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> > Kuba: Welche Rolle spielt die Kirche in Kuba? Wird der Papstbesuch den Kubanern mehr Freiheiten bringen?

ARTE Journal - 27/03/12

"Libertad" durch den Papst?

Drei Tage bleibt Benedikt XVI. in Kuba, zwei große Messen wird er in der südöstlichen Stadt Santiago de Cuba und in der Hauptstadt Havanna feiern. Außerdem wird er Raúl Castro, den Nachfolger und Bruder des langjährigen Staatschef Fidel Castro treffen. Gespräche mit Regimekritikern stehen nicht auf seinem Programm.

Der Ruf nach "Libertad" ist der Resignation und Frustration gewichen. Nur wenige erhoffen sich einen Wandel durch den Papstbesuch. So viele Reformen hatte das Castro-Regime angekündigt, wenig davon umgesetzt. Immerhin: Als Geste des guten Willens hatte Präsident Raúl Castro schon an Weihnachten eine Amnestie für fast 3000 Häftlinge angekündigt, die Begnadigung hatte die katholische Kirche lange gefordert. Eine der wenigen Katholiken hoffen, dass Papst Benedikt XVI zumindest klare Worte findet. Schon 1984 hatte dieser massiv die politischen Verhältnisse in Kuba kritisiert.

Unerwünschte "Damas de Blanco"


Die Anfrage der "Damas de Blanco" nur eine Minute mit dem Papst zu sprechen wurde abgelehnt. Jeden Sonntag treffen sich die ganz in weiß gekleideten Frauen nach der Messe zu einem Protestmarsch, um unter anderem die Freilassung politischer Häftlinge zu fordern. Gegründet hatte sich die Gruppe im so genannten Schwarzen Frühling (La Primavera Negra) im Jahr 2003, nach der Festnahme und Verurteilung von 75 Regimekritikern. Am vergangenen Sonntag, den 18. März nun wurden sie forderten Sicherheitskräfte sie auf ihre wöchentliche Protestaktion aufzugeben. Dutzende der Frauen wurden festgenommen, mittlerweile sind sie aber wieder auf freiem Fuß.Trotz der Repressionen wollen die Frauen versuchen die Papst-Messe zu besuchen. Amnesty International beklagt, die kommunistische Führung sei im Vorfeld des Besuchs auch gegen andere Aktivisten vorgegangen. Journalisten, Blogger, Regierungsgegner und Menschenrechtsaktivisten wurden eingesperrt.

"Kuba wird sich der Welt öffnen und die Welt wird sich Kuba öffnen"


Diese zentralen Worte sind von dem historischen Besuch von Johannes Paul II. in Erinnerung geblieben. Seine Reise hatte bei vielen Kubanern 1998 die Hoffnung geweckt jetzt könnte sich tatsächlich etwas ändern. Zum ersten Mal überhaupt besuchte ein Papst den Karibikstaat. Im Januar feierte Johannes Paul II. auf dem Revolutionsplatz in Havanna eine Messe. 350.000 Menschen waren gekommen. Der Papst benutzte mehr als ein Dutzende Male das Wort "Freiheit". Während er für Milde für politische Gefangene plädierte, die unterdrückte Meinungsfreiheit kritisierte und Reformen anmahnte, kritisierte er gleichzeitig das US-Embargo gegen Kuba. Der Empfang des Papstes wurde als Eingeständnis des Regimes verstanden, dass der Glauben im kubanischen Sozialismus nicht ausgeschlossen ist.

Die Castro-Brüder und die katholische Kirche


Mit seinem Besuch stiess der Papst eine Versöhnung zwischen der katholischen Kirche und dem Staat an. Nach dem Sieg der Revolutionäre 1959 wurde die Kirche und Gläubige unterdrückt. Der kirchliche Landbesitz, katholische Schulen und Weisenheime wurden verstaatlicht, kirchliche Aktivitäten überwacht. Viele Priester wurden als politische Gegner ins Arbeitslager gesteckt. Erst in den 80er Jahren kam es zu einer ersten Annäherung. Kuba stand vor dem Bankrott, 1989 war der Ostblock zusammengebrochen. Beides zwang die Castro-Brüder zu zarten Liberalisierungsmaßnahmen und dazu, kirchliche Hilfsorganisationen zuzulassen. Bis heute ist die Caritas Cuba die einzige anerkannte NGO. Nach dem Papstbesuch von Johannes Paul II. liess Fidel Castro den einst verbotenen Weihnachtsfeiertag wieder zu. 2011 schließlich entschuldigte sich Raúl Castro bei den Katholiken.

Mittlerweile ermutigt die Kirche die kubanischen Machthaber zu mehr Reformen. Der kubanische Kardinal Jaime Ortega und Raúl Castro pflegen gute Beziehungen. Heute fordert die Kirche eine wirtschaftliche Öffnung und das Recht auf freie Meinungsäußerung ein. Bei der Freilassung von Dissidenten seit 2010 spielte die Kirche eine Schlüsselrolle. Es war eine der größten Amnestien der letzten Jahre und Raúl Castro dankte der Kirche ausdrücklich für ihr humanitäres Engagement.

Rebecca Donauer für ARTE Journal mit dpa und afp

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Erstellt: 25-03-12
Letzte Änderung: 27-03-12