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Kino auf ARTE - 16/02/12

Liebe auf der Flucht

Spielfilm, Frankreich, 1978, ARTE F
Regie: François Truffaut, Autor: Marie-France Pisier, François Truffaut, Suzanne Schiffman, Jean Aurel, Kamera: Nestor Almendros, Musik: Georges Delerue, Schnitt: Martine Barraqué, Produktion: Les Films du Carrosse, Produzent: François Truffaut
Mit: Jean-Pierre Léaud (Antoine Doinel), Marie-France Pisier (Colette), Claude Jade (Christine Doinel), Dani (Liliane), Dorothée (Sabine), Julien Bertheau (Herr Lucien), Julien Dubois (Alphonse Doinel)

Der Mitdreißiger Antoine Doinel ist ein erfolgloser Romancier, der kurz vor der Scheidung von seiner einstigen Jugendliebe Christine steht. Der Termin beim Scheidungsrichter gibt Antoine Anlass über seine Ehe und deren Höhen und Tiefen nachzudenken. Als er unerwartet den Geliebten seiner verstorbenen Mutter wieder trifft, wird er auch mit den Erinnerungen seiner Kindheit konfrontiert.



Der Mittdreißiger Antoine Doinel arbeitet in einer Druckerei und hat bereits seine in einem vermeintlich fiktiven Roman verpackte Memoiren veröffentlicht. Der große Erfolg blieb dennoch leider aus. Auch privat steht es für den erfolglosen Romancier nicht zum Besten: Er steht kurz vor der Scheidung von seiner einstigen Jugendliebe Christine. Obwohl die beiden noch befreundet sind und er sogar schon eine neue Freundin hat, die hübsche Plattenverkäuferin Sabine, scheint der rastlose Antoine trotzdem noch nicht glücklich zu sein. Auch Freundin Sabine reißt bald die Geduld, da sie es satt hat, von ihm vor seinem jungen Sohn Alphonse geheim gehalten zu werden.
Der Termin beim Scheidungsrichter gibt dem wankelmütigen Antoine Anlass über seine Ehe und deren Höhen und Tiefen nachzudenken. Als er seinen Sohn wenig später zum Bahnhof bringt, begegnet er unerwartet seinem ersten Schwarm Colette, was Erinnerungen an seine Jugend wachruft. Durch Zufall trifft er auch Herrn Lucien, den Geliebten seiner verstorbenen Mutter, wieder, was ihn mit den unangenehmen Erinnerungen seiner Kindheit konfrontiert und ihm schließlich die Gewissheit gibt, dass er mit Sabine zusammen sein will.

"Liebe auf der Flucht" ist der fünfte und letzte Teil der Chronik der von Truffaut erdachten Filmfigur Antoine Doinel, der in "Sie küssten und sie schlugen ihn" (1959) seinen ersten Auftritt hatte. Nachdem das Publikum im ersten Film seine Kindheit, danach in "Antoine und Colette" (1962) seine Jugend, sein Heranreifen in "Geraubte Küsse" (1968) und sein Eheleben in "Tisch und Bett" (1970) verfolgen konnte, wird nun im finalen Akt seine Reflexion über sein bisheriges Leben erzählt. Dabei ist die Scheidung von seiner Jugendliebe Christine, gespielt von Claude Jade, Auslöser für Rückblenden und Erinnerungen an die schönen und weniger schönen Momente seiner Ehe. Die Begegnung mit dem einstigen Geliebten seiner verstorbenen Mutter ruft Erinnerungen an seine Kindheit wach. Als er durch Zufall auch noch seinen Jugendschwarm Colette trifft, kommen alle entscheidenden Handlungsmotive und -figuren aus seinen fünf Lebensphasen zusammen. Mit Hilfe von Rückblenden, die aus Filmausschnitten aus den vorigen Filmen bestehen, fügt François Truffaut alle Puzzleteile des Lebens seiner Filmfigur zu einem großen Ganzen und beschert ihm die Gewissheit, die der rastlose und wankelmütige Antoine in den bisherigen Filmen immer missen ließ. Mit der Entscheidung bei Sabine zu bleiben, lässt Truffaut seine suchende Filmfigur Antoine endlich zur Ruhe kommen.
Zum Stammschauspieler François Truffauts geworden, verkörpert Jean-Pierre Léaud mit seiner fahrigen Schlaksigkeit perfekt den jungen Großstädter Antoine. Die autobiografisch inspirierte Filmfigur und deren Geschichte verschaffte Truffaut 1959 den Durchbruch und etablierte ihn als Regi sseur der Nouvelle Vague.
Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte Schauspieler Léaud in "Die Mama und die Hure" (1973) von Jean Eustache und auch für Nouvelle Vague-Größe Jean-Luc Godard stand Léaud mehrmals vor der Kamera.

Liebe auf der Flucht
Montag 27. Februar 2012 um 15.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 1978, 91mn)
ARTE F

Erstellt: 16-02-12
Letzte Änderung: 16-02-12