(Frankreich, 2005, 81 Min.)Mit Julie Depardieu, Eric Caravaca, Vincent Rottiers, Nathalie Richard…
Synopsis : Thomas (Eric Caravaca) erfährt vom Tod seines älteren Bruders, der sein letztes Familienmitglied war. Um sich den Verwaltungs- und Bestattungsangelegenheiten anzunehmen, kehrt er in seine Heimatstadt zurück. Er beschliesst im Hotel zu wohnen, denn ein dort erblicktes Foto lässt ihn vermuten, dass jene Einrichtung mit seinem Bruder etwas zu tun hat. Er begegnet Jeanne (Julie Depardieu), der Hotelbesitzerin, die die einstige Freundin von Richard war, und dem jungen Lucas (Vincent Rottiers), der Richard sehr mochte. Thomas verschweigt seinen eigentlichen Namen, lebt sich aber dort ein und stillt seine Neugier…

Im Gespräch mit Eric Caravaca (Real Video)
Im Gespräch mit Julie Depardieu (Real Video)Interview: Olivier Bombarda
Kritik: Für sein Regiedebüt befasst sich der Schauspieler Eric Caravaca mit einer Erzählung, die gewisse Ähnlichkeiten mit Son frère, dem schönen, kathartischen Film von Patrice Chéreau, aufweist, in dem er ebenfalls die Rolle eines jüngeren Bruders spielte. In seinem Film baut er diesen Charakter weiter aus, indem er ihm die dunkle und pathetische Dimension eines Mannes verleiht, dessen in der Jugend nie überwundenes Trauma sich in Ressentiment verwandelt hat und ihn daran hindert, ein freier und ausgeglichener Mensch zu werden. Etwas nach vorne gebückt, schweigsam und oft ungeschickt verkörpert er dieses nie zur Entfaltung gekommenen Wesen, das sich der Tatsache bewusst ist, dass sogar der Tod seines älteren Bruders ihn nicht von seinen Beklemmungen befreien wird.
Der erstarrten unterkühlten Stimmung fügt Caravaca den Einblick in einen öden Badeort hinzu, wo die Langweile der Provinz sich zu der ausser Betrieb genommenen Architektur -leere Schwimmbäder und Hafenzone- gesellt, um gleichsam auf die industrielle Poesie der französischen Filme der 80er Jahre anzuspielen. Diese Ästhetik entspricht Thomas' Erinnerungen an seine Jugend, als seien sie anhaltende, unvergängliche Bilder, dessen Schärfe immer intakt scheint, jedes Mal wenn man sich ihrer erinnern muss.
Diese authentisch dargestellte, trübselige und melancholische Stimmung kennzeichnet eine zurückhaltende Regie, die sich der Darstellung etlicher Gestalten widmet, die ebenfalls durch langes Warten, durch die Erinnerungen oder durch die Tatenlosigkeit wie erstarrt sind. In einem Brief rechtfertigt der schweigsame Richard sein schwer nachvollziehbares Verhalten durch 'vollkommen mangelndes Talent zum Leben', was in ihm sogar die Vorstellung hervorruft, Thomas sei nie sein Bruder gewesen. Ein harter und lakonischer Diskurs, der folgerichtig den sparsamen Stil des Filmes rechtfertigt.
Julien Welter
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Le passager
Von Eric Caravaca
(Frankreich, 2005, 81 Min.)
Mit Julie Depardieu, Eric Caravaca, Vincent Rottiers, Nathalie Richard…
Venedig 2005 - Semaine de la Critique






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Das bescheidene Erstlingswerk des Schauspielers Eric Caravaca
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