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Themenabend am 17.2.2006 - 26/05/14

Heinrich Heine

22.15 Uhr
Denk ich an Deutschland in der Nacht ...
Das Leben des Heinrich Heine
Fernsehfilm von Gordian Maugg

23.15 Uhr
Wir haben alles mitgeträumt
Dokumentation von David Wittenberg


„In uns selbst liegen die Sterne unseres Glücks.“ Heinrich Heine

Lange lebte er in Frankreich, doch er schrieb über seine Heimat Deutschland. Am 17.2.2006 jährt sich der 150. Todestag des Schriftstellers Heinrich Heine. Widersprüchlich und leidenschaftlich, aggressiv gegen seine Gegner im Geiste, mischte er sich in die Politik, er stritt für die Freiheit und „erfand“ die Reiseliteratur, er war ein Meister der Ironie und doch auch ein ewig Liebender, als Poet berührt er mit seinem großen Zartgefühl: Er schrieb mit ganz neuer, bis heute überraschend moderner Tonart, und sein facettenreiches Werk eroberte Leser in aller Welt. Bis heute pilgern sie auf den Friedhof von Montmartre, um Blumen niederzulegen – es ist, als hielten sie Andacht für einen toten Freund. ARTE widmet dem großen deutschen Dichter, der einen wichtigen Teil seines Werks in Paris vollendete, einen Themenabend.

In dem aufwendig produzierten NDR-Spielfilm „Denk ich an Deutschland in der Nacht“ erzählt Gordian Maugg nach, was Heinrich Heine selbst „das Märchen meines Lebens“ genannt hat. Danach begibt sich die Dokumentation „Wir haben alles mitgeträumt“ des WDR auf Spurensuche: Wo begegnet uns Heinrich Heine heute in Deutschland und Frankreich – was hat er bewirkt, was wirkt bis heute?


22.15 Uhr
Denk ich an Deutschland in der Nacht ...
Das Leben des Heinrich Heine

Ein Fernsehfilm von Gordian Maugg
Regie: Gordian Maugg, Buch: Gordian Maugg und Alexander Häusser
Deutschland 2005, 60 Min.
Deutsche und französische Erstausstrahlung

Die letzten acht Jahre seines Lebens verbrachte Heinrich Heine gelähmt und unter Schmerzen auf seinem Krankenlager in einer schäbigen Mansarde in Paris. Der große Dichter, dessen Werke in Deutschland verboten waren, der Rebell, der sich „das Recht auf Heimat ein für allemal verscherzt hatte“, der reisende Romantiker, der bösartige Zyniker und ewig Verliebte – er war zum Pflegefall geworden. Doch so ausweglos seine „Matratzengruft“ auch scheinen mochte, Heines Geist blieb wach, sein Verstand messerscharf. Die Freiheit, die für ihn sein Leben lang als höchstes Gut des Menschen gegolten hatte, er verlor sie nicht im Gefängnis seines Körpers. Das Krankenlager in der „Matratzengruft“ ist für den Regisseur Gordian Maugg die Ausgangsidee für einen unterhaltsamen Fernsehfilm.

Heine hat seinen Bruder Gustav und seines Verleger Julius Campe aus Hamburg nach Paris geholt, um mit ihnen seine letzten Dinge zu regeln. Noch einmal zieht sein Leben an ihm vorbei – der Kranke erzählt seinen Vertrauten, und sie erinnern sich mit ihm. Der Film erzählt von der Kindheit im französisch besetzten Düsseldorf mit den ersten Erlebnissen der Ausgrenzung wegen seines Judentums; von den turbulenten Studienjahre in Göttingen und Berlin, in denen der dichtende Jurist die Macht der Obrigkeit erleiden muss. Es folgen künstlerisch wichtige Kontakte zu der Förderin Rahel Varnhagen und die Harzreise. Der Film führt schließlich in Heines Pariser Exil, das zunächst eine Zeit der intensiven Lebensfreude ist: da ist die leidenschaftliche Beziehung zu der Schuhverkäuferin Mathilde, Heines späterer Ehefrau. An die Existenz geht der große Streit mit dem Dichter-Freund Ludwig Börne. Glücklicher ist die freundschaftliche Verbindung mit Karl Marx – und nicht zuletzt wartet da noch die letzte große Liebe, die Heines Leben überstrahlt: Mouche.

Der Film lässt Heine oft in seinen eigenen Worten sprechen, nicht rezitativ-vortragend, sondern als Mensch, der frei und natürlich das ausspricht, was ihn bewegt. Er versucht, die äußerlich so wechselvolle und erlebnisreiche Lebensgeschichte mit einer Innenansicht des Menschen und Dichters zu verknüpfen.

Mit Rüdiger Vogler wurde ein vorzüglicher Darsteller für den alten kranken Heine gefunden. Mit hintergründigem Humor gestaltet Fabian Busch den jungen Heinrich Heine. In anderen Rollen sind unter anderen Katharina Wackernagel sowie Peter Wolf und Rafael Mayer zu sehen.

23.15 Uhr
Wir haben alles mitgeträumt

Dokumentation von David Wittenberg
Regie: David Wittenberg, Redaktion: Sabine Rollberg
Deutschland 2005, 52 min.
Deutsche und französische Erstausstrahlung

Erzählt wird von einem unabhängigen Schriftsteller, einem sehr freien Menschen am Anfang der Moderne.
Ein Streiter, ein Tages-Schriftsteller, großer Prosaist und Lyriker, der einen neuen Ton anschlägt, witzig, phantasievoll, polemisch.
Er ist der Autor wunderbarer „Reisebilder“, heute noch viel gelesen; der erste große Schriftsteller des Meeres, der „Hofdichter der Nordsee“.
Der erste Schriftsteller, der offensiv Antisemitismus, Geschichte der Juden, Menschenrechte, Demokratie klar und deutlich zum Thema machte, als es Demokratie und Menschenrechte nur in ersten Ansätzen gab.
In Kunst, Literatur, Musik war seine Zeit, die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, eine große Aufbruchsepoche, gleichzeitig gab es eine Revolution in Industrie und Technik, und den Beginn der kritischen Öffentlichkeit und der Presse.
Ein Film, der Erinnern, Vergessen, Gedächtnis thematisiert: bornierter Nationalismus und mörderischer Rassismus sind Kinder des 19. Jahrhunderts – mit langer Vorgeschichte.
Heine ist sehr modern in seinem offensiven Bestreben auf größter persönlicher und gesellschaftlicher Freiheit, auf sinnlichem Glück. Modern auch in seiner Verve des demokratischen Streits.

„Nicht alles ist tot, was begraben ist.“ Heinrich Heine



Erstellt: 14-02-06
Letzte Änderung: 26-05-14