"Welcome to the Eighties" erforscht jedoch die Tiefendimension einer gleichermaßen umstrittenen wie bis heute eifrig adaptierten Jugendkultur. Einer musikalischen Vielfalt, die die Experimente der Postpunk- und Synthie-Ära radikalisiert. Killing Joke, die mit "Love Like Blood" und der Titelmelodie der Serie, "Eighties", einem äußerst kritischen Song über die Dekade, zentrale Hymen des Jahrzehnts schufen, kommen ebenso zu Wort wie Cabaret Voltaire, Mitbegründer des "Industrial"-Sounds oder die französischen Fetisch-Avangardisten des Industrial, Die Form. Denn die Grenzen zwischen den Genres sind fließend, und mit maschinell wirkenden Klängen werden die harten Seiten des späteren Techno in Industrial und Electronic Body Music vorweggenommen. Der Film lässt sich nicht schrecken und begibt sich auch tief hinein in die missverständliche und provozierende Welt des Black Metal, der mit satanistischen und okkulten Elementen spielt.
Und da Spannung aus Gegensätzen entsteht und Kontraste das Sujet erhellen, hat Autor Tom Theunissen auch Sydne Rome besucht, jene Aerobicikone, die in pink- und mintfarbenen Stretchklamotten das Volk zu Fitness verhalf. Ist doch die finstere Welt der Gothics, des Industrials und des Black Metals bewusster Gegenentwurf zu Tennisstirnband, Fitnesswahn und der Ellenbogenmentalität jener Zeit.
"Welcome to the Eigthies" ist die erste umfassende Darstellung der Entwicklung der Popmusik in den 80er Jahren. Fernab von Zauberwürfel und Chart-Show-Entertainment und ohne jeden Anspruch auf enzyklopädische Vollständigkeit vollzieht die Reihe in sechs Folgen die zentralen und qualitativ neuen, popkulturellen Strömungen der 80er Jahre nach - von der vom Punk initiierten, kreativen Explosion der frühen 80er bis hin zu einem neuen und bahnbrechenden Dancefloor-Geschehen rund um die House- und Acidszene. Dabei wird deutlich, wie stark wir heute von der Musik des angeblich so unkreativen Jahrzehnts beeinflusst und bestimmt werden.
Die Gliederung folgt einer lockeren Chronologie und orientiert sich an dominierenden Musikstilen. Die Erzählweise ist exemplarisch, nicht lexikalisch - sucht das Typische, Stilbildende, Anknüpfungsfähige, nicht das Solitäre. Im Mittelpunkt stehen das Selbstverständnis und die "Philosophie" der jeweiligen Szenen. In einer Kombination aus Zeitzeugeninterviews mit Protagonisten und "Machern", teils raren Archivmaterialien und aufwendigen Inszenierungen entsteht so das Panorama der Zeit, in der die Geschichte unserer Gegenwart geschrieben wurde.
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Joy Division
The Jesus and Mary Chain
New Order
Front 242
Video
Cabaret Voltaire - Nag Nag Nag






















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23 Kommentar(e)
Wie erkläre ich´s einem NICHTwissenden.. | Illuminator
01.10.2009 - 14:14
Eine tiefer greifende Dokumentation über das Thema GOTHIC/INDUSTRIAL habe ich auch nicht erwartet, aber welcher TV-Sender wenn nicht ARTE sollte eine ernstzunehmende Doku über dieses Thema bringen ? Allerdings könnte man wahrscheinlich eine eigene 5 bis 10teilige Serie über dieses Thema bzw. die Gothic- und Industrial- eigenen Stile und Musikrichtungen bringen. Ebenso im Metal Bereich. Hier wurde lediglich kurz angerissen das es sowas gab, bzw. gibt, bzw. in den 80er (teilweise 70er) Jahren entstanden ist. Ich war schon froh, das Throbbing Gristle, S.P.K. und Test Department erwähnt wurden. Diese Sendung war lediglich für Zuschauer gedacht, die nicht wußten das es sowas gab/gibt. Und für solch einen Zuschauer ist es nicht wirklich wichtig, welche Bands jetzt genau in der Szene damals gehört wurden. Sehr enttäuschend fand ich jedoch auch Sydne Rome (die Aerobic-Tante) und L´ame Immortelle. Die hatten nun wirklich nichts in einer Sendung über 80er Gothic/Industrial zu suchen!
Anschauen | blabla
30.08.2009 - 04:04
Gibt es diese Folge auch irgendwo zum nochmal angucken?
unzufrieden | Ben Gunn
28.08.2009 - 18:26
Auch ich bin mit dieser Doku nicht zufrieden. Wenn die Sendezeit schon knapp ist, muss man sich doch auf das Wesentliche konzentrieren und da gehören Bands wie Joy Division oder die Sisters nun mal dazu. Was meiner Meinung nach gar nicht geht, ist das Vorkommern von L'Ame Immortelle. Die haben nun mit den 80ern gar nichts zu tun. Auch auf die Aerobic-Tante hätte man in Anbetracht der knappen Zeit verzichten können. Und zu guter letzt finde ich es ebenfalls fragwürdig, dass man die Death-Metal-Szene in dieser Folge abhandeln musst. Die hätte sicher eine eigene Doku verdient.
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