Schriftgröße: + -
Home > Film > Rainer Werner Fassbinder > Das Programm > Spielfilme > Liebe ist kälter als der Tod

Rainer Werner Fassbinder

Klicken Sie hier, um zum Dossier zu gelangen.

Rainer Werner Fassbinder

Montag, 25. Juni 2012 um 22.30 Uhr - Filmreihe zum 30. Todestag Rainer Werner Fassbinders - 19/06/12

Liebe ist kälter als der Tod

In den Maschen eines Münchner Gangstersyndikats zappeln der kleine Zuhälter Franz und die Prostituierte Joanna, die er liebt. Der abgebrühte Kriminelle Bruno soll Franz für eine Laufbahn als Schwerverbrecher gefügig machen. Das Mädchen will Franz jedoch vor Schlimmerem bewahren und verrät einen geplanten Banküberfall an die Polizei.

Previous imageNext image
Franz, ein kleiner Zuhälter, weigert sich, für ein Verbrechersyndikat zu arbeiten. Daraufhin engagiert das Syndikat den eiskalten Kriminellen Bruno, der Verbrechen für seine Auftraggeber begeht und sich Franz anhängt. Auf diese Weise soll Franz zur Zusammenarbeit bewegt werden. Franz dagegen ahnt nichts und freundet sich mit Bruno an. Er ist sogar bereit, seine Freundin Joanna, die für ihn als Prostituierte arbeitet, mit ihm zu teilen. Bruno schreckt weder vor Gewalt noch vor Mord zurück. Seine Skrupellosigkeit beunruhigt Joanna.

Als Bruno und Franz einen gemeinsamen Überfall planen, verrät Joanna sie an die Polizei, die die Beiden bei der Bank schon erwartet. Beim Versuch, sich mit der Maschinenpistole den Weg freizuschießen, stirbt Bruno im Kugelhagel der Polizei. Franz und Joanna gelingt die Flucht – in eine ungewisse Zukunft.

Rainer Werner Fassbinders Regiedebüt „Liebe ist kälter als der Tod“ ist oft mit den unterkühlten Gangsterballaden Melvilles in Verbindung gebracht worden. Manche sahen in dem Hut, den Ulli Lommel trägt, eine Referenz an Alain Delons Kopfbedeckung in Melvilles „Eiskalten Engel“. Der 23-jährige Fassbinder jedoch kannte Melvilles Klassiker noch nicht, den Hut hatte sich Lommel selbst ausgesucht.

Zum Zeitpunkt der Entstehung des Drehbuchs war Fassbinders Heimat immer noch das Theater. Er hegte aber durchaus eine Vorliebe für das Genre des Gangsterfilms und war gemeinsam mit seinen „antiteater“-Kollegen offen für Anregungen filmischer Vorbilder wie Godard oder Straub, von dem er sogar eine nicht verwendete Einstellung aus dessen Film „Der Bräutigam, die Komödiantin und der Zuhälter“ übernahm.

Fassbinder drehte an Originalschauplätzen. Die Tristesse der Münchner Vorstadt, die Kargheit der Ausstattung, der insistierende Blick der Kamera, mit schier traumwandlerischer Sicherheit gelingt dem Debütanten Fassbinder eine bei aller Stilisierung zutiefst bewegende Geschichte über die Suche nach Identität, über Einsamkeit und Ausweglosigkeit tragischer Figuren. „Was übrig bleibt, wenn man diesen Film gesehen hat, das ist nicht, dass hier jemand sechs Leute ermordet hat, dass es hier ein paar Tote gegeben hat, sondern dass hier arme Leute waren, die nichts mit sich anfangen konnten, die einfach so hingesetzt wurden, wie sie sind, und denen keine Möglichkeit gegeben wurde – die einfach keine haben.“

In der Rolle der Joanna weiß eine junge Schauspielerin zu überzeugen, die danach in fast allen Filmen und Theaterstücken Fassbinders mitwirken wird und „ihrem“ Regisseur eine Weltkarriere verdankt: Hanna Schygulla ist Mitglied des 1968 von Fassbinder gegründeten „antiteaters“, das als Gegenstück zum Staatstheater fungieren soll und dem neben Fassbinder selbst Ingrid Caven, Doris Mattes und Hans Hirschmüller als weitere Mitglieder angehören.

Der Film erhielt beim „Deutschen Filmpreis“ 1970 in zwei Kategorien das Filmband in Gold. Zum einen wurde Dietrich Lohmann in der Kategorie „Kameraführung“ ausgezeichnet, zum anderen das „antiteater-Ensemble“ in der Kategorie „Darstellerische Leistung“.

MELDUNGEN UND REZENSIONEN


Stimmen aus dem Netz

WISSENSWERTES


Weiterführende Links

..................................................
Liebe ist kälter als der Tod
Spielfilm, Deutschland 1969
84 Min., Schwarzweiß
Deutsche Originalfassung
Regie: Rainer Werner Fassbinder
Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder
Kamera: Dietrich Lohmann
Musik: Peer Raben, Holger Münzer
Schnitt: Franz Walsch
Produktion: antiteater-X-Film
Produzenten: Peer Raben, Holger Münzer
Ausstattung: Ulli Lommel, Rainer Werner Fassbinder

Besetzung:
Ulli Lommel (Bruno)
Hanna Schygulla (Joanna)
Rainer Werner Fassbinder (Franz)
Hans Hirschmüller (Peter)
Katrin Schaake (Dame im Zug)
Peter Berling (Schuster)
Hannes Gromball (Kunde bei Joanna)
Gisela Otto (1. Prostituierte)
Ingrid Caven (2. Prostituierte)
Ursula Strätz (3. Prostituierte)
Irm Hermann (Sonnenbrillenverkäuferin)
Les Olvides (Georges)
Wil Rabenbauer [d.i. Peer Raben] (Jürgen)
Peter Moland (Leiter des Syndikatverhörs)
Anastassios Karalas (der Türke)
Rudolf Waldemar Brem (Motorradpolizist)
Yaak Karsunke (Kommissar)
Monika Stadler [d.i. Monika Nüchtern] (Mädchen)
Kurt Raab (Aufsichtsperson im Kaufhaus)
Thomas Hill (Wärter)
Liz Söllner (Zeitungsverkäuferin)
Howard Gaines (Raoul)
Franz Maron (1. Polizist)
Gottfried Hüngsberg (2. Polizist)
Wolfgang Gmoch (3. Polizist)

Liebe ist kälter als der Tod
Montag 25. Juni 2012 um 22.30 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 1969, 85mn)
ZDF

Erstellt: Sun Apr 29 12:00:00 CEST 2012
Letzte Änderung: Tue Jun 19 11:58:04 CEST 2012