Mark Herman, Drehbuch: Mark Herman, nach "The Rise and Fall of Little Voice" von Jim Cartwright, Kamera: Andy Collins, Musik: John Altman, Schnitt: Michael Ellis, Produktion: Miramax Films, Scala Productions, Produzent: Elisabeth Karlsen, Laurie Borg, Nik Powell, Stephen Woolley
Mit: Jane Horrocks (L.V./Laura), Brenda Blethyn (Mari Hoff), Michael Caine (Ray Say), Ewan McGregor (Billy), Jim Broadbent (Mr. Boo), Philip Jackson (George), Annette Badland (Sadie)

Laura, von allen "L.V." genannt, hat sich seit dem Tod ihres Vaters in eine Traumwelt zurückgezogen. In nächtlichen Momenten der Einsamkeit und Trauer singt sie die großen Hits bekannter Musikgrößen perfekt nach. Die junge Frau soll vom Teilzeit-Liebhaber ihrer dominanten Mutter, einem Möchtegern der Show-Welt, zum Gesangsstar aufgebaut werden. Doch das Musiktalent hat andere Pläne und andere Prioritäten ...



Die schüchterne L.V. lebt bei ihrer vulgären, launischen Mutter Mari. In Erinnerung an ihren warmherzigen Vater singt das Mädchen in einsamen Momenten die Lieder großer Diven wie Judy Garland, Marilyn Monroe und Shirley Bassey.
Eines Abends wird sie von einem der ständig wechselnden Freunde ihrer Mutter gehört, einem selbsternannten Talentsucher mit Namen Ray Say, der die bemerkenswerten Fähigkeiten von L.V. erkennt und darin die Chance sieht, sein eigenes Leben mit langersehntem späten Ruhm zu versehen. Doch nach ersten Erfolgen spielt L.V. das Spiel nicht mehr mit. Statt auf der Bühne findet sie ihr Glück in dem braven Telefoninstallateur und Taubenhalter Billy.


Mark Hermans dritte Regiearbeit steht in der Tradition des proletarischen Films und ist ein sympathisches Stück "British Cinema": eine unterhaltsame Geschichte mit Seitenhieben auf das Showbiz, eine Tragikomödie über die schäbige Selbstzentriertheit der Menschen und ein Plädoyer für das private Glück der "kleinen Leute".
Im Humor bisweilen etwas derb geraten - durchaus verstärkt durch die deutsche Synchronisation - punktet der Film mit spielfreudigen, überzeugenden Hauptdarstellern, bekannten und beliebten britischen Schauspielern: Brenda Blethyn, Michael Caine, Ewan McGregor, Jim Broadbent.
Als überdrehte, schlampige Mutter gibt Brenda Blethyn eine beeindruckende Vorstellung; eitel, selbstsüchtig und oberflächlich ist diese Mari, doch letztlich derart nachvollziehbar angelegt, mit einem verletzlichen Kern unter der rauen Schale, dass man der Filmfigur am Ende alle Vulgaritäten und Schwächen verzeiht.
Michael Caine gewann einen Golden Globe für seine Rolle als abgetakelter Talentsucher. Hauptdarstellerin Jane Horrocks hatte bereits in der ursprünglichen Bühnenfassung Erfolge gefeiert. Das Publikum in London und die Kritiker waren entzückt von ihrer Darstellung der ätherisch-verhuschten Tochter - und ihrer gar nicht so "kleinen Stimme". Wie im Theater, wo sie unter der Regie von Neu-James-Bond-Filmer Sam Mendes spielte, übernahm Horrocks ihre Gesangparts auch im Film, eine Aufgabe, die sie mit Bravour meisterte.
"Little Voice" ist ein Film abseits von Kitsch und Gefühlsduselei, ein Film, der geradezu übersprudelt vor "Music-driven Nostalgia". Das Publikum der Berlinale 1999 feierte ihn mit stehenden Ovationen.
"Ein mitunter zwar recht derber Film, der indes vom überzeugenden Spiel seiner Hauptdarsteller lebt. Subtil geht die abwechslungsreiche Kameraarbeit auf die Charaktere der Protagonisten ein. Das inszenatorische Fingerspitzengefühl des Films entschädigt für einige dramaturgische Plattheiten." (film-dienst)

Little Voice - Die Stimme ihres Lebens
Montag 6. August 2012 um 02.25 Uhr
Keine Wiederholungen
(USA, Großbritannien, 1998, 93mn)
ZDF

Erstellt: 09-07-12
Letzte Änderung: 09-07-12