Sarah Maple ist in der englischen Provinz aufgewachsen, ihre Mutter ist Muslimin, der Vater Christ – das prägt, im Leben und in der Kunst. Sarah’s Themen: starke Frauen und der Islam. Ihre Umsetzung: immer provokant und gern auch unter Ausnutzung ihrer selbst für die perfekte Pose. z.B. betend mit Bunnyohren auf dem Kopf.
Sarah Maple
Meine Arbeit kritisiert den Islam nicht als Religion. Es geht eher darum, dass ich in einer gemischten Familie groß geworden bin, dass ich als Muslimin in eine katholische Schule gegangen bin und solche Sachen. Für mich war das immer so: „Ich möchte zwar gläubig sein, aber ich möchte trotzdem das machen, was meine Freunde auch machen.“ Darum geht es mir, weil viele Muslime genauso fühlen.
Sarah ist schon immer an die Grenzen gegangen. Schon bei ihren ersten Bildern hat sie muslimische und westliche Stereotype aufeinander prallen lassen – und damit einige Betrachter ordentlich vor den Kopf gestoßen. Bei einer der ersten Ausstellungen ihrer Bilder haben Unbekannte sogar die Galerie demoliert. Weil es nach ihren Arbeiten zum Islam sogar Morddrohungen gab, liegt die Religion als Thema vorerst auf Eis. Dafür gibt’s jetzt die Feminismus-Breitseite: Sarah mit einem Menstruations-Blutfleck auf dem Kleid – das ist ihr neuestes Werk. Nach der Fotosession mit den Freunden malt sie die Szene auf die Leinwand. Die feministische Parole des Bildes: Menstruiere mit Stolz!
Nach dem stolzen Menstruieren folgt die nächste feministische Aufgabe: Prinzessinnen emanzipieren. Motiv Nr. 1: Schneewittchen. Vor allem die “Disney-Version” hat es Sarah angetan.
Sarah Maple
Es ist echt faszinierend, wie riesig diese Marke ist. Wenn Du eine kleine Tochter hast, kaufst Du ihr als erstes irgendein Prinzessinnen-Dings. Die Disney Prinzessinnen sind unterwürfige Frauen, die nur auf ihren Prinzen warten. Das gilt als Vorbild für kleine Mädchen. Und ich hab mir gedacht, was wäre, wenn sie mit anderen Vorbildern aufwachsen oder wenn sie denken würden: Ich will gar keine Prinzessin sein, sondern Ärztin oder Anwältin. Aber Prinzessinnen stehen nicht für so was.Also sorgt Sarah einfach selbst dafür, dass Prinzessinnen ihren Uniabschluss machen können, Meerjungfrauen Meetings leiten und Schneewittchen im Labor ihren Mann steht. Alles wie immer mit Humor – der wichtigste Bestandteil ihrer kritischen Auseinandersetzung mit der Frauenrolle. Wenn ein Maßband für ihr Lieblingshobby, das „Cock-Posing“ herhalten kann, warum nicht. Das wird dann sofort getan und auch fotografiert, selbst wenn Mutter Maple da die Hände über dem Kopf zusammen schlägt.
Sarah Maple
Als ich meiner Mutter mal gesagt habe: “Ich bin grade pleite, ich muss mal ein Bild verkaufen!“ hat sie gesagt „Ich glaube, es ist Zeit, dass Du anfängst, ernsthafte Bilder zu malen. Vielleicht Katzen und Hunde oder so was in der Art!“ Ich hab nur gesagt: „Mama, auf gar keinen Fall werde ich Katzen malen!“ Obwohl, grade mal ich eine. Aber doch nicht so! Ich versuche, ihr zu erklären, dass meine Arbeit beliebt ist, weil sie so ist, wie sie ist und weil sie witzig ist. Sie versteht das nicht. Aber ich weiß, dass sie stolz auf mich ist!
Auch andere junge muslimische Künstlerinnen räumen übrigens auf mit dem angestaubten Frauenbild – Sabina England ist eine von ihnen. Sie hat indische Wurzeln, ist in England aufgewachsen und hatte wenig zu lachen in ihrer Kindheit, dafür spielt Humor in ihren Arbeiten heute eine umso größere Rolle. Sie bezeichnet sich selbst als „deaf, muslim, feminist punk playwright“, als „gehörlose, muslimisch, feministische Punk Dramatikerin“ – mehr Gegensätze passen wohl nicht in einen Satz. In ihrem Video „Allah save the Punk!“ spielt sie alle Rollen selber und treibt als aufmüpfige Tochter im Punk-outfit ihren streng religiösen Vater fast in den Wahnsinn. Sarah Maple jedenfalls findet das Video wahnsinnig lustig!







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