25/02/11
One shot not: Interview mit Manu Katché
Am 16. Januar geht's weiter
One Shot Not findet ab dem 16. Januar 2011 jeden Sonntag um 23.30 Uhr auf Arte statt. Manu Katché spricht über das Konzept seiner Live-Sendung.
Interview mit Manu Katché
Wie ist die Sendung entstanden?
Die Idee ging mir schon einige Zeit im Kopf herum. Ich mochte „Taratata“ (französische TV-Serie des französischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders France 2, bei der internationale Künstler auftreten und ihre Musikstücke live präsentieren. Zwischendurch talken sie mit dem Moderator. – A.d.Ü.), vor allem, wenn sich die Sendung der ausländischen Szene öffnete. Später gefiel mir dann auch die Sendung von Guillaume Durand („Trafic.Musique“, spezialisiert auf Live-Musik, ebenfalls France 2 – A.d.Ü.). Leider bringt das französische Fernsehen, außer in Unterhaltungssendungen, nur selten Live-Musik. Eine Wüste im Vergleich zu Nordamerika, wo der Saxophonist David Sanborn in „Night music“ (NBC) die Crème de la Crème der Musiker einlud, und im Vergleich zu England, wo in „Later with Jools Holland“ (BBC) der Underground präsentiert wurde. Natürlich hatten wir in Frankreich „L’écho des bananes“ und „Les enfants du rock“ – aber das war vor zwanzig Jahren! Da war auch noch Albert Raisner … Kurz und gut, ich glaube, in meiner Kindheit war das Angebot größer. Musik ist ursprünglich live und daher immer Teilhabe. Früher gab es die Chansonsänger der Rive Gauche und unzählige Jazz-Clubs; vor einiger Zeit kam die Latino-Szene im Bastille-Viertel auf. Sobald Musiker spielen, gefällt das den Leuten. Es bereitet so große Freude, sich an ein Konzert zu erinnern, es ist so aufregend, die Finger eines Musikers aus nächster Nähe auf einer Gitarre oder einer Klaviatur spielen zu sehen. Warum also sollte Live-Musik keinen Platz im Fernsehen haben? Da ich durch die Sendung „La nouvelle star“ (französische Version von „Deutschland sucht den Superstar“, in der Manu Katché als Jury-Mitglied auftritt – A.d.Ü.) auf M6 ohnehin ins Fernsehen gekommen bin, hatte ich große Lust, dieses Projekt umzusetzen.
Wie nahm ihr Wunsch Gestalt an?
Als ich Renaud Le Van Kim, dem Regisseur der zweiten und dritten Staffel von „La nouvelle Star“ und Musikfan, davon erzählte, dachte er an ARTE, und der Sender nahm die Idee mit Begeisterung auf. Da ich mich sehr europäisch fühle– ich habe mit Kroaten, Italienern, Deutschen und Polen gespielt – , bin ich stolz, diese Sendung für einen europäischen Sender zu machen, der in fünfzehn Ländern ausgestrahlt wird. Musik kennt keine Grenzen …
Das Studio soll zu einer echten Begegnungsstätte werden. „Manu Katché, Air, Bryan Ferry and Guests – One Night in Paris“ ist in erster Linie als Mischung von Genres und Menschen konzipiert. Alles wird von A bis Z gefilmt. Man sieht das Studio und den Techniker, der sich mit dem Ton abquält, man erfährt etwas über die Betriebsgeheimnisse und die Spannungen. Hier wird hinter die Glitzer- und Glamourfassade geschaut, die im Allgemeinen auf dem Bildschirm erscheint. Die Karrieren der eingeladenen Künstler werden mit Archivmaterial veranschaulicht. Wir drehen auch Szenen vorab. Für diese Premiere treffe ich mich mit Bryan Ferry. Sinn der Übung: den 62-Jährigen hören und entdecken bzw. wiederentdecken, der die Pop-Musik seit Roxy Music geprägt hat. Nicht anhand der Single seines jüngsten Albums, sondern beispielsweise im Rückgriff auf „Slave to love“. Alles ist erlaubt!
Sie sind Musiker. Wie kommt das der Sendung zugute?
Flüssigere Dialoge! Bryan Ferry und ich haben viel gemein: Orte, Musiker, Ideen … Doch auch wenn wir diese Kodizes teilen, müssen wir darauf achten, das Publikum nicht auszuschließen. Als Musiker fällt es mir auch leichter, jemandem anderen vorzuschlagen, wie er spielen soll. Und außerdem erleichtert es auch die Beziehungen, dass mich die Künstler kennen. Die meisten Musiker freuen sich darauf, zusammen zu spielen. Denn das geschieht letztendlich ziemlich selten, außer bei Events wie dem Live Aid, die übrigens immer helle Begeisterung bei ihnen hervorrufen.
Welchen künstlerischen Anspruch verfolgt die Sendung?
Ich möchte gern – wirklich interaktiv - Jazz, Pop und Rock der Urgesteine und die von umwerfenden Künstlern nur so wimmelnde Underground-Szene mischen. Alle dargebotenen Titel gibt es schon, unabhängig davor, ob die Künstler zugegen sind oder nicht. In der zweiten Sendung werde ich Lenny Kravitz und Peter Gabriel einladen, den ich hoffentlich dazu bewegen kann, Schlagzeug zu spielen, wie ich es tat, als ich mit ihm spielte. Mich interessiert vor allem die neue und die allerneueste Generation. Viele junge Leute machen Musik, und ich will ihnen eine Gelegenheit bieten, bekannt zu werden. Ich bin zwar kein Anführer, aber ich würde mich sehr freuen, einige von ihnen in der Sendung zu empfangen. Das ist heutzutage schwierig, selbst wenn sich die Musik mit MySpace und Le Web dem Monopol der Plattenfirmen entzieht.
Ich plane auch, die Alben, die ich geliebt habe, Revue passieren zu lassen. In meiner Kindheit in der Vorstadt ging ich zu kleinen Pariser Schallplattenhändlern wie Clémentine oder Music’action, um die Neuerscheinungen kennen zu lernen. Ich möchte auch einen Lieblingstitel vorschlagen und den entsprechenden Musiker am Ende der Sendung – gewissermaßen als I-Tüpfelchen – sechs Minuten ohne Kommentar oder Interview spielen lassen.
Erstellt: 07-12-09
Letzte Änderung: 25-02-11