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Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 23. Februar 2006 - 11/08/08

Le chiavi di casa

Ein Film von Gianni Amelio


Bei allen tiefsinnigen Gesprächen zu fade, als dass man wirklich im Innersten berührt werden könnte

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Synopsis: Zum ersten Mal in seinem Leben trifft GIANNI (Kim Rossi Stuart) seinen bereits 15-jährigen behinderten Sohn PAOLO (Andrea Rossi), der bei Freunden aufgewachsen ist. Er soll ihm im Zug nach Berlin in eine Spezialklinik bringen, weil dort Rehabilitations-maßnahmen mit ihm vorgenommen werden. Zunächst fremdeln Vater und Sohn miteinander, dann kommen sie sich langsam näher.

Im Gespräch mit Charlotte Rampling (Real Video)

Kritik: Was hat es auf sich damit, dass der gut aussehende, sensible Mann mit Wohnsitz in Mailand namens Gianni, frisch gebackener Familienvater, seinen behinderten Sohn 15 Jahre lang nicht sehen wollte? Wurde er von der Mutter verstoßen oder war vielmehr er es, der die Vaterrolle verweigerte? Lange schweigt Gianni Amelio sich über Hintergründe aus und begibt sich fernab der Heimat auf einer Zugfahrt von München nach Berlin auf Spurensuche. Seine Geschichte einer Wiederannäherung gleicht einem tückenreichen Hindernisparcours, weniger deswegen, weil der behinderte Sohn den Rabenvater wegen dessen Verhaltens in Vergangenheit abstrafen würde, sondern weil sich zwei Fremde begegnen, die erst lernen müssen, miteinander umzugehen. Paolo jedenfalls, der spastisch gelähmte Sohn, der seinen Körper mittels einer Gehhilfe nur mühsam selber fortbewegen kann, ist ein Individualist, meist fröhlich und großzügig seinem Vater gegenüber, aber auch zu plötzlichen Launen oder Wutausbrüchen neigend, die Gianni erst nicht dechiffrieren kann. Paolo weiß manchmal Recht von Unrecht nicht zu unterschieden und empfindet doch gleichzeitig eine unbändige Lebenslust.

Keine komplizierte Schauspielerei musste Andrea Rossi, der zum ersten Mal auf der Leinwand zu sehen ist, betreiben – hat man zumindest den Eindruck - sondern eher Amelio seine Geschichte dem Charakter seines 15-jährigen Darstellers und seiner Biographie angleichen. Obwohl das bis nach Norwegen ausholende Roadmovie sehr einfühlsam die Hürden zu beschreiben sucht, die ein verängstigter Vater überwinden muss, bis er seinem verdrängten Sohn auf Augenhöhe begegnen kann, fühlt man sich doch zuweilen emotional erpresst. Zu weich und Schuld gebückt tritt der um größtmögliche Einfühlung bemühte Gianni seinem Paolo gegenüber, zu wenig wirkliche Angriffsflächen bietet ihr 1-wöchiges-Intermezzo für die große Kinoleinwand. Vielleicht ist auch das Gesicht von Kim Rossi Stuart zu glatt, seine kurze Begegnung mit der Französin NICOLE (Charlotte Rampling), ebenfalls Mutter einer behinderten Tochter, bei allen tiefsinnigen Gesprächen zu fade, als dass Le chiavi di casa einen wirklich im Innersten berühren könnte.

Martin Rosefeldt

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Le chiavi di casa
61. Internationale Filmfestspiele in Venedig: Wettbewerb
Regie: Gianni Amelio
Drehbuch: Gianni Amelio, Sandro Petraglia, Stefano Rulli
Darsteller: Kim Rossi Stuart, Andrea Rossi, Charlotte Rampling
Italien, 2004, 105’

Erstellt: 20-02-06
Letzte Änderung: 11-08-08