Man nehme ein Land, das nie kolonialisiert wurde und in dem seit Urzeiten Musik gemacht wird. Die Wiege der Menschheit. Äthiopien. 2005 offenbart - mit seinen Film Broken Flowers - Regisseur Jim Jarmusch der Welt einen ihrer verlorenen Schätze: Mulatu Astatke. Seit einem halben Jahrhundert spielt der Vibraphonist und gelernte Perkussionist als Musiker und Arrangeur den Propheten des Ethio-Jazz. Auch mit 66 Jahren predigt er noch fleißig den abessinischen Swing, einen Cocktail aus Jazz, Latino-Rhythmen und traditionellen äthiopischen Klängen.
In Äthiopien wird man täglich Zeuge von Wundern wie zum Beispiel, ein ganzes Dorf, in dem jeder Bewohner mit einem anderen Instrument bewaffnet seinen Beitrag zu einer unfassbaren Polyphonie leistet. Hier, am Horn von Afrika, wurde mit Lucy eine unserer ältesten Vorfahren entdeckt. Äthiopien hat seit biblischen Zeiten eine intakte musikalische Tradition weitergegeben. Diese Blasinstrumente sind so alt wie Moses und könnten wie Abessinien selbst, vor über 5.000 Jahren entstanden sein.
1924 beschließt Kaiser Haile Selassie, direkter Nachfahre von König Salomon, die Musik seiner Heimat zu modernisieren. Er protegiert ein Orchester aus 40 vollwaisen Armeniern, die den türkischen Völkermord überlebt haben. Ihr Dirigent komponiert die äthiopische Nationalhymne und stellt Orchester zusammen, die Armee, Polizei und kaiserliche Garde offiziell repräsentieren. Ideale Voraussetzungen für Mulatu. „In Süd-Äthiopien gibt es einen Stamm, die Darashis, die in verminderten Skalen spielen. Und verminderte Skalen sind extrem wichtig für die Improvisation im Jazz. Als ich in Berklee studierte, erzählten sie uns, wie Charlie Parker den modernen Jazz erfunden hat. Wie Debussy benutzte er die verminderte Skala, um seine Musik zu komponieren. Also ging ich in den Busch, in die Hütten dieses Stammes, und probierte alles Mögliche aus. Diese Leute spielten in verminderter Skala. 24 Leute mit unterschiedlich langen Bambusrohren.“


2008 zieht Mulatu Astatke nach zwanzig Jahren endlich wieder selbst in London ins Studio. Dort mischen die Jungs von The Heliocentrics – der Backingband von DJ Shadow - mit, und lassen ihren Elektro-Sound in den Ethio-Jazz des alten Meisters aus Addis Abeba einfließen. „Viele Jahre ist unsere Musik abgekapselt gewesen. Die Welt hatte keine Chance, äthiopische Musik zu hören. In anderen Ländern wie dem Senegal oder Mali sorgten die Franzosen für weltweite Veröffentlichungen. Jetzt sind wir endlich auch dabei, und präsentieren der Welt gemeinsam mit unseren afrikanischen Brüdern unsere Musik und Kunst. Das ist toll.“
Links
- Offizielle Website von Mulatu Astatke
- Mulatu Astatke auf Myspace
- Heliocentrics auf Myspace
- Interview mit Mulatu Asatatke, der Vater des Ethio-Jazz
Alben
"Ethiopiques Volume 4"auf den Label Union Square
"Inspiration Information" von Mulatu Astatke & The Heliocentrics
bei Strut Records / Pias






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