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Krimiautoren A-Z - 30/12/10

Jo Nesbø

Jo Nesbø wurde 1960 in Oslo geboren. Der studierte Ökonom ist Musiker und seit der Veröffentlichung seines ersten Krimis „Der Fledermausmann“ 1997 zunehmend erfolgreicher Krimiautor. Sein Held Harry Hole ist ein alkoholkranker Kommissar mit internationaler Erfahrung (in seinem ersten Fall ermittelt er in Australien) und Kenntnissen in Profiling.
Nesbø hat zahlreiche Preise gewonnen, u.a. die Auszeichnung für den „besten norwegischen Krimi aller Zeiten“ - was beweist, dass sogar Jurys über Selbstironie verfügen können.


Rezensionen zu „Headhunter“


Siehe KrimiWelt-Bestenliste September 2010


Der Headhunter Roger Brown ist ein berechnender Widerling, aber man ist genötigt, sich mit dem zynischen Ich-Erzähler zu identifizieren, weil der Rest der Akteure noch ekelhafter erscheint. Brown sucht Manager aus; seine sadistischen Spielchen mit den Kandidaten - selbstverständlich auf psychologischer Basis und den Verhörmethoden der Geheimdienste abgeschaut - befriedigen den etwas zu klein geratenen Kopfjäger ungemein. Dazu kommt noch, dass der smarte Menschenverächter so Bekanntschaft mit finanziell erfolgreichen Bossen schließt, die zuhause das ein oder andere teure Bild hängen haben. Roger organisiert sich da einen netten Nebenverdienst, und niemand würde vermuten, dass der Top-Headhunter etwas mit geklauten Kunstwerken zu tun hat. Aber einmal ist er zu gierig, die Folgen sind desaströs: der Jäger wird zum Gejagten.
Jo Nesbø beweist wieder viel Sinn für absurd-schaurige Situationen. Er beschreibt sehr ironisch, wie man Humanressourcen einkauft und desavouiert mit Lust die zweifelhaften Kriterien der Personalrekrutierung für die höheren Etagen des Managements. Was den kriminellen Plot selbst angeht, hält der Autor von Realismus nicht viel. Die Tricks, mit denen Roger seinem Rivalen zu entkommen sucht, sind reine Gedankenkonstrukte. Trotzdem: Nesbøs böses Sittenbild macht viel Vergnügen.


  • Sylvia Staude/Frankfurter Rundschau 23.7.2010

Schon bald soll mit den Dreharbeiten zu "Headhunter" begonnen werden, dem bisher einzigen seiner Bücher, das der norwegische Krimiautor Jo Nesbø für eine Verfilmung freigegeben hat. Nesbø ist bekannt geworden mit einem Haudrauf-Ermittler namens Harry Hole. Den, so wird er zitiert, wolle er vorerst noch nicht auf der Leinwand sehen. Die Entscheidung leuchtet ein: Hole ist aus Fleisch und Blut und einigen anderen Körperflüssigkeiten, jeder Leser, jede Leserin, kann sich selbst ein äußerst plastisches Bild von ihm machen. Aber die "Headhunter"-Hauptfigur Roger Brown - was für ein abwaschbarer Name schon! - ist nur ein Rad in einer perfekten Handlungsmaschine. Eigentlich braucht man nur einen Schauspieler, der relativ klein ist und üppiges Haar hat.
Unter einer Schicht üblicher Nesbø-Drastik - Brown muss sich einmal in ein Plumpsklo flüchten - verbirgt dieses Buch nicht lange, dass ein millimetergenaues Rädchen hier ins andere millimetergenaue Rädchen greift.
Roger Brown also sucht Bosse für die großen Firmen. Er ist der Beste unter Oslos Headhuntern, glaubt er, weil er so klein ist - siehe Napoleon u.a.. Ein kühler Spieler ist er allemal. Denn weil er eine bildschöne, große (!) Frau hat, der er eine schicke Kunstgalerie sponsert, hat er einen sorgfältig organisierten kleinen Nebenverdienst. Er horcht die Bewerber für millionenschwere Chefposten aus: Ob sie sich für Kunst interessieren? Und haben sie bereits in Kunst investiert? Er hoffe doch, dass die Stücke auch gut gesichert sind? Und während die Manager denken, Brown möchte mit dieser letzten Frage prüfen, ob sie umsichtige Menschen sind, möchte er nur wissen, ob er die teuren Teile gefahrlos stehlen kann.
Bei einem Einbruch stellt er fest: Seine Frau geht fremd. Und dann bricht auch gleich der Rest seiner wohlgeordneten Welt zusammen. Schneller und schneller wickelt Nesbø nun sein erzählerisches Garn ab. Hinweise, die er zuvor aufs Kunstvollste streute, erhalten ihren Sinn im großen Ganzen, jede überraschende Handlungswendung wird von der nächsten Wendung getoppt.
"Headhunter" ist so perfekt gebaut und geschmeidig erzählt, dass es sinnlos ist, sich dem Strudel widersetzen zu wollen. Aber wenn man auf der allerletzten Seite angekommen ist, merkt man: Die emotionale Beteiligung an den Abenteuern des Roger Brown ist erstaunlich gering. Aber für einen prallen Actionfilm muss das kein Nachteil sein.




Rezensionen zu „Leopard“


Siehe KrimiWelt-Bestenliste Februar 2010

  • Hendrik Werner/Buchjournal Februar 2010

Die gute Nachricht: Harry Hole, nah am Suff gebauter Serienkommissar des Norwegers Jo Nesbø, trinkt nicht mehr. Einziger, nun ja, Wermutstropfen: Statt zu bechern, berauscht er sich im Höchstspannungsroman „Leopard“ an Opium, um den Verlust seiner Freundin Rakel zu verwinden. Im Vorgängerroman „Schneemann“ hatte er die Herzdame in Lebensgefahr gebracht – und sich damit um die Krücke seines Lebens. Nun hockt Hole, der einst soff wie ein Loch, in einem Loch in Hongkong und sucht das Vergessen.

Vor völliger Benebelung wird er durch Kollegin Kaja bewahrt, die ihn nach Oslo zurücklotst. Dort soll Hole beim Auffinden eines Serienkillers helfen, der scheinbar wahllos Frauen meuchelt, indem er ihrem Mundraum einen mit Nadeln durchsetzten Gegenstand einspeist. Die Psychopathen-Hatz führt Hole in norwegische Eiswüsten, afrikanische Hitzehöllen – und bis an die Grenzen nicht nur seiner Vorstellungskraft. Denn so existenziell wie in „Leopard“ war die Hauptfigur von Nesbøs Reihe selten betroffen: Rakel sendet kein Lebenszeichen, Holes Vater liegt im Sterben, und der Gegner erweist sich als seinem Häscher ebenbürtig. Bis zum Herzschlag-Finale, in dem bei Nesbø nie ausgemacht ist, ob es happy oder happig ausfällt.


Rezensionen zu „Schneemann“


Siehe KrimiWelt-Bestenliste Dezember 2008

  • Sylvia Staude/Frankfurter Rundschau, Dezember 2008

Die Zutaten Jo Nesbøs sind das Normalste von der Krimiwelt, wie Mehl, Eier, Zucker, Butter für einen Rührkuchenteig. Man nehme: einen Serienmörder, als Kind traumatisiert, einen Ermittler mit Alkohol- und Beziehungsproblem, einen Verdächtigen, der dann selbst ins Gras (hier: die Kegelbahn) beißt, Zeitdruck (wird der Serienmörder, wie sein Name schon sagt, wieder morden?), einen Showdown, bei dem der hart zupackende Ermittler in Gefahr gerät. Das Verblüffende: Jo Nesbøs Zutaten sind zwar in der Küche jedes halbwegs gewieften Krimischreibers vorhanden - aber er mischt sie so, dass sie wundersamerweise schmecken wie vom Sternekoch. Es muss halt doch an der so genannten Schreibe liegen, an der trotz allem plausiblen Personenzeichnung, dem genau richtigen Szenenwechsel-Tempo, den lebensnahen Dialogen, den kleinen Momenten der Alltäglichkeit und Innigkeit, für die trotz aller Action Zeit ist. Der jüngste Nesbø-Serienmörder baut Schneemänner, und wenn der letzte geschmolzen ist, sind das auch, wie es sich für einen Krimi gehört, die Nerven des Lesers.


  • Lore Kleinert/Radio Bremen, Dezember 2008


Immer, wenn es Neuschnee gibt, hinterläßt der Mörder seine Visitenkarte: einen Schneemann mit makabrem Inhalt. Junge Mütter sind seine Opfer, und es braucht Zeit, bis der Osloer Kommissar Harry Hole bemerkt, dass ein Serienmörder sein Unwesen treibt. Harry Hole selbst ist für seine Alkoholexzesse berüchtigt, jedoch berühmt für seine Qualitäten als Ermittler ungewöhnlicher Verbrechen. In diesem siebten Band ist seine Selbstbeherrschung gewachsen, und das ist gut so, denn von seinem Jagdinstinkt hängt mehr denn je zuvor ab.

Harry spürte den Impuls, das Zittern, das ihn immer überkam, wenn er sich dem Biest zum ersten Mal näherte. Und auf den Impuls folgte immer die große Besessenheit. Die alles auf einmal war: Liebe und Dope, Blindheit und Klarsicht, Sinn und Unsinn. Die Kollegen sprachen manchmal von Spannung,  aber das war etwas ganz anderes, etwas viel Größeres. Er hatte nie jemandem von dieser Besessenheit erzählt oder auch nur den Versuch unternommen, sie zu analysieren. Er wagte es nicht. Er wusste nur, dass sie der Treibstoff seiner Arbeit war.

Jo Nesbos  „Schneemann“ lebt von dieser Besessenheit seines angeknacksten Helden, und der Autor stellt ihn vor Herausforderungen, die allesamt ihre Wurzeln in der Vergangenheit haben. In Rückblenden lockt er die Leser auf Fährten, die sich im weiteren Verlauf als falsch oder irreführend erweisen und dennoch im Gefüge des Romans einen wichtigen Platz einnehmen, weil der Kommissar und sein Team erst durch diese Herausforderungen ihrem Ziel näher kommen. Rafto zum Beispiel war vor vielen Jahren Polizist in Bergen, - Eisenrafto nannte man ihn, und er ist seit langem verschwunden. Auch er war dem Mörder junger Frauen sehr nahe gekommen. Zu nahe.

Es ist ein Spiel“, sagte die Stimme. Rafto räusperte sich: „Ein Spiel?“ „Ja, Sie spielen doch so gern“… „Warum gerade ich?“ fragte er. „Weil Sie der Beste sind. Und ich nur gegen die Besten spiele.“  „Sie sind verrückt“, flüsterte Rafto und bereute es im gleichen Augenblick. „In diesem Punkt“, nickte der andere mit der Andeutung eines Lächelns, „gibt es wohl kaum einen Zweifel. Aber auch Sie sind verrückt, mein Lieber. Das sind wir wahrscheinlich alle. Ruhelose Geister, die nicht mehr nach Hause finden. Das war schon immer so.“

Wer diese Geister bannen will, muß sie allesamt erst einmal beschwören; Harry Hole ist ein Polizist, der das weiß, und der erfahren muß, welchen Preis man dafür zahlt. Nicht nur seine Perspektive nimmt der Autor Jo Nesbo ein, sondern mitunter auch die des Mörders, und das ermöglicht uns als Lesern, das Labyrinth des Verbrechens mit großer Spannung zu erleben, ohne mehr zu wissen als der Kommissar selbst: die Spuren verlaufen sich oft genug im Schnee.  Auch seine neue Kollegin Katrine trägt nicht unbedingt zur Aufklärung bei, und schließlich wird die Zeit sehr knapp.

Worum geht es eigentlich, Chef?“ „Um die Glaubwürdigkeit der Osloer Polizei. Die dreckige Brühe fließt immer nach unten, Harry. Und je höher die Position des Verursachers, desto mehr wird das ganze Korps besudelt. Dass einzelne Leute auf niedrigeren Ebenen Fehler machen, ist noch verzeihlich. Aber wenn die Menschen den Glauben daran verlieren, dass die Leitung des Korps kompetent ist und das Ganze einer gewissen Kontrolle unterliegt, haben wir verloren. Ich rechne damit, dass sie verstehen, was da auf dem Spiel steht, Harry.“

Doch bis die Glaubwürdigkeit der Polizei und vor allem ihres außergewöhnlichen Ermittlers wieder hergestellt wird, muß Harry Hole zunächst erkennen, dass er selbst und die Frau, die er liebt, ins Visier des Serienkillers geraten sind. Das Showdown, das dem virtuos komponierten Roman angemessen ist, soll hier keineswegs verraten werden – Krimifreunde kommen nicht umhin, mit Hole die Spuren im Schnee zu verfolgen und den Schneemännern auf den kalten Grund zu gehen.

Rezension zu „Das fünfte Zeichen“


Siehe KrimiWelt-Bestenliste April 2006

Ingeborg Sperl/Der Standard, April 2006

Harry, der Alkoholiker und genial intuitive Ermittler, steht vor seiner Entlassung aus dem Polizeidienst. Nur weil Ferien sind und Personalmangel herrscht, lässt man ihn noch an der Aufklärung scheußlicher Serienmorde mitarbeiten. Harry hasst den Polizisten, mit dem er zusammenarbeiten muß. Er hat Tom Waaler in Verdacht, nicht nur am Waffenschmuggel zu verdienen, sondern auch eine Kollegin erschossen zu haben. Alle halten das für die Paranoia eines Trinkers und Tom für einen Superfahnder. Harrys Freundin hat ihn verlassen, so bleibt ihm nur mehr die Flasche und, sofern er dazu gerade imstande ist, die Arbeit. Jemand ermordet in Oslo scheinbar wahllos Frauen und schneidet seinen Opfern einen Finger ab. Der Mörder will eine Botschaft hinterlassen, die Entschlüsselung läßt auf sich warten. Jo Nesbos famoser, brutal drastischer Thriller „Das fünfte Zeichen“ gehört zu den Krimi -Höhepunkten des Jahres.


Rezension zu „Der Erlöser“


Siehe KrimiWelt-Bestenliste Dezember 2007



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Erstellt: 28-11-08
Letzte Änderung: 30-12-10