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Der Film des Tages - 9. Februar - 11/02/12

"Leb wohl, meine Königin!"

Ein Film von Benoît Jacquot


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"Leb wohl, meine Königin!" ("Les adieux à la Reine")
Ein Film von Benoît Jacquot
Mit Léa Seydoux, Diane Kruger, Virginie Ledoyen, Xavier Beauvois, Noemie Lvovsky
Frankreich, Spanien, 2011, 100 Minuten
Offizieller Wettbewerb - Eröffnung
  • Kinostart: 24. Mai
    2012
Inhaltsangabe. Es ist der 14. Juli 1789 in Versailles. Die Nachricht vom Sturm auf die Bastille wird das Schloss erst am darauf folgenden Tag erreichen, aber die Ahnung, dass die französische Monarchie kurz vor dem Zusammenbruch steht, verbreitet sich bereits atmosphärisch in den stickigen Gängen und den Zimmern der Dienstboten im Dachgeschoss. Eine von ihnen ist Sidonie Laborde (Léa Seydoux), eine ihrer Königin Marie-Antoinette (Diane Kruger) vollkommen ergebene Vorleserin, die die Herrscherin in den schwierigen Tagen des Juli begleiten wird.

Was interessiert Benoît Jacquot an dem Untergang des Ancien Regime im Jahr 1789, geschildert aus der Perspektive des Schlosses von Versailles? Nicht so sehr die genaue historische Rekonstruktion (obwohl der Filmememacher in diesem Fall sorgfältiger vorgeht als er es gewöhnlich tut) als der Wunsch, den Zuschauer die geschichtlichen Ereignisse aus der Sicht einer einfachen Frau nachempfinden zu lassen. Eine fiktive Person, eine Dienstbotin, die zur Augenzeugin des Schicksals einer anderen, aus der Geschichte wohlbekannten Person wird: Marie-Antoinette. Die Österreicherin ist einsam, traurig und launisch, sie schwankt zwischen Verwirrung und Klarsicht.

Benoît Jacquot kann so mit dem spielen, was ihm in seinen Filmen schon immer am besten gelingt: dem Nachspüren der Beziehungen zwischen der Macht und der Anziehungskraft, die faszinierend sind und abstoßend, sinnlich und flüchtig. Diese vor allem weiblichen Beziehungen sollten einen nicht den männlichen Hauptdarsteller Xavier Beauvois in der tragischen Rolle Ludwigs des XVI. vergessen lassen. Der König betrachtet jeden Tag sein Wetterbarometer, aber den revolutionären Sturm sieht er nicht kommen.

Er leidet und fragt sich: Ist der Aufstand des Volkes weniger schmerzhaft als die panische Flucht seiner Höflinge und Günstlinge, möglichst weit weg von Versailles?
Julien Welter




Erstellt: 03-02-12
Letzte Änderung: 11-02-12