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03.10.2008 - 23.40 : tracks - 22/02/11

Licht-Graffiti

Farbe an Häuser, Züge oder Bahnbrücken zu sprühen, das ist der neuen Graffiti-Generation zu gefährlich und zu langweilig. Sie hinterlassen keine Spuren, ihre Bilder existieren höchsten 20 Sekunden oder sind erst nach technischer Bearbeitung zu sehen.

Das ist keine animierte Science-Fiction-Serie, sondern Licht-Graffiti. Diese Mischung aus Langzeitbelichtung, Stop Motion und Malen mit Taschenlampen haben Marcel und David aus Köln entwickelt. Mit dieser Technik haben sie fast alle Freiheiten.

Vor zwei Jahren haben sich der VJ und Fotograf Marcel und der Graffiti-Sprüher David als Lichtfaktor-Crew zusammengetan. Was wie ein Heimwerker-Hobby aussieht, ist für die beiden mittlerweile zum Beruf geworden. Gerade haben sie einen Trailer für die BBC und das Design für einen amerikanischen Handyanbieter gemacht. Ihr Werkzeug sind einfach nur manipulierte Lampen.

Wie echte Graffitisprüher ziehen auch David und Marcel in der Dämmerung los. Sie haben jetzt schon jedes Bild geplant, denn es muss schnell gehen. Bevor es wieder hell wird, schaffen sie höchstens einen 15 Sekunden langen Film. Marcel drückt den Auslöser, dann hat David 30 Sekunden Zeit, das auftauchende Flussmonster zu malen. Das fertige Bild kann auch David nur erahnen. Erst auf dem Monitor wird das fertige Motiv sichtbar. Wenn die Taschenlampe aus ist, bleibt von ihrem Graffiti nichts als Fotos.

Übers Internet verbreiten Lichtfaktor ihre Filme, die pro Monat bis zu 800.000 Mal angesehen werden. Lichtgraffiti hat mittlerweile Anhänger rund um den Globus. Auch das Graffiti Research Lab hat es dank des Internets zu weltweiter Bekanntheit gebracht. Sie sind Technik-Lieferanten der Szene und entwickeln ständig neue Lichtwerkzeuge für die Street-Art- und Graffiti-Szene. Die sogenannten LED-Throwies gehören dazu und auch der LASER-TAG.

Die Laser-Tag-Aktionen des Labors ziehen regelmäßig Menschenmassen an. Gerade haben sie solch eine Installation im New Yorker MOMA gezeigt. Ihre Events sehen wie Kunst zum mitmachen aus, denn jeder darf selbst mal mit dem Laser schreiben. Doch die Polizei schaut trotzdem regelmäßig vorbei.

Spontanität ist bei diesem virtuellen 3-D-Graffiti nicht gefragt. Die Bilder, die der deutsche Graffiti-Maler Mirco Reisser hier in die Luft sprüht, sieht nur er. Unter dem Namen Daim ist er weltweit mit seinen konventionellen Graffitis bekannt. Beim virtuellen Graffiti erkennt ein Computerprogramm mit Hilfe der Kameras Mircos Position im Raum und schickt das Bild in seine 3-D-Brille. Auch wenn das 3-D-Graffiti für Manchen einer Revolution gleichkommt, für Mirco fügt es sich nahtlos in die Graffiti-Tradition ein.

Der Bruch mit den Graffiti-Maximen verschreckt zwar manchen Sprüher der ersten Stunde, doch so entwickelt sich die Szene weiter. Graffiti wird zur Kunstform, die die Massen begeistern kann.

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Samstag 4. Oktober 2008 um 03.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2008, 52mn)
WDR

Erstellt: 10-09-08
Letzte Änderung: 22-02-11