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17/05/04

La vie est un miracle

von Emir Kusturica
"Zivot je cudo"
(Frankreich – Serbien – Montenegro, 2004, 2 Std. 35 Min.)
mit Slavko Stimac, Natasa Solak, Vesna Trivalic…
Offizielle Auswahl – Wettbewerb
Synopsis: Im kleinen überschaubaren Leben von Luka gibt es nur Glück, Tanz und Lachen. Für den serbischen Ingenieur, der mit dem Bau der neuen Eisenbahnlinie beauftragt ist, die sein schönes kleines Tal in Bosnien durchqueren wird, steckt das Leben voller fröhlicher Ereignisse. Doch wir befinden uns im Jahr 1992, und allmählich lässt sich der Krieg nicht mehr verschweigen. Als sein Sohn zu den Waffen greift und Bomben auf sein grünes Paradies regnen, muss Luka plötzlich einschneidende Entscheidungen treffen.

Kritik: Trommeln, Konfetti, ausgelassene Rennen, irrwitzige Nachtschwärmer mit Trompeten, die über den Balkon hereinkommen und durch den Kamin wieder verschwinden... Wie schon seine vorangegangenen Werke ist auch der neue Film Emir Kusturicas eine einzige aufregende Karussellfahrt.

So dreht sich buchstäblich alles in diesen einhundertfünfundvierzig Minuten puren Kinos um den Begriff der Gewohnheit. Die erste Form der Gewohnheit spiegelt sich im Leben Lukas, der hin und hergerissen ist zwischen den utopischen, egoistischen Wünschen seiner kleinen provinziellen Existenz und dem mutigeren Vorhaben, auch weiterhin all die positiven und vergnüglichen Facetten des Lebens voll auszuschöpfen – gewissermaßen eine höhnische Botschaft an all die Unmenschen dieser Welt. Die zweite Form ist die von Kusturica selber, der sich nicht in konventioneller Art und Weise auf ein relativ nüchternes Thema und zwei Personen konzentriert, sondern die ihm ganz eigene Herangehensweise wählt, die sich hier jedoch als kontrapunktisch und zumindest etwas unangenehm erweist.

"La Vie est un miracle“ beruht auf denselben gauklerischen Prinzipien wie „Schwarze Katzer, weißer Kater“ (turbulentes Gewimmel, kurze Einstellungen und „Unza unza time“ von Kusturicas Gruppe No Smoking Band). Hieraus entstehen aber auch ungewöhnlich ernste, an Corneilles Tragödien gemahnende Situationen mit in ihre eigenen Widersprüche verstrickten Figuren. Das Illusionistische scheint hierfür Schlupflöcher bieten zu wollen oder eine Art des Widerstands zu leisten. Unberührt davon bleibt das Paradox, dass dieser Film weniger als sonst den Erwartungen und dem Konsens entspricht, seine kontrovers diskutierte Ausgewogenheit aber dennoch ihre Berechtigung hat.

Julien Welter

Erstellt: 15-05-04
Letzte Änderung: 17-05-04